Seit Ankündigung der Neuverfilmung des Kultfilms „The Crow“ (1994) wehte der Produktion rauer Wind entgegen. Noch mehr, als erste Bilder des neuen Eric Draven veröffentlicht wurden: Denn diese Krähe (Bill Skarsgård) hatte nichts mehr mit der anziehenden, mysteriös-morbiden Erscheinung eines Brandon Lee gemein, sondern sah aus wie ein Meth-Junkie aus dem White Trash – Trailer Park.
Brandon Lee würde nicht mehr dem Grabe entsteigen (wie im Originalfilm) hieß es seitens vieler Fans und Verehrer des Originals, er würde sich vielmehr in selbigen umdrehen, wenn er DAS miterleben müsste. Ähnlich dachte wohl auch der Regisseur des 1994er-Films, Alex Proyas, denn täglich ließ er in den letzten Wochen in den „Sozialen Medien“ angesichts des US-Boy Office Flops schadenfrohe Salven Richtung der Macher des neuen „The Crow“ ab.
Auch die Kritik verriss die Neuadaption weitgehend, das Publikum blieb zuhause oder schimpfte nach Sichtung über den Film. Doch wie schlimm ist „The Crow“, seit heute auch bei uns im Kino, wirklich?
Vorweg muss man wissen: Ein Remake des Kultfilms war bereits seit 2008 in Planung, dahinter steht das selbe Produktionsteam wie anno 1994. Nachdem zig Regisseure für die Neuadaption im Gespräch gewesen waren und ebenso viele Schauspieler für die Hauptrolle, wurde 2022 dann endlich gedreht, mit Rupert Sanders am Regiestuhl und eben Bill Skarsgård als Titelfigur. Wie viel das Endergebnis noch mit der ursprünglichen Idee zu hat, ist angesichts der chaotischen Entwicklungsphase nicht mehr festzustellen.
Was sich zweifelsfrei sagen lässt: Der neue „The Crow“ ist kein Remake wie oft kolportiert (und befürchtet), sondern eine echte Neuadaption, die diesen Namen auch verdient, denn mit dem 30 Jahre alten Film hat der neue nur sehr wenig gemein. Das liegt einerseits an der Ästhetik, noch mehr aber daran, die Dramaturgie gänzlich umgeworfen wurde.
Während „The Crow“ aus 1994 mit dem brutalen Überall einer Gang auf Eric, damals Rockmusiker, und seine Geliebte beginnt, wendet „The Crow“ 2024 beinahe die ganze erste Hälfte des Films dafür auf, eine ausgedehnte Hintergrundgeschichte zu erzählen. Draven ist nun nicht mehr Musiker, sondern Junkie, seine Freundin Shelly, die wiederum Musikerin mit eigener, düsterer Vergangenheit ist, lernt er in einer Entzugsklinik kennen.

Es ist grundsätzlich lobenswert, dass man tatsächlich auch etwas Neues probiert – nur scheitert „The Crow“ zumindest teils daran, weil gerade die erste Hälfte ordentlich zäh ist und seelenlos wirkt. Ebenso wie Bill Skarsgård als neue Krähe, denn er versprüht null Charisma, ganz anders als sein berühmter Vorgänger.
Nach einer knappen Stunde erfängt sich der Film aber und kann mit einem gelungenen und unterhaltsamen Finale aufwarten, das auch neue Pfade beschreitet: Der finale Rachefeldzug von Draven ist ein brutales, blutiges Gemetzel in den Gängen eines Opernhauses, geschickt unterschnitten mit Aufnahmen der nebenan stattfindenden Opernaufführung und unterlegt mit klassischer Musik. Das ist handwerklich einfach gut gemacht und macht beim Zuschauen Spaß, sogar morbider Humor kommt zum Einsatz. Um also die Frage von zu Beginn zu beantworten: So schlimm ist „The Crow“ gar nicht.
Fazit
Insgesamt kein wirklich guter Film, aber auch kein Totalreinfall: „The Crow“ ist Scheitern auf mittelmäßigem Niveau. Wer den Film in jeder Szene mit dem (natürlich immer noch besseren) Original vergleicht, wird damit nicht glücklich werden. Wer sich auf diese Neuinterpretation einlässt, bekommt gerade gegen Ende einige unterhaltsame Szenen zu sehen.
Bewertung
(50/100)
Bilder: (c) Constantin Film
