Nach den besten 10 Doku-Formaten und den besten 10 Serien des Jahres 2024 kommen nun, zum Abschluss, die Film plus Kritik Film-Jahrescharts: Die 10 besten Filme 2024. Welche Filme muss man 2024 unbedingt gesehen haben? Der Artikel verrät es euch.

Trotz Kino-Krise, die durch die Streiks aus dem Vorjahr weiter verschärft wurde, gab es auch im abgelaufenen Jahr einige Highlights, die man nicht missen sollte. Die Top 10-Liste umfasst Filme, die zwischen 1.1.2024 und 31.12.2024 in Österreich oder Deutschland erstmals im Kino, im Streaming, als VOD oder auf Disc veröffentlicht wurden. Zum Drüberstreuen gibt’s die Flop 5 und die besten Darstellerleistungen des Jahres.

von Christian Klosz

Die besten Filme 2024

Platz 10: „American Fiction“ von Cord Jefferson

Ein beindruckendes Regie-Debüt, das sich kritisch und (selbst-)ironisch mit den absurden Auswüchsen von politischer Korrektheit, Identitätspolitik und „Wokeness“ auseinandersetzt. Das tolle Drehbuch (Oscar!) und ein überzeugender Hauptdarsteller (Jeffrey Wright) runden die Sache ab.

Platz 9: „LaRoy, Texas“ von Shane Atkinson

„LaRoy, Texas“ lebt von einem erstklassigen, wendungsreichen Drehbuch, seinem düsteren, schwarzen Humor, der Südstaaten-Atmosphäre und nicht zuletzt von einem tollen Soundtrack. Regisseur Atkinson gelang mit seinem Neo-Western-Debüt etwas, woran viele andere rezente US-Filme scheitern: Von Vorbildern inspiriert, gerahmt von einem klaren Genre-Korsett ein originäres Werk mit eindeutiger Stilistik und Handschrift, das obendrein auch herrlich unterhält. Fans der Coen Brothers werden den Film lieben.

-> Kritik

Platz 8: „Ezra“ von Tony Goldwyn

„Ezra“, das Indie-Drama des Jahres, erzählt eine herzergreifende und berührende Geschichte, die von Erfahrungen des Drehbuchautors Tony Spiridakis mit seinem eigenen, autistischen Sohn inspiriert ist. Am bemerkenswertesten ist die Sensibilität und Empathie, mit der der Film vorgeht. Einen großen Beitrag dazu leisten auch die Darsteller: Das Highlight ist das Vater-Sohn-Gespann Bobby Cannavale – William Fitzgerald (er spielt Ezra): Die beiden spielen einfach großartig.

beste filme 2024 ezra
(c) Bleaker Street

Platz 7: „Rebel Ridge“ von Jeremy Saulnier

„Rebel Ridge“ folgt einer klaren (Neo-)Western-Struktur, spielt typischerweise in einer amerikanischen Kleinstadt, präsentiert einen grimmigen Bösewicht (Don Johnson). Und einen schweigsamen (Anti-)Helden (Aaron Pierre), der sich Korruption und Unrecht allein in den Weg stellt (Clint Eastwood lässt grüßen). Tolle Action und vor allem das großartige Pacing offenbaren bestechend präzises Handwerk in der Umsetzung. Ein weiteres Beispiel, wie zeitgemäße Modernisierung und Bewusstsein für Filmgeschichte Hand in Hand gehen können.

Platz 6: „Trap“ von M. Night Shyamalan

„Trap“ ist der wohl der unterhaltsamste Shyamalan-Film seit Jahren, auch wenn er im Kino floppte: Eine perfide Geschichte aus Sicht eines Serienkillers (Josh Hartnett), den Ermittler mithilfe einer Falle schnappen wollen, die bei einem riesigen Popkonzert ausgelegt wurde. Shyamalan zitiert ausgiebig klar erkennbare Vorbilder (Brian de Palma!). Und beschließt einen Thriller mit einem furiosen Twist-Gewitter.

Trap
(c) Warner Bros.

Platz 5: „Road House“ von Doug Liman

Das filmische Guilty Pleasure des Jahres: Doug Liman gelang das seltene Kunststück, mit seiner eigenständigen Neuverfilmung des 80s-Klassikers auch Skeptiker zu überzeugen. Und vor allem eines: Grandios zu unterhalten. Tempo und Witz, ein malerisches Setting, der Soundtrack und rasante Action machen „Road House“ zu einem Filmgenuss der Extraklasse.

Platz 4: „The Atrocity Exhibition“ von Jonathan Weiss

Der Verleih Rapid Eye Movies brachte dieses vergessene Meisterwerk, gefilmt 1998, 2024 erstmals ins Kino. Die Grundlage bildet J.G. Ballards („Crash“) gleichnamiges Skandal-Buch, das ob seiner Struktur als unverfilmbar galt. Grob handelt er von einem Uni-Professor namens Talbert, den das größenwahnsinnig-nihilistische Unterfangen antreibt, den dritten Weltkrieg auszulösen. Ein anspruchsvoller Kunstfilm, eine 100-minütige Aneinanderreihung von thematisch und assoziativ verbundenen Sequenzen, aber ohne jegliche erzählerische Struktur. Eine ständige Herausforderung, eine geniale filmische Zumutung, zeitweise unerträglich und zugleich meisterhaft.

Platz 3: „Anora“ von Sean Baker

Der Cannes-Siegerfilm 2024 etabliert Regisseur Sean Baker endgültig als einen der bedeutendsten US-Autorenfilmer der Gegenwart, der es schafft, detaillierte Milieu-Studien von den Rändern der Gesellschaft mit universellen Fragen und Unterhaltungswert zu verbinden. Während das erste Drittel dieser tragischen Geschichte einer Prostituierten, deren erhofftes „Pretty Woman“-Märchen als Alptraum endet, ein immersiver Bilderrausch ist, erinnert der Rest an Scorseses Mafia-Milieustudien, auch dank ähnlicher Rasanz. Mikey Madison legt als die titelgebende Anora eine grandiose Performance und die wohl beste Schauspielerinnen-Leistung des Jahres hin.

bester film 2024 Anora
(c) universal Pictures

Platz 2: „La Chimera“ von Alice Rohrwacher

Pure Bildermagie: Der neue Film von Alice Rohrwacher („Glücklich wie Lazzaro„), eine Sage über toskanische Grabräuber, ist eine kunstvoll gestaltete, filmische Reise zwischen Realismus und Fantasie, deren technische Umsetzung beeindruckt und fasziniert. Das Resultat ist ein überragend schöner Film, der Ethnografie, Märchen, Liebesfilm, Gesellschaftsporträt und Drama in einem ist.

Platz 1 – Film des Jahres 2024: „The Holdovers“ von Alexander Payne

Für seinen Film, der in einem über die Weihnachtsfeiertage verwaisten, elitären Internat in New England spielt, wählt Payne einen bemerkenswerten, völlig anachronistischen Zugang, sowohl bei der Umsetzung der Erzählung, als auch in Bezug auf den Stil: „The Holdovers“ spielt nicht nur 1970, er sieht auch aus, fühlt sich an wie ein Film aus dieser Zeit. Dem Regisseur gelingt es, das ungewöhnliche Setting stimmungsvoll auf Bilder zu bannen, sodass man sich bald „zuhause“ fühlt, trotz (oder gerade wegen?) der melancholischen Grundstimmung.

Neben Atmosphäre und Drehbuch sind es die Darstellerleistungen, die „The Holdovers“ so sehenswert machen: Alle 3 Hauptcharaktere sind grandios gespielt (Paul Giamatti, Dominic Sessa, Da’Vine Joy Randolph), jede Leistung ist für sich genommen bemerkenswert. Das zentrale Thema das Films – Freundschaft – ist dabei so unprätentiös wie wichtig. So gelingt Alexander Payne der Film des Jahres: Ein fast aus der Zeit gefallenes Beispiel für klassisches Filmemachen mit einem Herz für „Außenseiter“, das sich auf die essentiellen Bestanteile des Mediums besinnt. Großartig. -> Kritik

The Holdovers Kino Film Kritik Bild d
2023 FOCUS FEATURES LLC. (c)

Weitere Filme, die überzeugten:

„The Beekeeper“
„Speak no evil“
„Joker 2“ -> Kritik
„Die Unschuld“ -> Kritik
„The Apprentice“

Wild Cards – Filme ohne offizielle Veröffentlichung bei uns:

„Humane“ -> Kritik
„Henry Fonda for President“

Flop 5: Die schlechtesten Filme des Jahres 2024

„Megalopolis“ -> Kritik
„Der Schacht 2“
„Argylle“ -> Kritik
„The Fall Guy“ -> Kritik
„Berlin Nobody“

Beste Regie

Sean Baker – „Anora“

Bestes Drehbuch

Cord Jefferson – „American Fiction“

Beste Darstellerleistungen

Hauptdarsteller/in
Sebastian Stan – „The Apprentice“
Ralph Finnes – „Konklave“
Mikey Madison – „Anora“
Demi Moore – „The Substance“
Nebendarsteller/in
Dominic Sessa – „The Holdovers“
Da’Vine Joy Randolph – „The Holdovers“

-> Die 10 besten Serien 2024

-> Die 10 besten Doku-Formate 2024

Titelbild: Fotomontage