365 Days – Noch ein Film? – So hätten die Macher der Erotik-Schnulze aus Polen den 3. Teil ihrer Filmreihe auch nennen können, und damit wäre die Bedeutung dieses „Werks“ recht gut wiedergegeben worden: Seit 19.8. flimmert nun also „365 Days – Noch ein Tag“ über Netflix, und hat sich prompt auf Platz 1 der Streamingcharts festgesetzt. Was die Faszination der Filme ausmacht, ist bisher nicht endgültig geklärt, und lässt sich auch nach Sichtung des vorerst letzten Teils nicht im Ansatz erahnen.

von Christian Klosz

Wie nähert man sich nun als Autor einem Film, der einen nicht im Mindesten interessiert? Vielleicht mit Beobachtung und Wiedergabe dessen, was man auf dem Bildschirm zu sehen bekam: Junge Frau hat Sex mit muskulösem, südländischem Typ, der sich wie ein Gangster gebärdet und ihr Ehemann zu sein scheint; Menschen feiern und trinken hemmungslos; sinn- und lustloser Sex; Frau ist unglücklich und hat Sexträume von anderem Mann, der nicht ihr Gatte ist; Menschen feiern und trinken und kopulieren hemmungslos; Frau reist mit Freundin und trifft auf den Nicht-Ehemann; Frau und Nicht-Ehemann haben Sex; Frau kehrt zurück nach Hause; Ehemann ist böse.

Recht viel mehr muss man über den Inhalt auch nicht wissen, für den 15 Minuten gereicht hätten anstatt der knapp 2 Stunden, die einen „365 Days – Noch ein Tag“ quält, um zu verstehen, worauf man sich hier einlässt. Die oben erwähnte Frau heißt Laura und ist mit Gangsterboss Massimo verheiratet, der sie in irgendeinem vorigen Teil der Filmreihe in die freiwillige Zwangsehe und -liebe getrieben hat. Mann Nummer 2 heißt Nacho und ist Lauras früherer Gärtner, no na, und ihre jetzige Flamme, mit der sie in Teil 2 auf eine einsame Insel geflohen war, nachdem sie dachte, Massimo habe sie betrogen (war er aber gar nicht, sondern nur sein Zwillingsbruder!). Nacho hat sich nun in Laura verliebt und darf Sätze sagen wie „I like when you brush your teeth“, um seine unsterbliche Liebe zu illustrieren. Er ist aber leider auch Mafioso und sein Klan ist mit Massimos Klan verfeindet und Laura weiß jetzt nicht so recht, was und wen sie eigentlich will. Dann ist da noch ihre impulsive Freundin Olga, deren Hauptinteressen Partys und exzessiver Alkoholgenuss zu sein scheinen.

Dass also die Handlung von „365 Days“, Teil 3 nicht wirklich zu überzeugen vermag, wäre eine glatte Untertreibung. Vielleicht die Ästhetik? Nein, auch nicht, denn die ist oberflächlich, glitzernd, aber abstoßend, dabei so leer und leblos, so posenhaft und artifiziell und plakativ wie die Protagonisten, vor allem die männlichen. Die Sexszenen wirken folgerichtig auch seltsam steril und mechanisch. Für einen Porno ist „365 Days – Noch ein Tag“ zu lustlos und spießig, für einen Romantik- oder Liebesfilm zu emotionslos, für ein Drama zu seicht.

Die einzigen Szenen, die ansatzweise so etwas wie Substanz bieten und marginales Interesse wecken, sind jene, in denen Laura und Olga – die sie verkörpernden Anna-Maria Sieklucka und Magdalena Lamparska sind per se keine schlechten Schauspielerinnen – sich über ihre Leben und Schicksale austauschen. Oder lustvoll feiern. Außerdem jene Sequenzen, in denen Laura ihre Eltern in Polen besucht und wir für wenige Momente so etwas sehen wie eine halbwegs realitätsnahe Darstellung von echten menschliche Beziehungen und Emotionen.

Fazit

Abgesehen davon wirkt Teil 3 der „365 Days“-Katastrophe wie ein überlanger Werbespots für hohlen Hedonismus und klischeehaften Kitsch, der weder durch Inhalt zu interessieren (oder provozieren), noch durch Inszenierung und Darstellung von expliziten Inhalten zu erregen vermag: Wen das bereits die letzten beiden Male nicht zum fluchtartigen Wegklicken veranlasst hat, der/dem wird auch jetzt nicht mehr zu helfen sein, alle anderen sollten „365 Days – Noch ein Tag“ nicht mal ignorieren. Und an Netflix: Bitte, bitte, nicht noch ein Film!

Bewertung

Bewertung: 1 von 10.

(13/100)

Bilder: (c) Netflix