Im Fahrwasser von „Big Little Lies“ schwimmt die neue Netflix-Miniserie „Ein neuer Sommer“, und das liegt nicht nur an Nicole Kidman: Ein hübscher Küstenort, reiche Menschen – und ein Mord – bekannte Zutaten für ein Krimi-Melodram. Ob die 6-teilige Serie die Erwartungen erfüllt, verrät unsere Serien-Kritik.

von Christian Klosz

Nicht nur auf den ersten Blick wirkt „Ein neuer Sommer“ wie eine Kopie des HBO-Hits „Big Little Lies“: Die Serie spielt größtenteils auf dem mondänen Sommeranwesen der Winburys, einer klassischen amerikanischen Old-Money-Family. Denn auch die Erzählart weist eindeutige Parallelen zum Vorbild auf: Dramaturgisch wird exzessiv mit Rückblenden gearbeitet.

Auch wie das Vorbild basiert „Ein neuer Sommer“ auf einer literarischen Vorlage, und zwar auf dem gleichnamigen Buch von Elin Hilderbrand (OT: „The Perfect Couple“). Adaptiert wurde der Stoff von Jenna Lamia, die Insidern als Darstellerin der dauergeilen Judy Cooper in der genialen Serie „Resident Alien“ bekannt ist. Regie bei den 6 Episoden übernahm Susanne Bier („Bird Box“, „The Night Manager“), zur herzeigbaren Besetzung zählen neben Kidman Liev Schreiber, Dakota Fanning und Meghann Fahey.

Ausgangspunkt des Plots ist die geplante Hochzeit zwischen Amelia (Eve Hewson) und Benji Wilbury, dem mittleren Sohn von Matriarchin Greer Garrison Winbury (Kidman) und ihrem Gatten Tag (Schreiber). Doch statt Romantik, Freude und Partystimmung herrscht am Morgen der großen Feier Tristesse: Amelias beste Freundin Merrit wird tot am Strand aufgefunden.

„Ein neue Sommer“ versucht sich in der Folge als Mischung aus klassischem Agatha Christie-Whodunnit, schwarzhumoriger Sozialsatire und soapy Melodram. Als Anker für das Publikum fungiert dabei Amelia, die wie die einzige, halbwegs normale Person in dieser Schlangengrube aus Reichen, Schönen und Durchtriebenen wirkt.

Als Paradebeispiel der versnobten (Neu)Reichen tritt Nicole Kidman auf: Das Vermögen gehört eigentlich der Familie ihres Mannes, sie ist nur „angeheiratet“, hat aber inzwischen die Rolle der Matriarchin übernommen. Ihre herablassende Überheblichkeit erscheint stets wie Kompensation für ihre „wahre“ Herkunft, die das Publikum erst am Ende erfahren wird.

So ist „Ein neuer Sommer“ auch ein Porträt der „Reichen und Schönen“, die dabei erwartungsgemäß wenig vorteilhaft davonkommen. Die Serie bewegt sich zwischen Sozialsatire und Krimi und erfüllt beide Aspekte recht solide. Kritik kann am Drehbuch geäußert werden, da es in manchen Phasen recht chaotisch wirkt, denn die vielen Zeitsprünge und Rückblenden wären nicht zwingend nötig gewesen.

Fazit

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Netflix eine kurzweilige Mini-Serie gelungen. „Ein neuer Sommer“ bedient sich teils recht schamlos an Vorbildern wie eben „Big Little Lies“, besitzt aber dennoch genügend Eigenständigkeit und Originalität. Die durchwegs überzeugenden Darstellerleistungen tragen außerdem dazu bei, dass diese Mischung aus Krimi und Sozialporträt recht ordentlich funktioniert.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(74/100)

Bild: (c) Netflix