Während die Corona-Infektionszahlen steigen und erste Krankenhäuser wegen Überbelegung und krankheitsbedingter Personalausfälle ihre Stationen und Pforten für Hilfesuchende schließen müssen, feiert der Großteil des Landes einen „Sommer wie damals“ (vor den Pandemie) als gäbe es kein Morgen. Immerhin, Wien kehrt zu schärferen Maßnahmen wie der Maskenpflicht zurück und auch andere Bundesländer diskutieren, wie man den Kollaps des Gesundheitswesens gerade noch abwenden könnte, während sich zuständige österreichische Minister froher Stimmung bei der Frauen-Fußball-EM ablichten lassen, als wäre nix. Das politische Versagen auf vielen Ebenen ist umbestreitbar – und es wird Jahre dauern, die Verfehlungen und verursachten Schäden aufzuarbeiten.

Diese Aufgabe wird auch der Kunst zukommen, die seit jeher gesellschaftliche Entwicklungen im Fokus hat und sich an ihnen abarbeitet. Aktuell stößt man aber auch hier vor Allem auf gähnende Leere, die Branche scheint eher mit sich selbst und den vorhandenen Möglichkeiten des Gesehen-Werdens beschäftigt zu sein als mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Krisen der Gegenwart: Retten, was zu retten ist, persönliche Bedürfnisse über kollektive, Egoismus statt Solidarität, weil the party must go on.

Eines der wenigen, aktuellen Unterhaltungsformate, das sich kritisch (und humoristisch) mit der Krise auseinandersetzt, ist ausgerechnet eine schamlose Satire-Serie, die in den ersten Pandemie-Monaten 2020 entstanden war: Film plus Kritik brachte „Vienna 2020“ im Juni im Rahmen eines Serien-Specials ins Kino, die ersten 8 Episoden sind aber auch online zu sehen, entweder auf Youtube, oder direkt auf unserer Seite (siehe unten).

„Vienna 2020“ erzählt von 4 Freunden, die ihre Corona-Quarantäne in einem dubiosen Wiener Schrebergarten verbringen: Der Langzeit-WU-Student Oskar, die Goa-Weltverbesserin Betty sowie der Hipster-Macho Eddie und die Influencer-Tussi Denise. In chaotischen Alltagsabenteuern wird satirisch und humorvoll durchleuchtet, was Österreich und die Welt in den letzten 2 Jahren bewegt hat, inklusive Gartenleiche, im Keller gehaltener Sexsklave – und Sebastian Kurz-Schrein.

Der Serie gelingt etwas, das derzeit besonders schwer fällt: Den Krisen humorvolle Aspekte abzuringen… denn Lachen ist trotz allem ja vielleicht immer noch die beste Medizin. (ck)

2 weitere Episoden online auf Youtube verfügbar.

Bilder: Richard Horn