Für die meisten Menschen sind Alien-Jünger, Ufologen und jene, die von „Entführungen“ ins All berichten, Spinner und Verrückte. Auch wenn die Vorstellung, dass es irgendwo da draußen noch irgendeine andere Form intelligenten Lebens gibt nicht so abwegig ist, klingen die entsprechenden Horror-Geschichten dieser oft sektenartig organisierten Menschen in vielen Fällen einfach zu abstrus. Bisher konnte kein eindeutiger Beweis erbracht werden, dass es die „kleinen, grünen Männchen“ wirklich geben würde, geschweige denn, dass sie regelmäßig die Erde besuchen oder Experimente an Menschen durchführen. Die wissenschaftlichen Erklärungen der Phänomene gehen in der Regel von Halluzinationen oder unterdrückten und verfremdeten Traumata aus, die die Betroffenen plagen.

von Christian Klosz

Der Künstler Budd Hopkins wollte es aber genauer wissen: Mit professionellen Methoden und Empathie begann er, Geschichten von Menschen zu erforschen, die davon berichteten, von Aliens entführt worden zu sein. Er verglich ihre Geschichten, kategorisierte sie, führte sie durch Hypnose zu ihren vermeintlichen Erlebnissen zurück, nahm sie mit der Kamera auf. Glasklare objektivierbare Beweise konnte auch er keine erbringen. Aber er dokumentierte insbesondere in den 1980ern und 90ern viele dieser Fälle für die Nachwelt.

Man mag von all dem halten, was man will: Doch was Netflix mit der 3-teiligen Mini-Serie „Die Alien-Entführung von Manhattan“ vorlegt, wird auch die größten Skeptiker zum Erschaudern bringen. „Die wahre Geschichte hinter einem der umstrittensten Fälle der Ufologie, der in Foren und den Sozialen Netzwerken immer noch für Kontroversen sorgt. Aber nur die wenigsten wissen, dass eine Filmemacherin damals alles festgehalten hat. Das Ergebnis mehrere hundert Stunden an Filmmaterial – Aufnahmen, die noch nie zuvor gesichtet wurden.“ – darum geht es laut Netflix-Info.

Die Serie befasst sich konkret mit dem Fall Linda Napolitano, die 1989 laut eigenen Angaben von Aliens entführt worden war. Sie schwebte eine Weile über ihrem Wohngebäude in der Luft, während die Stadt von einem Stromausfall lahm gelegt wurde. Das Besondere: Es gab ganze 23 (!) Augenzeugen, die den Vorfall bestätigten, auch, dass sie Linda schweben gesehen hätten. Budd Hopkins arbeitete ausführlich mit Linda zusammen, recherchierte, suchte nach Beweisen. Hilfe bekam er dabei von seiner damaligen Frau Carol Rainey, an sich eine Skeptikerin, die alles mit der Kamera festhielt.

„Die Alien-Entführung von Manhattan“ präsentiert massenweise Filmmaterial, Aufnahmen von Schilderungen von Linda und anderen „Entführten“, die Einschätzung von Hopkins, aber auch verstörende „Beweise“ wie ein Röntgenbild von Lindas Nase, das ein seltsames, undefinierbares Objekt zeigt – ein „implant“ der Aliens, wie sie sagt. (Freilich schade, dass die Herkunft des Objekts offenbar nie weiter erforscht wurde…)

Aufgebaut ist die Serie als indirekte Konfrontation zwischen Napolitano und Rainey: Früher Freundinnen, ist Rainey nun überzeugt, Zeugin eines der größten Hoaxes der Geschichte geworden zu sein. Sie legt einige Beweise für ihre These vor, die auch einleuchtend scheinen. Endgültig aufklären kann aber auch sie den Fall nicht. Napolitano hingegen bezeichnet Rainey als „verbitterte Ex-Frau“ und bösen Menschen – und bleibt bei ihrer Geschichte. Sie müsse entweder eine Soziopathin sein, oder ein Genie, um sich all das ausgedacht und fabriziert zu haben, sagt sie – und sie sei keines davon.

So muss das Publikum am Ende selbst entscheiden, was es glaubt oder glauben will. Für beide Sichtweisen werden „Belege“ präsentiert. Und allein dass die Geschichte dieser Alien-Entführung in Manhattan nicht vollkommen abwegig erscheint, macht die Serie so schockierend.

Natürlich bleibt es weiterhin äußerst unwahrscheinlich, dass irgendetwas davon tatsächlich stattgefunden hat. Aber die Belege DAFÜR sind eben erschreckend gut und stichhaltig. Und vor allem fehlt bisher die glasklare Erklärung, wie Linda Napolitano diesen rieseigen Betrug angestellt haben soll, so viele Menschen (inklusive ihres Sohnes) dafür einspannen konnte. Und ihn so lange aufrecht erhalten konnte.

Fazit

Der größte Horror ist bekanntlich, wenn für unumstößliche Gewissheiten ins Wanken kommen. „Die Alien-Entführung von Manhattan“ erschüttert, indem die Serie einen unglaublichen Fall präsentiert, für den es keine einfache, rationale Erklärung und Auflösung gibt. Keine Frage: Diese Sendung wird noch für viele Diskussionen sorgen.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(82/100)

„Die Alien-Entführung von Manhattan“ ist seit 30.10.2024 auf Netflix zu streamen.

Bild: (c) Netflix