Seit einigen Tagen ist der neueste Netflix-Actionthriller „End of the Road“ auf Netflix zu finden. Die Handlung des Films lässt sich schnell zusammenfassen. Die kürzlich verwitwete Brenda Freeman (Queen Latifah) will mit ihrer Familie, ihren zwei Kindern und ihrem Bruder Reggie (Ludacris), nach Texas ziehen und dort einen Neustart wagen. Während des Roadtrips von Kalifornien nach Texas wird die Familie jedoch Zeuge eines Mords. Ehe sie es sich versehen, gerät Familie Freeman selbst in das Visier des Mörders. Um ihre Familie zu beschützen, begibt sich Brenda auf eine gefährliche Mission.

von Lena Wasserburger

Wie so oft, wenn Netflix einen neuen Actionthriller veröffentlicht, darf man sich auch von „End of the Road“ nicht zu viel erwarten. Zugegebenermaßen vermögen es gerade die ersten paar Minuten des Films durchaus, Spannung aufzubauen, Interesse, ja vielleicht sogar die Hoffnung zu wecken, dass Regisseurin Millicent Shelton weiß, was sie tut und hier einen originellen Thriller inszeniert. Umso größer ist die Enttäuschung also, als der Film in seinem weiteren Verlauf nicht einmal den Versuch unternimmt, mehr als die 0815-Version eines Actionthrillers zu sein. Die Handlung verläuft schablonenhaft, keine der Wendungen ist überraschend, ja, fast jede Szene wirkt, als hätte man sie bereits hunderte Male in anderen Filmen gesehen, als wäre das Skript von einer AI geschrieben worden. Denn der Dialog ist so ausgelutscht und klischeehaft, man könnte meinen, ein Generator hätte ihn ausgespuckt. Beispiel: Charakter A: „Ich schnarche nicht.“ – Charakter B: „Ja und Kim Kardashians Po ist echt.“ Wäre „End of the Road“ eine Sitcom-Episode, hätte man hier wohl ein paar Lacher eingespielt. Witzig ist die Szene deswegen leider trotzdem nicht. Da hilft es auch nicht, dass Queen Latifah und Ludacris die Hauptrollen spielen. Klar, man hat es hier nicht unbedingt mit einem Cast zu tun, dessen größte Stärke die Schauspielerei ist. Allerdings ist es nicht die Schuld der Besetzung, dass es Dialog und Charakteren an Vielschichtigkeit mangelt. Ganz im Gegenteil: Die Performances sind sogar fast glaubwürdig, wenn die zunehmende Absurdität der Handlung kurz außer Acht gelassen wird. Die Geschichte der „normalen“ Zivilperson, die Auge in Auge mit einem Killer plötzlich zur knallharten Actionheldin wird, ist im Actionthriller-Genre schon lange auserzählt. Wird sie in einem Film jedoch gut umgesetzt, kann schon einmal verziehen werden, dass es sich hier um ein ermüdendes Klischee handelt. Leider versagt „End of the Road“ auch auf dieser Ebene.

Der Film wirkt unzusammenhängend. Der Anfang, die Mitte und das Ende des Filmes unterscheiden sich in ihrer Tonalität vollkommen voneinander. Während Ende und Anfang darauf hindeuten, dass es sich bei „End of the Road“ um eine Art Familiendramakomödie handeln könnte, in der die Charaktere witzige Kommentare und dann wieder herzerwärmende Momente untereinander austauschen, ist im zweiten Abschnitt des Films keine Spur von Humor oder Herz zu finden. Hier ist der Film durch und durch ein „seriöser“ Thriller. Schade ist das vor allem deswegen, weil gerade zu Beginn ernsthafte gesellschaftliche Probleme thematisiert werden, die dem Film durchaus eine neue Perspektive verleihen hätten können, hätte man diese Themen nur nicht im Laufe der Handlung auf die Rückbank verbannt. Letztendlich ist es mittlerweile doch sehr entmutigend zu sehen, dass ein weiterer Actionthriller aus dem Hause Netflix mit Potenzial aufwartet, nur um dieses dann erneut gekonnt in den Sand zu setzen. Man kennt es ja mittlerweile, enttäuschend ist es allerdings trotzdem.

Fazit

„End of the Road“ ist ein Film, den man problemlos im Hintergrund laufen lassen kann, während man gerade anderen Aktivitäten nachgeht. Es ist ein Actionthriller wie im Bilderbuch – ganz nach Vorlage entwickelt und ausgeführt. Wer gerade auf der Suche nach klassischer Action ist, um sich damit ein wenig die Zeit zu vertreiben, wird mit „End of the Road“ allerdings sicher eine gute Wahl treffen.

Bewertung

Bewertung: 3 von 10.

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Bild: (c) Netflix