Gaspar Noé ist wohl das, was man am ehesten als Eigenbrödler bezeichnen kann, oder möglicherweiser eher als Charakterkopf. Das ist in keinster Weise despektierlich gemeint, doch wer einen Blick in die Filmographie des Argentiniers wirft, wird zustimmen müssen. Egal ob realistische Sexszenen im close-up, mehrstündige Drogentrips oder ausufernde Gewalt – Noé bannt alles auf Film, setzt seine Zuschauer damit bewusst einer Belastungsprobe aus und überschreitet mit Vorliebe die manifestierten Grenzen der Genres.

von Cliff Brockerhoff

In „Lux Aeterna“ war das ursprünglich eigentlich gar nicht vorgesehen. Hinter seinem nunmehr sechsten Spielfilm versteckt sich der künstlerische Leiter von Yves Saint Laurent, einer bekannten Marke, die immer mal wieder Kunstprojekte fördert und bei Noé vorstellig wurde. Bis auf wenige Vorgaben ließ man dem Regisseur freie Hand, rechnete allerdings eher mit einem Kurzfilm. Doch alles kam anders, und so lässt uns das beinahe undefinierbare Endresultat, das letztlich in Cannes debütierte, ungeschönt hinter die Kulissen eines Filmdrehs schauen.

Mit seinen rund 50 Minuten ist der Film immer noch recht kurz, doch viel länger hätte man als Betrachter wahrscheinlich auch nicht ausgehalten. Zu Beginn verfährt das Werk dialoglastig, konfrontiert die Menge mit Unterhaltungen zwischen den Schauspielerinnen, präsentiert sich in eigenwilligem Format, streut immer wieder Zitate bekannter Filmemacher ein und scheut sich auch nicht davor zwei Handlungsstränge gleichzeitig in verschiedenen Bildausschnitten laufen zu lassen. Das alles wirkt chaotisch, wild, und vor allem tierisch anstrengend. Die Verbildlichung der Zustände an einem Filmset, eingefangen in einem Film, der ein Filmset illustriert. Eine interessante Idee, aber kann das als Spielfilm funktionieren?

Auf diese Frage lässt sich leider nur eine Antwort geben: Nein. Auch als leidensfähiger Zuschauer, der sich bereits durch die Tunnelszene in „Irreversibel“ und die herumwirbelnden Kamerafahrten von „Climax“ gekämpft hat, stößt man hier an seine Grenzen. Nicht etwa weil einen die Handlung überfordert und das Narrativ in die Irre führt, nein, das Gesehene ist schlichtweg unfassbar langweilig und nervtötend. Das Projekt wirkt als Beweihräucherung, das die Zustände des Entstehungsprozesses dokumentieren soll, sodass der Zuschauer einmal sehen kann, mit was sich Filmemacher so rumschlagen müssen. Fair enough, doch letztlich wirkt „Lux Aeterna“ als Karikatur der eigenen Schaffensphase, als best-of ohne Highlights und als maßlos in die Länge gestrecktes Statement, das auch in fünf Minuten funktioniert hätte.

Gut, wenn Noé beim Dreh das Verlangen hatte das Projekt auszuweiten, sei dies im Sinne der künstlerischen Freiheit natürlich nicht verurteilt. Wenn alle Akteure Spaß hatten und auch der Auftraggeber mit dem Ausgang zufrieden war – super. Doch als Zuschauer hätte es diese Einsicht nicht gebraucht, ebenso wenig wie die herzliche Einladung zum epileptischen Anfall gegen Ende. Die vorangestellte Warnung sollte hier unter allen Umständen ernst genommen werden, denn was sich in den letzten zehn Minuten abspielt, ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Der Film wirft mit Farben und dröhnenden Sounds um sich, flackert wild und unkontrolliert vor sich hin, lässt seine Protagonisten im Hintergrund leise klagen und erweckt in der Zuschauerschaft eigentlich nur eine Frage: ist das noch Kunst oder ist das schon Disco?

Fazit

Gaspar Noé gewährt mit „Lux Aeterna“ einen intimen Einblick hinter die Kulissen eines Filmdrehs, der als Spielfilm nur leider überhaupt nicht funktioniert. Als Extra in Form eines making-of womöglich respektabel, doch zur gepflegten Unterhaltung taugen das geistlose Gefasel und schwer verdauliche Stroboskop-Gewitter nun wahrlich nicht, auch wenn der metaphorische Seitenhieb deutlich wird. Dann lieber wieder Sangria-Kapriolen oder romantische Spaziergänge in dunklen Unterführungen. Ab sofort als BluRay, DVD oder video-on-demand erhältlich!

Bewertung

Bewertung: 2 von 10.

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Bilder: ©AlamodeFilms

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