Der Charakter der „Schwarzen Witwe“ ist kein unbekannter. Die klassische Version: Eine Frau, die ihren Ehemann beziehungsweise mehrere Ehemänner ermordet. Der Archetyp der „Schwarzen Witwe“ ist allerdings im Laufe der Zeit ganz unterschiedlich interpretiert und inszeniert worden. Mal sind die Charaktere Antagonisten, mal Protagonisten. Nur eines ist meist sicher: Schwarze Witwen haben Blut an den Händen.

von Lena Wasserburger

Auch die niederländische Erfolgsserie „Penoza“ (2010-2017) bediente sich einer Version des „Schwarze Witwe“-Charakters. Erzählt wird die Geschichte von Carmen van Walraven, ihrerseits Ehefrau eines Amsterdamer Drogenbarons. Als dieser erschossen wird, übernimmt Carmen seine kriminellen Geschäfte und muss fortan ihre Familie vor der Polizei und Verbrechern schützen. Mit „Penoza – Die Rächerin“ setzt Regisseur Diederik van Rooijen die Geschichte, die als Serie begann, im Filmformat fort. Das Werk ist ab 18.11. bzw. 25.11. auf diversen Plattformen als VOD zu erwerben.

Nachdem sie ihren Tod vorgetäuscht hat, um ihre Familie – ihre Mutter und die drei erwachsenen Kinder- zu schützen – taucht Carmen van Walraven (Monic Hendrickx) in Kanada unter, wo sie zunächst anonym in einem Diner arbeitet. Als sie dort allerdings in einen blutigen Vorfall verwickelt wird, war’s das mit der ruhigen Undercover-Existenz. Die niederländische Polizei bringt Carmen nach Amsterdam, wo sie zu ihren vergangenen Verbrechen, Mord und Drogenhandel, vor Gericht aussagen soll. Dass die „Schwarze Witwe“ wieder lebt, bleibt nicht nur Carmens Familie nicht verborgen, es ruft auch Feinde auf den Plan, die mit Carmen und ihrer Familie noch eine Rechnung offen haben.

Serienfans werden bei „Penoza“ vermutlich von Anfang an mitfiebern. Denn eines ist bereits zu Beginn klar: Der Film ist eben die Fortsetzung einer Geschichte, die längst einiges an Handlung hinter sich hat. Es gibt kurze Rückblenden, sekundenlange Flashbacks, die zeigen, dass die Charaktere an dem Punkt, an dem man sie im Film antrifft, bereits eine Menge erlebt haben. Allen voran Carmen, der man die komplizierte und tragische Vergangenheit regelrecht am Gesicht ablesen kann. Monic Hendrickx‘ Schauspielleistung ist also durchaus hervorzuheben und ihre glaubhaft verkörperte Rolle als liebende Mutter und Kriminelle mit brutaler Vergangenheit der zentrale Gravitationspunkt des Films.

Die Performance täuscht allerdings auch nicht darüber hinweg, dass Carmen in diesem Film, von einigen Ausnahmen abgesehen, tatsächlich mehr Passagier als Pilot, sprich: ein eher passiver Charakter ist. Das sorgt letztendlich dafür, dass die Handlung in einigen Punkten ein wenig schleppend wirkt, trotz Action-Szenen. Eine spannende Atmosphäre ist zwar gegeben, doch die allein reicht eben nicht aus, um wirklich vollkommen mitzureißen. Daran können auch die „Plot Twists“ nur bedingt etwas ändern. Gegen Ende des Films wird dieses Defizit allerdings teilweise auch wieder ausgeglichen: Die finale Wendung sitzt um einiges besser, als alle anderen davor und der emotionale Schlusspunkt trifft aus diesem Grund auch so, wie er es sollte.

Fazit

Ist oder war man Fan der „Penoza“-Serie, darf man sich hier eine spannende Fortsetzung erwarten, die einige bereits zuvor angerissene Handlungsstränge zu Ende bringt – und das unter Aufbietung einiger durchaus unterhaltsam inszenierter Actionszenen. Fans des Genres, die mit der Geschichte bisher nicht vertraut waren, können den Film dennoch als das genießen, was er ist: Ein actionreicher, stellenweiser brutaler Thriller, der zwar einen bekannten Charakter-Archetypen aufgreift, ihm aber seinen eigenen Twist verleiht.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

(65/100)

Bilder: (c) Square One