Vor einigen Tagen erschien auf unserer FB-Seite ein Kurzfazit zu Francis Ford Coppolas intendiertem Meisterwerk „Megalopolis“, das da schlicht lautetet: „Nein.“ Nun kann man zurecht kritisieren, dass das gar etwas wenig ist und an Arbeitsverweigerung grenzt. Aber angesichts des für den Film verantwortlichen Mannes, der entsprechenden Erwartungshaltung – und des enttäuschenden Resultats bleibt einem nach Sichtung zuerst einmal nur Nein-sagendes Kopfschütteln.

von Christian Klosz

Das ergänzende Rating (30/100) gab etwas mehr Auskunft: „Megalopolis“ kann einige Qualitäten vorweisen, sonst würde das Rating ja 1/100 lauten. Aber die werden überschattet von jeder Menge künstlerischem, dramaturgischen und inszenatorischen Irrsinn, und das ist hier nicht positiv gemeint.

Warum und woran scheitert „Megalopolis“ nun im Detail?

1. Coppola hat sich übernommen und selbst überschätzt

Der Filmemacher ist bekannt für sein Wandeln zwischen Genie und Wahnsinn, seine Hybris, seine künstlerische Kompromisslosigkeit. Was einen Film wie „Apocalypse Now“ zu einem Meisterwerk machte, geht in „Megalopolis“ nach hinten los. Der Film ist zwar ein Beispiel für sprudelnde, ungefilterte Kreativität, doch die ganzen wilden Einfälle konnten in kein schlüssiges Konzept gepackt werden, es fehlt ihnen die Struktur. Und der nötige Filter.

2. Coppola fehlte das kreative Korrektiv

Der Regisseur finanzierte sein Werk bekanntlich weitgehend selbst, verkaufte dafür sogar eines seiner Weingüter und verwendete sein Erspartes. Er wollte seine „künstlerische Vision“ um jeden Preis umsetzen. Nun ist soviel Herzblut und Opferbereitschaft eh beeindruckend. Doch als Konsequenz der totalen kreativen Kontrolle fehlte Coppola ein Gegenpart, der ihm Feedback geben konnte. In der Regel sind das Studios und Produzenten, in vielen Fällen sind diese Eingriffe zum Nachteil des entsprechenden Films. „Megalopolis“ hingegen ist das extreme Gegenbeispiel: Überhaupt keine kreative Kontrolle ist auch nicht gut.

3. Weniger wäre mehr

Coppola hat in seinem Film gefühlt jede Idee, die ihm in den Kopf kam, umgesetzt. Manchmal führt das zu ganz ansehnlichen Szenen (etwa jene im „Kolosseum“), in vielen Fällen aber einfach zu Kopfschütteln. Kreative Einfälle sollten nicht nur kreativ sein, sondern auch der Erzählung dienen und Sinn machen, sonst machen sie eben keinen Sinn. Selbst wenn man „Megalopolis“ als reinen Kunstfilm betrachten will, geht diese Kunst über oberflächliche ästhetische Spielerein nicht hinaus.

4. Die Parabel greift nicht

„Megalopolis“ handelt von einer fiktiven Stadt namens „New Rome“, eine Mischung aus New York und dem antiken Rom, die an einem Scheideweg steht: Untergang oder Weg in die Zukunft, Dystopie oder Utopie? Mehrere Männer, alle angelehnt an antike römische Figuren, wetteifern darum, und damit um das Schicksal der Zivilisation. Nun soll das Sujet offenkundig große Aktualität haben. Umso enttäuschender ist es, dass die Parabel vom „fallenden Empire“ so gar nicht greifen mag, der Film im luftleeren Raum zu existieren scheint und vor allem emotional nichts vermittelt. Coppola hat sich mehr auf seine historischen und literarischen Vorbilder verlassen, als eine zeitgemäße Zeitgeist-Kritik zu schaffen. Enttäuschend.

5. „Megalopolis“ ist emotionslos

Schließlich muss auch jede noch so kühne stilistische Übung irgendwelche Emotionen beim Betrachter hervorrufen. Oben erwähnter „Apocalypse Now“ etwa war auch ein ästhetisches Meisterwerk. Doch der Film konnte die Verzweiflung / den Wahnsinn seiner Protagonisten auch auf der Gefühlsebene vermitteln, das Publikum emotional mitnehmen. Selbst wenn alles künstlerisch überhöht war: Das Geschehen ließ einen nicht unbeteiligt zurück. In „Megalopolis“ ist leider genau das Gegenteil der Fall.

Fazit

Alles noch einem zusammengefasst: Einfach Nein. Francis Ford Coppola mag sein Wunschprojekt umgesetzt haben und damit glücklich sein. Doch seinem Vermächtnis und dem Publikum hat er damit keinen Gefallen getan. Der Mann hat genug für Film und Kino geleistet und sollte sich guten Gewissens ins den Ruhestand begeben, denn seine Zeit ist ganz offenbar vorbei.

Bewertung

Bewertung: 3 von 10.

(30/100)

Bild: Phil Caruso 2024 / Lionsgate/Constantin Film