Es ist eine 22 Jahre alte John Grisham-Verfilmung, die derzeit die Netflix-Charts aufmischt: Seit letzter Woche ist „Das Urteil“ zu streamen und liegt derzeit auf Platz 5 der meistgesehenen Filme. Netflix ermöglicht mit der Aufnahme ins Programm die verdiente Wiederentdeckung eines vollkommen vergessenen, aber bemerkenswerten und spannenden Gerichtsthriller mit John Cusack, Rachel Weisz, Dustin Hoffman und einem überragenden Gene Hackman, die einen Ensemble-Cast anführen.

John Grisham-Verfilmungen hatten in den 90-ern Hochkonjunktur: „Die Jury“, „Die Firma“, „Der Klient“ waren allesamt gute Beispiele für gute gemachte, packende Justiz-Thriller, die auf Grundlage von Grisham-Romanen entstanden. „Das Urteil“, 2003 gedreht, war schon beim Erscheinen kein großer Erfolg, verschwand aber auch danach vollkommen in der Versenkung. Zu Unrecht: Regisseur Gary Fleder liefert hier ein extrem dichtes Courtroom-Drama, das Zugleich ein gelungenes Portrait des US-Justizwesens ist.

Die Regie ist zwar wenig virtuos, aber die solide Erzählweise, das starke und packende Drehbuch und tolle Schauspieler machen „Das Urteil“ zu einem wirklich sehenswerten Film. Themen wie Waffen(gesetze), Korruption im Justizwesen und moralische Überlegungen werden dabei vielschichtig und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Trotz einer gewissen „Trockenheit“ lohnt sich Dranbleiben: Nach gut einer Stunde nimmt „Das Urteil“ richtig an Fahrt auf.

Nicht unerwähnt bleiben darf der gut eingespielte Ensemble-Cast, aus dem Gene Hackman als zynischer „Jury-Berater“ hervorsticht. Zusätzlich wurde ins Drehbuch ein gelungener Cliffhanger eingebaut, ein Haken, der sich erst am Ende auflöst. Jedenfalls sehr empfehlenswert, nicht nur für Freunde von Gerichts-Thrillern. (Christian Klosz)

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