Es gab sie einst, jene Zeit, als Nicolas Cage noch nicht als ausgeflippte Kultfigur einen jeden direct to DVD – Start mit seinem legendären Overacting zumindest ein Stück weit aufzuwerten wusste, sondern als ernstzunehmender Schauspieler und Publikumsmagnet richtig Schotter in die Kinokassen weltweit spülen konnte. Viele der damaligen Filme sind heute noch Kult und wecken bei Eingeweihten nostalgische Gefühle an das Actionkino vergangener Zeiten.

von Mara Hollenstein-Tirk

So auch der oktanhaltige Streifen „Nun noch 60 Sekunden“ (ein Titel, der weder in der Übersetzung, noch im Original mit Blick auf die Handlung irgendeinen Sinn ergibt, sich aber trotzdem unglaublich cool anhört), mit dem Disney+ sein neues „Star“-Angebot zur Freude seiner Abonnenten weiter ausbaut. Die Handlung ist dabei schnell zusammengefasst: Ein eigentlich bereits ausgestiegener, äußerst talentierter Autodieb muss noch ein letztes Ding durchziehen, um das Leben seines jüngeren Bruders zu retten. Der hat nämlich blöderweise einem ziemlich bösen Gangsterboss 50 Autos versprochen – und die Deadline endet bereits in 4 Tagen. Also wird schnell eine verwegene Crew auf die Beine gestellt und ein grandioser Coup in einer einzigen Nacht geplant.

Man merkt schon, der dürstende Actionenthusiast findet hier viele bekannte Bausteine vor, die dem eigentlich im Vordergrund stehenden Krachbumm ein wenig Fleisch verpassen: Der bereits geläuterte Held, der sich für die Familie noch ein letztes Mal auf die schiefe Bahn begibt, ein paar alte Konflikte und hängen gelassene Fäden, die es zu lösen gilt, einen respekteinflößenden Bösewicht, der den Einsatz gehörig in die Höhe treibt und dem Helden beständig im Nacken sitzt. Wenn man das alles mit guten Schauspielern und gelungenen Actionsequenzen mischt, hat man auf jeden Fall das Rezept für einen guten Actionkracher im Gepäck. Etwas, das auch die Verantwortlichen hinter diesem Projekt verstanden hatten. Also wurden schnell Nicolas Cage, Angelina Jolie, Robert Duvall und wie sie nicht alle heißen mit ins Boot geholt, ein recht unerfahrener, aber doch ambitionierten Regisseur (Dominic Sena) hinter die Kamera gesetzt, ein Soundtrack zusammengestellt, der kaum cooler sein könnte, und schließlich, als besonderes Schmankerl, ein paar Klassiker und Kultautos aufgefahren, bei denen selbst eingeschworene Autoverweigerer große Augen bekommen.

Ein bisschen Drama, ein wenig Spannung, die richtige Dosis an Heist-Movie-Elementen, eine Prise Action und am Ende der obligatorische Ritt, Verzeihung die Fahrt, in den Sonnenuntergang: So gingen „Heldengeschichten“ im Jahre 2000. Da drückt man dann auch gerne mal ein bis zwei Augen zu, wenn die Dialoge ein wenig zu cheesy oder die Charaktere einen Hauch zu stereotyp um die Ecke kommen, immerhin nehmen diese Elemente auch heute noch nicht soweit Überhand, dass sie einem den Spaß an dem Ganzen verderben würden. Und den hat man tatsächlich. Dafür sorgt alleine schon das konstant hohe Tempo, die gut platzierten und eingestreuten Lacher und das unschlagbare Charisma von Cage himself. Wer also die Heist-Elemente in „Fast & Furious 5“ geschätzt hat, aber fand, dass sich der Fokus zu weit von den eigentlichen Stars der Reihe, den geilen Karren entfernt hatte, von der Statur her einen Helden Marke John McClane bevorzugt und sich fragt, warum jeder um die 30 und drüber so einen Narren an diesem Nicolas Cage gefressen hat, der sollte definitiv einen Blick auf „Nur noch 60 Sekunden“ riskieren.

„Nur noch 60 Sekunden“ ist seit 12.3. auf Disney+ Star zu sehen.


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