Innerhalb kurzer Zeit hat sich „The Lincoln Lawyer“ auf Netflix als stabile Seriengröße etabliert, die gefühlt mit jeder Staffel besser wird. Sie basiert auf der Buchreihe von Michael Connelly, der bereits die Vorlage für Amazon Primes „Bosch“ geliefert hatte, Serien-Mastermind David E. Kelley („Mr. Mercedes“, „Big Little Lies“, „Aus Mangel an Beweisen“) adaptierte sie fürs Streaming. Und bekanntlich wird fast alles, das er anfässt, zu Gold. So ist es auch hier.
von Christian Klosz
„The Lincoln Lawyer“ erzählt von Star-Anwalt Mickey Haller (Manuel Garcia-Rulfo), der sich mit seinem ganz eigenen Stil einen Namen in L.A. gemacht hat. In den Gerichtssälen der Stadt ist er eine Klasse für sich, agiert gerissen bis genial, kennt alle Tricks und Finten. Sein Markenzeichen: Er arbeitet am liebsten vom Hintersitz seines Lincoln SUVs aus, mit dem er sich durch die Stadt kutschieren lässt.
Es sind zum einen die kantigen Charaktere, die den Reiz der Serie ausmachen, von denen Haller (gut geschrieben und recht unkonventionell, aber gut dargestellt durch Garcia-Rulfo) heraussticht. Auch die anderen Figuren sind echte „Persönlichkeiten“. Zum anderen sind es die anspruchsvollen und spannenden Plots. Hinzu kommt die positiven Darstellung des Lebens in L.A., „The Lincoln Lawyer“ ist trotz der mitunter dramatischen Handlung eine „Wohlfühlserie“. Dazu trägt auch die an Food-Porn erinnerende Inszenierung von Essen bei: Gefühlt alle 15 Minuten sind die Protagonisten mit irgendeinem leckeren Snack in der Hand zu sehen. All das führte dazu, dass sich die Serie recht schnell eine Fanbase schaffen konnte, die mit Heißhunger auf neue Folgen wartet.
Staffel 3 knüpft nun qualitativ mühelos dort an, wo Staffel 2 geendet hatte, nein: übertrifft den Vorgänger noch einmal. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass Staffel 3 von „The Lincoln Lawyer“ zu den besten Serienstaffeln des Jahres zählt. Und Netflix wohl weiter fix mit ihrem Hit plant: Der massive Cliffhanger am Ende garantiert fast eine Staffel 4.

Auch handlungstechnisch gibt es Kontinuität: Haller erfährt, dass seine ehemalige Klientin „Glory Days“, ein Call-Girl, das erstmals in Staffel 1 auftrat, ermordet wurde. Dem nicht genug: Ihr vermeintlicher Mörder bittet Haller, ihn vor Gericht zu vertreten. Haller ist hin- und hergerissen, übernimmt den Fall aber schließlich, da er von der Unschuld seines Mandaten überzeugt ist. Und herausfinden will, wer seine Freundin auf dem Gewissen hat.
Erst fällt der Verdacht auf einen Drogenboss, der aufgrund der Aussage von „Glory“ im Gefängnis landete. Über ihn führen die Ermittlungen zu einem korrupten Staatsanwalt, der jede Menge Dreck am Stecken hat. Ein ehemaliger Cop, den Haller einst vor Gericht bloßgestellt hatte und der nun als Ermittler arbeitet ist auch noch irgendwie involviert. Sprich: Mickey Haller gerät wieder in ein Dickicht undurchsichtiger, krimineller Verbindungen – und muss nicht nur einmal um sein eigenes Leben bangen.
Die Story ist diesmal besonders komplex und auch detailliert aufbereitet, was die Aufmerksamkeit hoch hält. Für Justiz-Nerds wird es diesmal besonders ergiebig, da die einzelnen Schritte der Ermittlungen und des Prozesses noch genauer geschildert werden als sonst. Doch auch die Feel Good-Momente kommen nicht zu kurz und lockern die düstere Handlung immer wieder auf.
Fazit
„The Lincoln Lawyer“ bietet so – wieder einmal – allerfeinste Streaming-Unterhaltung. Viel besser kann zeitgemäßes Unterhaltungs-Fernsehen schlicht nicht gemacht werden. Wer bereits vom Lincoln Lawyer-Fieber gepackt ist, bei dem wird dasselbe auch bei Staffel 3 wieder ausbrechen. Wer bisher davon noch verschont geblieben ist, sollte der Serie unbedingt eine Chance geben: Sie macht einfach so vieles richtig, ohne dass man es immer genau benennen könnte, hat Charme und Charakter. Und man kriegt nicht genug davon
Bewertung
(98/100)
Seit 17.10.2024 auf Netflix.
Bilder: © 2024 Netflix, Inc.
