Vor 2 Jahren sorgte Edward Berger mit seiner Neuverfilmung von „Im Westen nichts Neues“ in Hollywood für Aufsehen, diverse Oscars waren der Lohn. Mit „Konklave“ lässt er nun ein ungewöhnliches Kammerspiel folgen, das überzeugt und überrascht. Jetzt im Kino.

von Christian Klosz

Im Vatikan gelten ganz eigene Regeln, die Normalsterblichen verborgen bleiben. Zu diesen 2 Jahrtausende alten Ritualen gehört auch das Konklave, die Wahl des Papstes, die die Kardinäle unter sich ausmachen. Regisseur Berger macht diesen mitunter mysteriösen und mythischen Vorgang zum Inhalt seines gleichnamigen Films, der zwischen Kammerspielt und Krimi changiert und detaillierte Einblicke in den Gottesstaat und seine Abläufe liefert.

„Konklave“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Harris aus dem Jahr 2016 und wurde von Drehbuchautor Peter Straughan adaptiert. Das Sujet bzw. die Herangehensweise ist dabei nur oberflächlich klassisch-konservativ, wie sich gegen Ende zeigen wird. Doch was passiert im Film eigentlich? Der amtierende Papst stirbt, Dekan Thomas Lawrence (Ralph Finnes) soll das nötige Konklave organisieren. Er selbst ist ein Zweifelnder, der nicht mehr gänzlich von seiner Mission in der Kirche überzeugt ist. Sein Rücktrittsgesuch schlug der Papst jedoch aus – vielleicht in weiser Voraussicht, ihn bald noch als Kurien-Manager brauchen zu können.

Am Tag X trudeln die über 100 Kardinäle im Vatikan ein, die einen von ihnen zum neuen Papst wählen werden. Bereits vorab haben sich einige Favoriten in Stellung gebracht: Aldo Bellini (Stanley Tucci) ist ein Liberaler, der das Werk des nun toten Papstes fortführen will; sein Gegner ist Goffredo Tedesco (Sergio Castellitto), ein italienischer Reaktionär; der Nigerianer Joshua Adeyemi (Lucian Msamati) rechnet sich ebenfalls Chancen aus, seine Herkunft spricht manchen Liberalen zu, seine erzkonservativen Ansichten zur Homosexualität erfreuen wiederum die Gegenseite; Joseph Tremblay (John Lithgow) schließlich ist ein kanadischer Moderater, ein möglicher Kompromisskandidat. Auch Dekan Lawrence, selbst der liberalen Fraktion zuzuordnen, hat einige Anhänger, die seine gestrengen Managerqualitäten schätzen, er zeigt aber absolut keine Ambitionen auf das Amt.

Kardinäle bei der Papstwahl

Bereits beim Blick auf den Plot wird klar: „Konklave“ ist keine klerikale Glaubensparabel, sondern ein Polit-Thriller voller Intrigen und Geheimnisse, die Lawrence aufzudecken versucht. Die Vorgänge in der Kurie sind von Regisseur Edward Berger spannend und detailliert eingefangen. Ein gewinnender Faktor ist dabei das ungewöhnliche, aber äußerst gelungen in Szene gesetzte Ambiente, ein andere diese ebenso ungewöhnliche Gesellschaft mit ihren ganz eigenen Regeln und Abläufen. Der Film überzeugt als atmosphärisches Kammerspiel, das geradezu klassisch anmutet, sich auf seine Dialoge und präzise komponierte Kameraarbeit verlässt.

Hinzu kommen sehenswerte Schauspielleistungen, aus denen Ralph Finnes herausragt: Sein stets zweifelnder, aber pflichtbewusster, moralisch integrer Kardinal Lawrence ist fraglos eine der besten Leistungen des Jahres bisher, Nominierungen für diverse Filmpreise sollten so sicher sein wie das Amen nach dem Gebet.

Die hohe filmische Qualität vieler Aspekte von „Konklave“ ist also offenkundig und eindeutig. Das provokative Ende hingegen wird für Diskussionen sorgen. Ob ein doch recht konstruiert wirkender Plottwist, dem man Berechnung und manipulative Absicht unterstellen kann (wenngleich er freilich auf der literarischen Vorlage beruht) einem Werk wie diesem gerecht wird und nötig gewesen wäre, bleibt dahingestellt. Jedenfalls ist das Finale zu abrupt heruntergebetet, während sich der Film vorher Zeit lässt, muss plötzlich alles ganz schnell gehen, wodurch die letzten 10 Minuten irgendwie wie ein Fremdkörper wirken. Inhaltlich wird das Ende die einen begeistern, die anderen verstören und vor den Kopf stoßen. Dass ein zuvor ganz und klar klassisches Werk doch noch solch eine Wendung nimmt, überrascht jedenfalls.

Fazit

Schlussendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was er vom provokativen Finale hält, es wird die Meinungen spalten. Abgesehen davon aber ist „Konklave“ ein auf technischer Ebene beachtliches Werk geworden, das vor allem inszenatorisch in der Oberliga spielt. Beim Konklave der Filmbranche, den Oscars, wird wohl der eine oder andere Preis herausschauen.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(71/100)

Seit 21.11.2024 im Kino.

Bilder: © 2024 LEONINE