Gibt es den einzig wahre Glauben? Und wenn ja, welcher ist das? Dieser Frage geht Ex-Frauenschwarm Hugh Grant als häretischer wie teuflischer Advocatus Diaboli im Horrorfilm „Heretic“ nach, der jetzt im Kino zu sehen ist.
von Christian Klosz
Die beiden jungen Mormonen-Schwestern Sister Barnes (Sophie Thatcher) und Sister Paxton (Chloe East) sind auf ihrem üblichen Missions-Trip, der für sie zum Alltag gehört und fixer Bestanteil ihres Lebens in ihrer Glaubensgemeinschaft ist. Er führt sich von Haustür zu Haustür, zu potenziellen neuen Gläubigen, denen sie den „einzig wahren Glauben“, den Ihren nämlich, verkaufen wollen.
Das Schicksal, göttliche Fügung oder schlicht der Tagesplan ihres Oberen führt sie schließlich an die Haustür eines Mr. Reed (Hugh Grant). Der kauzige ältere Herr zeigt Interesse und sich überraschend belesen und bibelfest. So lassen sie sich von ihm in seine alte Villa bitten, als es draußen zu regnen beginnt. Was sie nicht wissen: Reed hat gar kein Interesse, bekehrt zu werden, sondern spielt sein eigenes, diabolisches Spiel, das für die (gut)gläubigen Besucherinnen nicht nur zum existenziellen Exkurs über die Natur des Glaubens wird, sondern zur Frage um Leben und Tod.
„Heretic“: Eine Frage um Leben und Tod
Hinter „Heretic“ steht das Duo Bryan Woods und Scott Beck, unter anderem Autoren von „A Quiet Place“ und Regisseure von „65“. Auch in ihrem neuen Werk setzen sie auf subtilen Horror, nicht auf billige Schock-Effekte: Der knapp 2-stündige Film hat über weite Strecken den Charakter eines Kammerspiels mit im Grunde nur 3 Spielern, von denen der von Hugh Grant gespielte Gastgeber zumindest in der ersten Stunde fast die komplette Spielzeit einnimmt. Seine jungen Besucherinnen werden vom Drehbuch zu Stichwortgeberinnen degradiert, die wenig zu sagen haben und dementsprechend etwas untergehen. Grant, hier völlig entgegen seines eigentlichen Typus gecastet, nimmt die Herausforderung dankbar an und hat sichtlich Spaß, einmal den Bösewicht spielen zu dürfen.

Nachdem das Werk also anfangs als Ein-Personen-Stück funktioniert, geht „Heretic“ in der zweiten Hälfte und gerade im Finale etwas die Luft aus. Die „Auflösung“ am Ende wirkt ungenau, stellenweise unlogisch und zeitweise sogar wirr, der „theologische“ Aspekt des Films, der den inhaltlichen Unterbau für den Horror bietet, verliert sich in Konfusion. Der letzte Akt von „Heretic“ ist dann leider auch so vorhersehbar wie generisch und wird dem Potential nur bedingt gerecht, die Autoren waren sich am Ende wohl nicht ganz klar, in welche Richtung es gehen soll. Angesichts der zuvor aufgebauten Erwartung ist das doch eine kleine Enttäuschung am Ende eines alles in allem sehenswerten Filmes.
Fazit
Psycho-Horror für Fans von subtiler Suspense: Hugh Grant überzeugt in „Heretic“ in ungewohnter Rolle als Bösewicht, der den Film über weite Strecken allein auf seinen Schultern trägt. Die dahinterliegende Geschichte über das Wesen des Glaubens kann allerdings nur bedingt überzeugen. Für Genre-Freunde trotzdem eine Sichtung wert.
Bewertung
(72/100)
Seit 26.12.2024 im Kino.
Bilder: (c) Plaion Pictures
