Ab 14.3. im Kino.

Leila (Layla Mohammadi) lebt zwischen den Kulturen: Ihre Familie kam einst aus dem Iran in die USA, sie wuchs hier auf und ist zwischen persischen Traditionen und Sitten, innerfamiliären Regeln und den Möglichkeiten amerikanischer Freiheit hin- und hergerissen. Insbesondere mit ihrer Mutter Shireen (Niousha Noor) gerät sie immer wieder aneinander: Die toughe Frau zog beinahe ein Dutzend Kinder groß (Leila und ihre Brüder) und machte nebenbei Karriere als Immobilienmaklerin, um die Familie finanziell zu unterstützen, als ihr Mann, Leilas Vater, das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte.

von Christian Klosz

Als sich der Zustand des Vaters verschlechtert, er eine Herztransplantation benötigt und Leila zudem unterwartet schwanger wird, ist sie gezwungen, sich mit sich selbst, aber auch den Hintergründen der Konflikte mit ihrer Mutter auseinanderzusetzen. Durch Erzählungen ihrer Großmutter erfährt sie von den teils dramatischen Ursachen für die Migration ihrer Eltern in die USA. Und dass sie viel mehr mit ihrer Mutter verbindet, als sie dachte.

„The Persian Version“ ist eine liebenswerte, sehenswerte und unterhaltsame Mischung aus Multikulti-Komödie und Generationen-Drama, in der Regisseurin Maryam Keshavarz einen Teil ihrer eigenen Geschichte nacherzählt. Das Ergebnis in jedem Fall authentisch, aber auch sehr dicht – oder dramaturgisch überladen, wenn man es weniger positiv ausdrücken möchte: Denn der Film springt wild zwischen Zeitebenen, Handlungssträngen und Protagonistinnen-Perspektiven (Mutter und Tochter) hin und her, sodass erhöhte Aufmerksamkeit nötig ist, um allen Details des Plots zu folgen. Was notwendig ist, um die Handlungszusammenhänge zu verstehen. Diese Überfrachtung bewegt sich stets an der Grenze dessen, was gut ist, manchmal auch darüber.

Trotz dieses formalen Makels ermöglicht es „The Persian Version“ dem Publikum, mit den Figuren mit zu leben, mit zu fühlen und Einblicke in das Leben einer persischen Einwanderer-Großfamilie in den USA zu bekommen. Der Film nimmt dabei keine einseitige, simplifizierende oder moralisierende Haltung ein, sondern beschreibt mannigfaltige Konflikte, die das Leben eben mit sich bringen: Leila wird erst als Rebellin gezeichnet, die auch mal in einer provokativen Mischung aus Burka und Bikini bei einer Kostümparty auftaucht. Dort hat sie, die sich eigentlich eher zu Frauen hingezogen fühlt, Sex mit einem männlichen, heterosexuellen Transvestiten, der sich beruflich und privat ab und an als Frau verkleidet. Das Resultat dieses One-Night-Stands ist eine Schwangerschaft, die zu zusätzlichen Spannungen mit Leilas Mutter führt. Sprich: Die junge Frau führt ein ziemlich chaotisches, richtungsloses Leben, was Shireen wohl am meisten stört. Denn sie war durch Umstände dazu gezwungen gewesen, sich selbst rigorose Disziplin aufzuerlegen, um ihre Familie ernähren zu können. Die Darstellerin Niousha Noor spielt diese Rolle übrigens mehr als überzeugend.

Shireen verließ nämliche den Iran in den 1960er-Jahren nicht aus Jux und Tollerei, sondern aufgrund eines Skandals, der sie, ihren Mann und eine weitere Frau betraf. Durch die frühe Heirat und die Abwanderung in ein abgelegenes Gebiet in der iranischen Provinz verstieß sie damals zudem ebenso gegen die „Regeln“ ihrer Familie – eine weitere Parallele zu Leila, die beide erst später erkennen sollten.

„The Persian Version“ schildert all diese komplexen Zusammenhänge farbenfroh, temporeich und einfühlsam. Durch die erwähnt vielen Handlungssträngen bleibt manches aber auch etwas verwirrend und die eine oder andere Sequenz ist unzureichend ausgearbeitet. Spürbar ist das Bemühen der Regisseurin, alle relevanten Aspekte dieser komplizierten Familiengeschichte zu erzählen, doch ein 100-minütiger Film war dafür vermutlich zu kurz. Hier hätte man am Drehbuch ansetzen sollen, oder im Schnittraum. Ein Miniserien-Format hätte dem extensiven Stoff vielleicht auch besser getan.

Dennoch liegt ein gewisser Charme in dieser chaotischen Überfrachtung – denn sie entspricht auch dem Charakter der hier vorgestellten Familie, wo alles immer zu viel zu sein scheint, aber doch irgendwie funktioniert: Das selbe trifft auch auf „The Persian Version“ zu, den man mit der Zeit liebgewinnt. An Herz mangelt es dieser Geschichte, diesem Plädoyer für Toleranz nicht. Und an Herzblut hat es auch dem Team dahinter ganz offensichtlich nicht gefehlt, eher etwas an Struktur. Aber vielleicht ist es eben genau das, was die persische Version einer Familiengeschichte ausmacht.

Fazit

Obwohl „The Persian Version“ sich selbst und auch sein Publikum zeitweise überfordert, ist diese charmante Mischung aus Komödie und Drama sehenswert und bleibt vor allem wegen seiner pulsierenden Vitalität in Erinnerung, die das Leben trotz all seiner Wirrungen feiert.

Wertung

Bewertung: 7 von 10.

(74/100)

Bild: SONY PICTURES ENTERTAINMENT INC. / SONY PICTURES CLASSICS