Dass der Mensch dazu neigt, wenig behutsam mit der Natur und ihren Ressourcen umzugehen, ist inzwischen allgemein bekannt. Ebenso bekannt ist, dass Konzerne seit Jahrzehnten die Ur- und Regenwaldgebiete um den Globus roden, mit einem einzigen Ziel: Profitmaximierung. Dass sie damit ein Ökosystem zerstören, Tierarten ausrotten und der Erde wichtige Sauerstofflieferanten nehmen scheint sie wenig zu stören. Bisher kaum bekannt ist allerdings die Tatsache, dass dieser Raubbau auch mitten in (oder am Rande von) Europa stattfindet, vor allem in Rumänien, das den letzten Urwald des Kontinents beherbergt. Dort machen sich seit Jahren illegale „Holzräuber“ zu schaffen, die Bäume aus Naturschutzgebieten fällen und zu Spottpreisen an große Konzerne verkaufen. Die Environmental Investigation Agency aus den USA – und deren Chef Alexander von Bismarck, nebenbei Nachfahre des ersten deutschen Kanzlers – heften sich an die Fersen von illegalen Holztransportern, ermitteln undercover, geben sich als Holz-Produzenten aus, um die Machenschaften von Riesenfirmen wie dem österreichischen Holzproduzenten Schweighofer aufzudecken, die Gesetze umgehen und Millionenprofite einfahren, während sie die Natur und lokale Strukturen stören und zerstören.

von Christian Klosz

Das Regie-Trio Ebba Sinzinger, Michaela Kirst und Monica Lazurean-Gorgan legt mit „Wood“ einen überraschend kurzweiligen, temporeichen und spannenden Umwelt-Thriller vor, der von der Zerstörung der Wälder erzählt, aber auch von himmelschreiender Korruption. Wenngleich auch aus Gebieten in Russland, China und Lateinamerika berichtet wird, liegt der Fokus des Dokumentarfilms auf Vorgängen in Rumänien.

In manchen Momenten erinnert „Wood“ eher an einen Spionage-Thriller, etwa wenn sich Hauptfigur Alexander von Bismarck mit Mikro verkabelt und seinen Kollegen erklärt, wie und wo man in Taschen versteckte Kameras wähend geheim mitgefilmter Sitzungen am besten platziert. Solche Szenen, aber auch die rasante Kameraführung und der Schnitt, heben das Werk von ähnlichen „Umwelt-Dokus“ ab, die oft in ganz anderem Ton und Tempo daherkommen und deren pädagogische Interessen oftmals zu eher spröden bis langweiligen Endprodukten führen. Die Macherinnen beschränken sich darauf, die Vorgänge mit ihren Kameras einzufangen und für sich sprechen zu lassen, und das ist gut so. Denn der Schritt für Schritt sich offenbarende Fall braucht keine Kommentierung oder Einordnung, um beim Zuschauer Stirnrunzeln bis ungläubiges Kopfschütteln auszulösen.

Helfen tut „Wood“ auch das Faktum, dass er mit Alexander von Bismarck eine höchst interessante und charismatische Hauptfigur hat, die als „Umwelt-007“ im Zentrum des Unternehmens „Undercover-Spionage“ steht.

Inhaltlich ist der Film nicht nur spannend, sondern auch dicht und fordernd. Man muss schon genau aufpassen, um den neuesten Entdeckungen der Umwelt-Ermittler folgen zu können. Oder die Absicht hinter der QR-Code-App zu verstehen, die ein Kollege von Bismarck entwickelt hat, um Lastwagen mithilfe von GPS zu tracken und ermitteln zu können, ob sie legal oder illegal unterwegs sind. Fast nebenbei erfährt man in „Wood“ eine Menge über die (globale) Holzindustrie und ihre Schattenseiten, Spionagetechniken, das skrupellose Vorgehen großer Konzerne und Korruption inmitten Europas (und anderswo).

Fazit:

Alles in allem ist „Wood – Der geraubte Wald“ ein inhaltlich interessanter, lehrreicher, spannender und temporeicher Umwelt-Thriller, der kurzweilig von realen Vorgänge in der Holzindustrie berichtet. Dem Regie-Trio ist damit etwas Seltenes gelungen: Ein Film, der unterhält und gleichzeitig Wissen vermittelt und aufklärt.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

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Bild: (c) Filmtank