Was als französische Theaterkomödie im Jahr 2010 begann, hat seitdem nicht nur eine, sondern zwei Filmadaptionen und mittlerweile sogar ein Sequel inspiriert. Die französische Verfilmung von „Der Vorname“ erschien 2012, 2018 versuchte sich Sönke Wortmann dann mit Erfolg an einem deutschsprachigen Remake. Über sieben Millionen Euro spülte die Komödie in die Kinokassen. Im heutigen Zeitalter der Sequels, Prequels und Spin-Offs ließ man sich nicht lange lumpen und kündigte prompt ein Sequel an. Der Titel dieses Sequels lag in diesem Fall wohl auf der Hand. „Der Nachname“ ist ab 20. Oktober in den Kinos zu sehen.

von Lena Wasserburger

Zunächst einmal sollte erwähnt werden, dass „Der Nachname“ mit dem Quellenmaterial nichts mehr zu tun hat. Immerhin handelt es sich bei „Der Vorname“ um eine in sich abgeschlossene Geschichte. Noch einmal zur Auffrischung: In „Der Vorname“ trifft sich eine Familie zum Abendessen. Die Gruppe besteht aus Stephan (Christoph Maria Herbst) und seiner Frau Elisabeth (Caroline Peters), Elisabeths Bruder Thomas (Florian David Fitz) und seiner schwangeren Freundin Anna (Janina Uhse) sowie Familienfreund und Adoptivbruder René (Justus von Dohnányi). Im Zuge der Dinnerparty enthüllt Thomas mutmaßlich den Namen seines noch ungeborenen Kindes, der da lautet: Adolf. Was eigentlich als Scherz begann, artet im Laufe des Abends zum puren Chaos aus, als sich die Charaktere ein Wortgefecht nach dem anderen liefern und sogar das eine oder andere Familiengeheimnis ans Tageslicht kommt. Am Ende verträgt man sich wieder, doch wie das bei dysfunktionalen Familien nun oftmals der Fall ist, hält der Frieden nicht ewig an, womit wir letztendlich bei „Der Nachname“ wären. Im Sequel lädt Elisabeths und Thomas‘ Mutter Dorothea (Iris Berben) die Familie auf ihre Finca auf Lanzarote ein, es gibt nämlich Neuigkeiten zu verkünden. Die Ankündigung löst allerdings einen Dominoeffekt aus, bei dem zahlreiche Geheimnisse gelüftet und die Probleme der einzelnen Familienmitglieder enthüllt werden.

Der Nachname

Im Gegensatz zu „Der Vorname“ orientiert sich „Der Nachname“ an keiner konkreten Vorlage, basiert allerdings auf einer einfachen Frage. Nämlich: Wie viele Familienkonflikte passen in einen Film? Eine Menge, wie es scheint. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass die Charaktere ihrer Linie treu geblieben sind und nach wie vor mit denselben Charakterschwächen kämpfen, die bereits in „Der Vorname“ zur Eskalation des Familienstreits beigetragen haben. Zur Eskalation kommt es auch dieses Mal. Nach eineinhalb Stunden voller Streitgespräche kommt das Ende des Films aber ein wenig abrupt daher. Wo man sich einerseits zu Beginn viel Zeit gelassen hat, um die Konflikte zwischen den Charakteren langsam aufzubauen, hetzt man nun in wenigen Minuten dem Abspann entgegen. Nachdem sich die Familie ein ganzes Wochenende lang fast an die Gurgel gegangen wäre, ist nun innerhalb von ein paar Minuten alles vergessen? Es bleibt das Gefühl, dass hier etwas fehlt.

An den Performances des Casts hingegen kann nicht viel ausgesetzt werden. Wie auch schon im ersten Film, ist die Chemie zwischen den Darstellerinnen und Darstellern spürbar, die zwischenmenschlichen Beziehungen wirken echt, die einzelnen Rollen trotz ihrer teilweise überzogenen Persönlichkeiten glaubhaft und sympathisch. Wenn sich die Dialoge manchmal dann doch ein wenig holprig anfühlen, dann kann man dem Ensemble zumindest keinen Vorwurf machen. Die Gags funktionieren häufiger als sie daneben gehen, was für eine deutsche Komödie eindeutig eine gute Quote darstellt. An den originellen Humor des ersten Films kann in „Der Nachname“ zwar nicht immer angeknüpft werden, doch er ist noch immer weit davon entfernt, langweilig oder humorlos zu sein.

Fazit

„Der Nachname“ ist eineinhalb Stunden solide Unterhaltung, die letztendlich leider ein zu rasches Ende findet. Die starken Performances des Casts und die Charakterdynamiken, die Sönke Wortmann geschaffen hat, rechtfertigen die Entscheidung, ein Sequel zu drehen. Ein dritter Film würde den Bogen allerdings überspannen, also bleibt zu hoffen, dass man es bei Vor- und Nachnamen belässt.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

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Bilder: © 2022 Constantin Film Verleih / Jürgen Olczyk