Ein Film, der vor 30.000 Jahren beginnt und sich bis in das Jahr 1998 erstreck: Man könnte meinen, hier eine Erzählung von epochalen Ausmaßen zu sehen, doch das putzige kleine Gegenteil ist der Fall. Cooper Roberts erster fiktionaler Langfilm “All you need is blood” erinnert im Titel an ein Lied der Beatles, in dem alles erreicht werden kann, wenn man nur über genug Liebe verfügt, und erzählt die Geschichte von Bucky (Logan Riley Bruner), dessen sehnlichster Traum es ist, ein bedeutender Filmemacher zu werden.
Nichts Geringeres als ein großes Drama ist sein Ziel, vergleichbar mit den berühmtesten Künstlern der Menschheitsgeschichte. Und so macht er sich im Keller seines Elternhauses zusammen mit seinem stummen Freund Vish (Neel Sethi) daran, große Epen mit kleinem Budget zu inszenieren, diese mit seinem Camcorder aufzunehmen und auf Videokassette zu bannen. Doch, der Erfolg will sich nicht einstellen, bis eines Tages das örtliche Starwaltz-Festival zu einem Filmwettbewerb im Bereich Horror lädt und verkündet, der berühmte Filmemacher Hans von Franz (Ronald Guttmann) kommt als Stargast.
Bucky fühlt seine große Stunde geschlagen und beginnt sogleich mit den Vorbereitungen. In der Zwischenzeit findet sein Vater (Tom O’Keefe) im Garten ein seltsames, steinartiges Objekt und hebt es auf. Umgehend muss er feststellen, dass das Objekt ein Eigenleben entwickelt, von ihm Besitz ergreift und ihn in einen Zombie verwandelt. Tragisch für das Familiengefüge und gleichsam ein Glücksfall für Bucky, der nun einen authentischen Untoten in seinen Film integrieren kann. Und so geschieht, was geschehen muss. Neben dem halb verblichenen Vater und Vish befinden sich noch die schüchterne June (Emma Chasse) und die gescheiterte Schauspielerin und Koksnase Vivien (Mena Suvari) im Team und sorgen für allerhand Flimmaterial und Durcheinander.

“All you need is blood” ist in der Tat nicht epochal, sondern erzählt klein und liebevoll die Geschichte eines Jungen, der ebenso klein und liebevoll seinen Traum verwirklichen möchte. Kitschig ist das allemal und natürlich spart der Film nicht mit Gesten, die diesen Kitsch unterstreichen. Mit einer Länge von genau 100 Minuten ist der Film vielleicht eine Winzigkeit zu lang. Hier und könnte das Pacing genauer sein, um die Dynamik nicht zu unterbrechen.
Dafür bekommt das Publikum allerhand Ideen präsentiert, von denen manche mehr Gewicht erhalten als andere, die als Gimmicks unkommentiert geschehen und „All you need is blood“ den Charme verleihen, der ihn am Ende ausmacht. Ebenso enthält der Film einen Kommentar auf die überbordende Bedeutungsschwere von Kunstfilmen, die ihr Publikum nicht zwingend aus Gründen, wohl aber aus Prinzip herausfordern möchten, und so weist wohl nicht von ungefähr Hans von Franz eine hohe Ähnlichkeit mit Alejandro Jodorwosky auf, jenem Filmemacher, dessen künstlerischer Größenwahn untrennbar mit dem berüchtigten gescheiterten Dune-Projekt verbunden ist.
Fazit
Zwischen Scheisse, die zu Butter gemacht werden soll und Weltraum-Aids richtet sich „All you need is blood“ gezielt an Menschen, die Fans von B-Movies und trashig inszenierten Produktionen sind. Trotz der Prämisse des Zombie-Horrors schockiert der Film nicht. Wohl auch wegen des Budgets wird viel Kunstblut eingesetzt, aber nur selten gezeigt, wo das Blut herkommt (FSK 16). Das Ganze tut dem Projekt keinen Abbruch. Vielmehr wird dadurch der Fokus auf die komödiantischen Momente gelegt, die in einem großen Endkampf münden, in Slow Motion und mit romantischer Musik unterlegt. Wer kann da widerstehen?
Bewertung
(63/100 und viel Liebe)
„All you need is blood“ – seit 21.11.2024 als VOD, DVD und Mediabook.
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