Serienmörder üben schon seit langem eine morbide Faszination auf uns aus – sie spielen die Hauptrollen in Romanen, Filmen, Serien und dominieren auch heute sowohl die Doku-Angebote zahlreicher Streaming-Plattformen, als auch die Podcast-Inhalte auf Spotify. Die True Crime – Welle der letzten Jahre ist wohl auch Dennis Lehane aufgefallen: Seine neue Serie „In With The Devil“ basiert auf der wahren Geschichte von James Keene, der seine Freiheit aus dem Gefängnis erlangt, indem er den Serientäter Larry Hall bespitzelt. Mit Taron Egerton und Paul Walter Hauser in den Hauptrollen ist die sechsteilige Serie seit August auf Apple TV+ zu sehen, die letzte Folge wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht.

von Natascha Jurácsik

Jimmy (Egerton) ist als Sohn eines Polizisten und High School Football-Star eigentlich auf dem besten Weg, ein ganz und gar normales Leben zu führen – doch nachdem er auf die schiefe Bahn gerät und wegen seiner Drogengeschäfte für zehn Jahre Haft verurteilt wird, verändern sich seine Zukunftsaussichten für immer. Seine charmante Art und die Fähigkeit, andere zum Reden zu bringen, fallen allerdings der FBI-Agentin Lauren McCauley auf und sie bietet ihm einen Deal an: Wenn er es schafft, dem Insassen einer Anstalt für geisteskranke Straftäter Larry Hall (Hauser) relevante Details zu seinen Morden zu entlocken, ist er ein freier Mann. Jimmy nimmt an.

Zunächst lernt das Publikum den Protagonisten besser kennen. Taron Egerton (Elton John-Biopic „Rocketman“) ist schon länger als herausragendes Nachwuchstalent in Hollywood bekannt und sein Können stellt er als Jimmy Keene abermals unter Beweis. Getarnt als typischer Macho, steckt eine sehr viel cleverere Persönlichkeit hinter der Figur, als man auf den ersten Blick ahnt, durch Egertons schauspielerische Leistung und ein sehr starkes Drehbuch hervorragend vermittelt.

Die Handlung von „In With The Devil“ wechselt zwischen Jimmys Mission und den ersten Ermittlungen im Falle der toten Mädchen hin und her. Die Reihenfolge der offenbarten Einzelheiten ist mit Bedacht gewählt: Der Zuschauer schlüpft quasi in die Schuhe der Hauptfigur und erhält nach und nach Informationen, die für den weiteren Verlauf der Geschichte relevant sind; das Ganze ist auch noch so geschickt aufgebaut, dass man zu keiner Zeit Gefahr läuft, durch die Zeitsprünge und Nebencharaktere verwirrt zu werden. Zusätzlich liegt der Fokus nicht nur auf dem Täter, sondern auch auf den Opfern selbst, die nicht nur als Requisiten in Form von Leichen behandelt werden, sondern als junge Mädchen, deren Leben ein tragisches Ende fand. Offenbar waren sich Dennis Lehane und sein Team von Drehbuchautoren dem Wert eines guten Teleplays bewusst und haben sich viel Mühe mit der Story und den Dialogen gegeben. Das finale Ergebnis lohnt sich allemal und zeigt, wie wichtig es ist, einen wasserdichten Plan auf Papier zu haben, bevor man das Budget für eine Serie verschwendet, die den gesteigerten Erwartungen nicht gerecht wird, wie es beispielsweise bei „Game of Thrones“ gegen Ende der Fall war.

Doch auch visuell kann sich „In With The Devil“ sehen lassen: Die Regisseure Michaël Roskam, Joe Chappelle und Jim McKay wissen Lehanes Vision gekonnt umzusetzen und jede Folge glänzt mit einer Mischung aus beinah trostlos wirkenden Landschaftsbildern und klaustrophobischen Szenen im Gefängnis, die zusammen eine Atmosphäre schaffen, die an eine tickende Zeitbombe gemahnt. Auch die sich wechselnde Dynamik zwischen den Figuren – besonders Jimmy und Larry – wird von der Kamera effektiv eingefangen.

Hinzu kommt eine ganze Reihe an schauspielerischen Meisterleistungen, nicht zuletzt auch von Paul Walter Hauser („Der Fall Richard Jewell„) , der als Serienmörder bei jedem Erscheinen zum Zentrum sämtlicher Aufmerksamkeit wird und für reichlich Gänsehaut sorgt. Zu erwähnen ist auch, dass Ray Liotta in „In With The Devil“ in seiner letzten Rolle zu sehen ist, da er tragischerweise im Laufe der Produktion starb. Er liefert bis zum Schluss eine bemerkenswerte Performance ab, Folge drei ist ihm gewidmet. Das Ganze wird gekrönt von einem fantastischen Soundtrack von Mogwai, der auch aus den leiseren Momenten das letzte bisschen Spannung herauskitzelt.

Fazit

Schauspieler, Drehbuch, Regie, Musik – alles stimmt: Auch wenn „In With The Devil“ harte Action-Fans und True Crime – Fanatiker, die Blut und Gedärme sehen wollen, eventuell hier und da etwas langweilen könnte, ist das neue Apple TV+ Original ein Paradebeispiel für das Erzählen spannungsreicher Geschichten im Kurzserienformat. Große Empfehlung!

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(90/100)

Bild: (c) Apple TV+