Horrorfans aufgepasst! Stellt euch folgendes Szenario vor: eine schüchterne Teenagerin würde an einem Freitag den 13ten den Körper mit einem Serienkiller tauschen und hätte nur 24 Stunden Zeit um wieder zurückzutauschen. Was kommt euch bei dieser Prämisse als Erstes in den Sinn? Die Möglichkeiten scheinen schier grenzenlos und wahrscheinlich läuft bei den meisten von euch bereits recht unterhaltsames Kopfkino.

von Mara Hollenstein-Tirk

Wäre das doch nur auch bei den Drehbuchautoren Michael Kennedy und Christopher B. Landon der Fall gewesen, dann hätte aus „Freaky“ vielleicht wirklich die abgefahrene Slasher-Komödie werden können, die der Trailer einem suggeriert. Denn alle Anzeichen sprachen eigentlich dafür. Blumhouse Productions ist zwar eher so etwas wie die Pralinenschachtel unter den Filmstudios, immerhin hat man für jeden „Der Unsichtbare“ einen „Ouija“, für jeden „Whiplash“ einen „Jem and the Holograms“, aber die Perlen sind doch so zahlreich, dass die Hoffnung bei Projekten dieses Studios immer zuletzt stirbt.

Außerdem ist in diesem Fall auch der Faktor Landon nicht zu unterschätzen. Der hat 2017 nämlich mit dem Überraschungshit „Happy Deathday“ überzeugend bewiesen, dass er es durchaus versteht, bekannte Konzepte in launige Horrorstreifen umzumünzen. War es bei „Happy Deathday“ noch das Prinzip Zeitschleife, ist es bei „Freaky“ nun eben der Körpertausch. Wie durch das Experiment zu Beginn dieses Artikels bereits aufgezeigt, eine Kombination, die einiges an Potenzial bieten würde. Leider wird vieles davon auf halber Strecke verschenkt. Dabei fängt alles noch so gut an. Gerade die erste Szene ist gekonnte Hommage und sogar noch gekonntere Persiflage in einem – selbst den Schriftzug haben sie sich von einem der ganz großen Genrevertreter geliehen. Es sind diese Momente, die einem ganz klar vor Augen führen, dass die Verantwortlichen wussten, um was für einen Film es sich hier handelt – das Treiben nicht allzu ernst zu nehmen, ist deswegen auch für den Zuschauer Pflicht.

Und es wäre auch alles gut, würde man an diesem „nicht zu ernst nehmen“ festhalten. In diesen Augenblicken bietet der Film nämlich tatsächlich ein paar gelungene Lacher. Die überbordende Gewalt, gepaart mit einem stark aufspielenden Vince Vaughn, der seine innere Teenagerin channelt – das hat schon was. Aber dann gibt es halt auch noch das ganze Drama, in Form eines kürzlich verstorbenen Vaters, einer Mutter an der Schwelle zum Alkoholproblem und einer nicht erwiderten Liebe. Dazu wird noch mit so ziemlich jedem existierenden Klischee gespielt, allerdings nur die Hälfte der Zeit auch gelungen. Und dann wäre da leider auch noch Kathryn Newton als Millie Kessler, oder nein, eigentlich als Blissfield Butcher. Dabei kann Newton nicht einmal etwas für ihre schwache Performance, die rührt nämlich nicht von ihrem Schauspiel, das als durchaus talentiert bezeichnet werden kann, sondern an einem Drehbuch, das zwar einiges mit einer Teenagerin im Körper eines Serienkillers, aber leider so gar nichts mit einem Serienkiller im Körper einer Teenagerin anfangen kann. Schweigsam, aber bestimmt von A nach B gehen, dabei finster drein blicken und ab und an mal ein Schimpfwort oder einen ziemlich merkwürdigen Satz ablassen – mehr ist den Drehbuchschreibern hier leider nicht eingefallen.

Fazit

So ist „Freaky“ ein äußerst zweischneidiges Schwert. In seinen besten Momenten bietet er genau die richtige Mischung aus Horror und Komödie, um einem ein Lachen ins Gesicht zu zaubern; in seinen schlechtesten weiß man dafür nicht, ob man sich lieber die Hand gegen die Stirn hauen oder einfach nur gelangweilt gähnen möchte. Wie man den Film am Ende als Gesamtwerk aufnimmt, hängt wohl sehr stark von zwei Faktoren ab: mit welchen Erwartungen man an die Sache herangeht und wie gerne man mal wieder Vince Vaughn auf der großen Leinwand sehen möchte.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(46/100)

Bilder: ©Universal Pictures