Netflix läutet das Jahr 2025 mit der Harlan Coben-Adaption „Ich vermisse dich“ ein, die den Erfolg von „In ewiger Schuld“ wiederholen soll. Die 5-teilige Miniserie startet stark, rutscht aber am Ende ins Melodramatische ab. Seit 1.1.2025 im Stream.
von Christian Klosz
Detektivin Kat Donovan findet in einer Dating-App ihren Ex Josh, der seit 11 Jahren vermisst wird. Nach der Verlobung verschwand er damals wortlos und spurlos, sie war am Boden zerstört und konnte die Sache für sich nie abschließen, weil sie keine Erklärung für den Vorfall hatte. Kurz nach dem Dating-Fund wird Kat wird von einem jungen Mann kontaktiert, der behauptet, seine Mutter wäre ebenfalls verschwunden. Der Haken: Der Freund der Mutter, mit dem sie verreisen wollte, sieht aus wie Josh.
Doch das ist nicht das einzige Echo aus der Vergangenheit, das Kat plagt: Ihr Vater, ein hochdekorierter Polizeioffizier, wurde vor Jahren im Dienst ermordet, ein Krimineller gestand den Mord, doch die genauen Begleitumstände für den tragischen Tod wurden nie geklärt. Der vermeintliche Mörder liegt nun im Sterben, und eröffnet ihr Dinge, die ihr Weltbild auf den Kopf stellen. Kat beginnt auf eigene Faust neue Ermittlungen – zum Tod ihres Vaters und zum Verschwinden ihres Verlobten – und gerät in eine Verschwörung, in die selbst ihr direktes Umfeld verwickelt zu sein scheint.
Mystery und Melodrama: Die Harlan Coben-Adaption „Ich vermisse dich“
Kat Donovan wird von Rosalind Eleazar gespielt. Sie ist eine ausgezeichnete Wahl, beweist ihr Talent, das sie schon als Nebendarstellerin in „Slow Horses“ gezeigt hatte. Sie spielt die geplagte Protagonistin nahbar, sympathisch, man kann nicht umhin, mit ihr mitzufiebern, wie sie der Wahrheit Schritt für Schritt näher kommt.
Während die Darstellerriege allgemein recht überzeugend agiert, offenbart „Ich vermisse dich“ dramaturgische Probleme: Zu Beginn fällt es der Serie nicht leicht, die vielen Handlungsstränge stimmig zu vereinen. Als das geschafft ist, das Setting etabliert und man sich als Zuschauer zurechtfindet, hat „Ich vermisse dich“ seine stärkste Phase: Spärlich werden Informationen platziert, Rätsel und Geheimnisse geteasert, massiv Spannung erzeugt. Das Ganze ist zwar nicht sonderlich kunstvoll gestaltet, aber verfehlt nicht seine Wirkung: Man wird man gepackt von der verworrenen Verschwörung, die Kat Donovan zu lösen versucht.
Die Ernüchterung kommt in der letzten der nur 5 Episoden: Denn am Ende, als sich alle Rätsel auflösen, rutscht „Ich vermisse dich“ ins Melodramatische ab, ein unglaubwürdiger Twist jagt den nächsten und die konstruierten Wendungen nehmen unglaubwürdige Züge an. Die massive Spannung, die davor aufgebaut wurde, kann nicht befriedigend aufgelöst werden. Und so entlässt einen diese Mini-Serie mit gemischten Gefühlen.
Fazit
Die neue Harlan Coben-Adaption „Ich vermisse dich“ ist solide gemachte Streaming-Unterhaltung mit einer sympathischen Protagonistin, der allerdings auf den letzten Metern die Luft ausgeht. Manchmal gilt: Weniger ist mehr. Die inflationär gebrauchten, unrealistischen Wendungen im Finale schaden dieser Mini-Serie mehr als sie ihr nutzen. So bleibt das Ergebnis nur Mittelmaß.
Bewertung
(59/100)
Bild: (c) Netflix
