Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Im Advent gilt es, sich in die Lieblingsdecke einzukuscheln und all jene Filme zu schauen, die einem einfach ein gutes Gefühl geben. Dabei werden immer wieder auch Klassiker herangezogen, Filme, die in ihrer Machart so zeitlos sind, dass sie schlicht nie langweilig werden. Wie etwas die guten, alten Asterix-Filme.
von Richard Potrykus
Asterix, der Gallier
Vor 60 Jahren kam mit “Asterix der Gallier” das erste Asterix-Comic in den Umlauf und schon vier Jahre danach der erste Zeichentrickfilm gleichen Namens. Nun, im Jahr 2023 erfreut sich der 40. Comicband “Die weiße Iris” sowohl bei der Kritik als auch bei den Fans höchster Beliebtheit und die Zeichentrickfilme gelten als wahre Klassiker. Anfangs noch etwas unbeholfen und von minderer Qualität war der erste Film eine Produktion für das Fernsehen. Trotz der zweitklassigen Optik und der geringen Laufzeit von 68 Minuten kam “Asterix der Gallier” am 20. Dezember 1967 sogar ins Kino.
Asterix und Kleopatra
Bereits ein Jahr später gab es mit “Asterix und Kleopatra” einen weiteren Teil. Während in “Asterix der Gallier” noch das reine cartooneske Abenteuer im Vordergrund steht, widmet sich der zweite Film wesentlich mehr dem, was so viele Comicbände auszeichnet, das intelligente Verweben von Kultur, Historie und zeitgemäßem Kommentar. Neid und Missgunst werden humoristisch diskutiert, der Machthunger der Römer persifliert und am Ende erfahren wir nicht nur, weshalb die Sphinx heute ohne Nase dasteht, sondern auch, wie das örtliche Souvenir-Gewerbe schon damals darauf reagierte.
Asterix erobert Rom
Beide Filme orientieren sich gezielt an bestehenden Comicbänden und übertragen so beide Abenteuer von einem Medium in ein anderes. Dies ändert sich radikal mit dem 1976 erschienenen “Asterix erobert Rom”, einer grotesken Persiflage auf die zwölf Aufgaben des griechischen Helden Herakles. Jede Aufgabe gleicht hier einem Wimmelbild, bei dem liebevoll an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken ist. Die maßlose Völlerei beim Wirt, der zu einem überdimensionierten Berg von Kaviar eine winzige Scheibe Toast serviert, ist dabei genauso bezaubernd wie der Speerwerfer, der offensichtlich nur den Wurfarm trainiert. Wie aus einem Sketch von Monty Python kommt die göttliche Prüfung rund um einen Weichspüler daher und was den Passierschein A38 angeht, so ist dieser längst Kult und ein Sinnbild für einen nie enden wollenden Amtsschimmel.
Asterix – Sieg über Cäsar
Damit findet die Asterix-Reihe einen erstmaligen Höhepunkt, den der nachfolgende “Asterix – Sieg über Cäsar” (1985), der sich an den Comicbänden “Asterix als Legionär” und “Asterix der Gladiator” orientiert, nicht übertreffen kann. Im Gegenteil. Zwar findet sich hier eine Geschichte wieder, aber das Abenteuer kommt im Vergleich zu anderen Erzählungen sehr flach und eher lieblos daher.

Asterix bei den Briten
Doch, der Frust sollte nicht von Dauer sein, denn bereits ein Jahr später zieht es den kleinen Gallier und seinen hinkelsteinliefernden Freund auf die britische Insel und damit zurück zu alter Stärke. “Lasst uns schütteln die Hände” spricht Chris Howland, der schon bei Karl May den Mister Pumpernickel porträtierte, und verweist in Tweet-Kleidung auf die Unterschiede zwischen den Völkern. “Asterix bei den Briten” ist ein großes “Was wäre, wenn…”. Wie sähe es aus, wenn es die Klischees und Traditionen des heutigen Englands schon vor 2.000 Jahren (im Jahre 50 v. Chr.) gegeben hätte? Nach und nach werden so die Eigenheiten der heutigen Briten offengelegt. Der linksseitige Straßenverkehr, der Nachmittagstee, der englische Rasen, die überbordende Faszination für Sport. All das und noch mehr findet sich in dem Film wieder und setzt in kleineren und größeren Szenen um, was im Comic gerne in nur einem Panel geschieht. Der Film verneigt sich vor der Kultur der Briten und ist ein Muss für alle Fans von Asterix und/oder England.
Wer will, kann sich den ganzen Film (in Deutsch) hier auf Youtube anschauen!
Asterix – Operation Hinkelstein
Auch abseits von Zaubertränken, durch die Luft fliegenden Körpern und der gänzlichen Abwesenheit von Tod, nimmt es “Asterix – Operation Hinkelstein” mit dem Realismus nicht so genau. 1989 kommt dieser Film in die Kinos und vereint einmal mehr gleich zwei Comicbände, nämlich “Der Seher” und “Kampf der Häuptlinge”. “Operation Hinkelstein” ist ein Film, für den man offen sein muss, um ihn zu genießen. Er spielt mannigfaltig mit der Idee, was alles passieren kann, wenn der Zaubertrank experimentierfreudig und ohne Rezeptur an einen harmlosen kleinen Römer ausgegeben wird.
Asterix in Amerika
Und schließlich gibt es “Asterix in Amerika” aus dem Jahr 1994. Basierend auf “Die große Überfahrt” gibt es hier ein Abenteuer, welches musikalisch von Harold Faltermeyer begleitet wird. Leider spart der Film die Begegnung mit den Wikingern aus, jenem Seefahrervolk, welches tatsächlich als erste Europäer den amerikanischen Kontinent bereiste. Außerdem ist er arg musikalisch und es entsteht der Eindruck, der Film biedere sich an ein Disney-Publikum an. Mehrfach wird gesungen und sogar Bonnie Tyler ist zu hören.
Fazit
Alles in allem und wissenschaftlich gesprochen, zeigen die Filme die Schwierigkeiten im Spannungsfeld transmedialer Adaptionen, oder anders ausgedrückt: Der Vergleich mit den Comicbänden drängt sich auf und wie bei jeder Literaturverfilmung gelangt man immer an den Punkt, an dem man sagt, dass das Buch hier besser ist. Dennoch haben die meisten Asterix-Verfilmungen ihren Charme und einige sind überragend. Während “Operation Hinkelstein” und “Asterix der Gallier” illustre kinderfreundliche Abenteuer präsentieren, sind gerade “Asterix bei den Briten” und “Asterix erobert Rom” wahre Meisterwerke.
An dieser Stelle sollen die Filmbeschreibungen enden. Zwar gibt es mit “Asterix und die Wikinger” (2006) noch einen weiteren Zeichentrickfilm und auch die Realverfilmungen und modernen Animationsfilme sollen nicht verschwiegen werden, aber nur die Filme des vergangenen Jahrtausends finden sich gebündelt auf Blu-Ray in der “großen Asterix Edition”.
Die große Asterix-Edition auf BluRay – jetzt im Handel
Diese kam bereits 2017 auf den Markt und ist nun als Neuauflage wieder im Handel erhältlich. Die Filme wurden digital überarbeitet und haben eine ordentliche Bild- und Tonqualität. Über die Extras lässt sich leider streiten. Jeder Film kommt mit der deutschen und französischen Tonspur daher und darüber hinaus mit ein oder zwei Dialektfassungen. Zudem gibt es zwei Dokumentationen, die aber nicht exklusiv für die Sammeledition erstellt wurden.
Die eine Dokumentation befasst sich mit Albert Uderzo, hat eine Lauflänge von 52 Minuten und kommt mit der Ästhetik eines Fernsehbeitrags der frühen 2000er daher. Die andere Dokumentation ist wesentlich länger (88 Minuten), wurde für den Fernsehsender Arte produziert und beleuchtet das Leben von René Goscinny. Zwar hat der erste Beitrag Asterix durchaus zum Thema, dennoch erfährt man wenig Interessantes über den Kosmos und die Philosophie hinter dem kleinen Gallier. Der zweite Beitrag hat mit Asterix schließlich nichts zu tun. Die einzelnen Stationen im Leben Goscinny werden beleuchtet, der Mensch näher erklärt, doch Asterix kaum erwähnt.
Wer also auf großes Bonus-Material setzt, wird hier mehr als enttäuscht werden. Dennoch ist es schön, die Helden der Kindheit gesammelt in einer Box in den Händen halten zu können.
Titelbild: aus „Asterix, der Gallier“, gemeinfrei (archive.org)
Textbild: © 1985 Gaumont/Jugendfilm, © 1994 Sat.1 / Quelle: archive.org (gemeinfrei)
