Romantische Schnulzen scheinen bei den meisten nur um die Weihnachtszeit akzeptabel zu sein, doch dieser neueste Netflix-Beitrag aus Asien kämpft um einen Platz an der Sonne: Als Verfilmung des gleichnamigen Romans von Keisuke Uyama erinnert „Love Like the Falling Petals“ das internationale Publikum, dass aus Japan nicht nur Animes und Horrorfilme kommen. Das Werk ist seit 24.3. auf dem Streaminganbieter zu sehen.

von unserer neuen Kritikerin Natascha Jurácsik

Man hätte es nach den matschigen Wintermonaten schon fast nicht mehr gedacht – der Frühling kommt! Und mit ihm einige Neuheiten, mit denen uns die Streaming-Welt noch ein bisschen länger auf der Couch halten möchte. Doch das kompensiert Yoshohiro Fukagawas neuester Film, indem er von Minute eins bis ganz zum Schluss die Szenerie in Bilder sanft fallender Kirschblüten tränkt, wodurch man sich fühlt wie bei einem Spaziergang durch einen botanischen Garten.

Haruto ist ein junger Fotograph, der nach einigen Hürden seine Leidenschaft allem Anschein nach aufgegeben hat. Als er eines Tages im Stuhl der Friseurin Misaki landet und sie ihm aus Versehen ins Ohrläppchen schneidet, ist dies der Beginn einer Beziehung, die jedoch ein dramatisches Ende findet. Eine tragische Liebesgeschichte wie aus dem Bilderbuch – oder besser gesagt: wie aus dem Mangabuch.

Denn rein visuell scheint jede Einstellung in „Love Like the Falling Petals“ einem Heft des „Shoujo“-Genres entsprungen zu sein, welches sich hauptsächlich an romantisch veranlagte junge Frauen richtet. Fans dieser Gattung werden sich auch hier schnell zurechtfinden, da der Film sich doch stärker an den bekannten Handlungssträngen und Standard-Charakteren orientiert als zwingend nötig.

Doch auch wer eher westliches Kino gewohnt ist, findet in Werken wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder „Ein ganzes halbes Jahr“ vergleichbare Ware: Wer solche Filme mag, kann sich auch „Love Like the Falling Petals“ getrost ansehen. Netflix war sogar so freundlich, das Ganze auch gleich mit einer englischen Synchro zu versehen. Die lässt sich allerdings nur eingeschränkt empfehlen. Spätesten seit Bong Joon-Hos „Parasite“ sollten sich das Publikum bei fremdsprachigen Werken gelegentliche Untertitel zutrauen – es lohnt sich (auch wenn hier die nächste Oscar-Nominierung für schauspielerische Leistung und bestes Drehbuch vermutlich ausbleibt.)

Schließlich schlägt die klebrige, rosarote Handlung der ersten Dreiviertelstunde plötzlich in ein Melodram um, sobald man erfährt, dass Misaki an dem fiktiven „Fast-Forward-Syndrom“ erkrankt, welches die junge Frau rapide altern lässt. Leider ist allein schon der Name so lächerlich, dass der tragische Schicksalsschlag eher Schmunzeln als Tränen inspiriert; obendrein driftet hier das Ganze wegen der unglücklichen Darstellung von Misakis Transformation auch leicht in merkwürdige Bereiche ab, die etwas nach Altersdiskriminierung schmecken.

Trotzdem ist das Ende durchaus traurig, auch wenn es von triefendem Kitsch etwas zu belastet ist und die meisten Augen eher trocken bleiben werden. Die versteckte Szene inmitten eines fast zehnminütigen Nachspanns zerrt allerdings schon ein wenig an der Geduld, vor allem, weil die Länge von ca. zwei Stunden ohnehin nicht gerechtfertigt ist.

Fazit

So oder so kann sich „Love Like the Falling Petals“ als japanisches Pendant zu den restlichen Romanzen auf Netflix gesellen, ohne allzu sehr aus der Reihe zu tanzen, sowohl im negativen, als auch im positiven Sinne: Wenn es auf Netflix Platz für eine ganze Reihe von „A Christmas Prince“-Filmen gibt, dann sicherlich auch für diesen.

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

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Bild: (c) Netflix