Im Vergleich zur weltbekannten Marke „Hollywood“ wird der asiatische Kinomarkt oftmals immer noch belächelt. Zu Unrecht, spielt er in der Entscheidung zwischen Erfolg und Misserfolg auch für viele amerikanische Produktionen das Zünglein an der Waage und hat in den letzten Jahren diverse Male bewiesen, dass die Werke aus Fernost mittlerweile immer öfter mit den millionenschweren Erzeugnissen aus der Goldschmiede mithalten können. Mit dreijähriger Verzögerung erblickte im August der ambitionierte „Warriors of Future“ das Licht der Welt und schwappt nun, dank Netflix, auch zu uns.

von Cliff Lina

Die Story ist dabei gar nicht so leicht zu rekonstruieren: im Jahre 2055 leidet die Menschheit unter dem technologischen Fortschritt, fortwährenden Kriegen und einer dadurch aufgetretenen Verschmutzung der gesamten Atmosphäre, die Krankheiten und Missbildungen hervorruft. Gleichzeitig hat ein Meteoriteneinschlag dafür gesorgt, dass mit „Pandora“ eine Pflanze auf die Erde gelangt ist, die sich zwar gefährlich schnell ausbreitet, allerdings auch imstande ist die Lufthülle zu reinigen. Als sich zwei Unwetter ankündigen, deren Regen das Wachstum der Pflanze stark beschleunigt, wird ein Himmelfahrtskommando entsandt um den Blütenstempel mit einem Virus abzutöten und das futuristische Hong Kong zu retten. So weit, so unlogisch.

Eines vorweg: in derartigen Filmen muss zwangsläufig damit gerechnet werden, dass Naturgesetze oder uns bekannte Logik kurzerhand über Bord geworfen wird. Science-Fiction Filme beziehen den Großteil ihrer Faszination immerhin daraus der Zuschauerschaft eine entfernte Welt – oder Zeit – aufzuzeigen, in der sich Regisseure ganz nach ihren Vorstellungen austoben können. Oft funktioniert dies erstaunlich gut, nicht ohne Grund erwachsen viele Welten gar zu einem kompletten Franchise. Um Kreativität in Erfolg umzumünzen, müssen aber selbst die abgedrehtesten Ideen die Eckpfeiler des Filmemachens achten, und genau hier beginnt er leider, der cineastische Abgesang. Nicht nur, dass „Warriors of Future“ überhaupt keine eigenständigen Denkansätze aufweist, selbst die dreist abgekupferten Bestandteile fangen an einen nach gerade mal 30 Minuten anzuöden. Das ganze Roboter Setting erinnert an „Pacific Rim“, die Geräuschkulisse klingt stark nach einer Mischung aus „A Quiet Place“ und „The Last of Us“ und selbst die schnöde Kinderstory wurde schon 1986 in „Aliens“ mit mehr Elan erzählt.

Generell sind alle Charaktere lediglich Abziehbilder x-fach gesehener, gesichtsloser Figuren. Ein machtbesessener General, der emotionslos über das Schicksal der Bürger entscheidet, unterstützt von einer aufstrebenden Kommandantin, die eisern ihre Befehle befolgt um ihre Position zu untermauern. Auf der anderen Seite: ein von der Vergangenheit geplagter Ehrenmann, der uns via Rückblenden ans Herz wachsen soll, flankiert vom jungen Tölpel, der sich liebestrunken in die Gefahr stürzt weil ihm seine Angebetete weinerlich in die Ohrmuschel säuselt. Es wird wirklich jedes noch so alberne Klischee bedient, ganz ohne Selbstironie und ohne Rücksicht auf ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit. Und es wird sogar noch schlimmer: die gebetsmühlenartig betonte Gefahr wird zu keiner Zeit greifbar. Die auf dem Spiel stehenden Leben sind schlicht nicht sichtbar, alles wirkt bereits wie ausgestorben und wenn sich stählerne Maschinen in grauen Häuserschluchten die rostigen Schrauben aus der fahlen Büchse zimmern, stellt sich ein ums andere Mal die Frage, wozu das ganze Theater eigentlich veranstaltet wird.

Doch natürlich ist nicht alles schlecht. Nein Spaß, eigentlich ist es das sehr wohl, denn in all den inflationär abgefeuerten Computereffekten kommt zu keiner Zeit auch nur der Hauch einer Stimmung auf. Vermeintlich aufgebaute Zwischentöne werden sofort wieder durch Feuersalven abgetötet, sodass emotionale Bindung von Anfang bis Ende unterbunden wird. So sehr uns die melancholischen Streicher auch darauf konditionieren möchten nun eine gewisse Traurigkeit zu empfinden. Narrativ verweilt der Film zudem größtenteils in einem Tempo, wodurch sich nie erkennen lässt ob wir uns nun im grandiosen Finale oder doch noch in der Exposition befinden. Einzig die halbwegs ernstzunehmende Darbietung des Casts ist eine positive Überraschung. Wer sich nun gleichzeitig wundert warum in dieser Kritik jedoch nicht ein Name eines Charakters aufgetaucht ist… diese sind mir tatsächlich allesamt entfallen, und die Sichtung ist gerade einmal zwei Stunden her. Pew Pew, Boom Boom und Rattazong hätten sie heißen sollen, unsere Krieger der Zukunft. Das wäre wenigstens irgendwie kreativ gewesen. Naja, vielleicht dann im nächsten Teil.

Fazit

In „Warriors of Future“ soll mal wieder die Zukunft der Menschheit gesichert werden, filmisch kann das stumpfe Spektakel aber nicht mal in der Gegenwart überzeugen. Ein reines Fappening Event von und für FX-Fetischischten, dargeboten durch blasse Zusammenschnitte diverser Sciene-Fiction Videospiele und in etwa so emotional wie farbenfroh. Wenn das die Zukunft der Filmindustrie sein soll, bleibe ich freiwillig in der Vergangenheit stecken und bete für baldige Auslöschung. 

Bewertung

Bewertung: 3 von 10.

(25/100)

Bilder: ©Netflix