2022 gelang Rowan Atkinson in Zusammenarbeit mit Netflix ein überzeugendes Comeback: „Man vs. Bee“ präsentierte erstmals die von Atkinson und William Davies geschaffene Figur Trevor Bingley, ein tollpatschiger Housesitter, der gewisse Parallelen zu „Mr. Bean“ aufwies. Die Publikumsreaktionen waren begeistert, und so gibt es nun mit „Man vs. Baby“ eine Fortsetzung der Comedy-Serie. Wie der Titel schon verrät bekommt es Bingley diesmal mit einem Baby zu tun, das seine Vorweihnachtstage ordentlich durcheinander bringt. Seit 11.12.2025 auf Netflix.
von Christian Klosz
Trevor Bingley (Atkinson) freut sich auf den Besuch seiner Tochter Maddy und seiner Ex-Frau Jess zum Weihnachtsfest: Sein kleines Häuschen irgendwo in der englischen Pampa am Rande einer Kleinstadt hat zwar nicht viel zu bieten, doch was wirklich zählt sind ohnehin andere Werte – Gemeinschaft, Familie, Liebe.
Im letzten Moment sagen die beiden aber ab: Jess‘ neuer Freund hat sie zum Feiertagsurlaub nach Barbados eingeladen, die Chance will man sich nicht entgehen lassen. Trevor bleibt enttäuscht allein zurück, bekommt aber bald unerwartete Gesellschaft: Beim Krippenspiel in der Schule, die er als Hausmeister betreut, wird ein Baby zurückgelassen, das niemandem zu gehören scheint. Die Suche nach für diesen Fall Zuständigen erweist sich als schwierig – und so bleibt Bingley nichts anderes übrig, als sich vorübergehend um den Knirps zu kümmern.

Perfekt wird das Chaos, als Trevor einen Anruf vom neuen Eigentümer seiner alten Housesitter-Firma bekommt: Der Babysitter wider Willen soll über Weihnachten ein nobles Penthouse in London betreuen. Da die Bezahlung herausragend ist, sagt er zu – und das Baby muss eben mit. Zwischen allerlei Missgeschicken, kleinen und größeren Katastrophen muss Bingley auch noch die Ankunft der Schwarzenbach-Familie vorbereiten, der das Pesthouse gehört…
„Man vs. Baby“: Ein schaumgebremster Mr. Bean
Dass Rowan Atkinson unbestreitbar großes komödiantisches Talent besitzt, ist spätestens seit seiner Paraderolle „Mr. Bean“ allseits bekannt. Bereits „Man vs. Bee“ griff auf die erprobte Formel zurück, und auch „Man vs. Baby“ setzt ganz auf Atkinson als Zugpferd, der nun eben Bingley statt Bean heißt, (geschiedener) Familienvater ist und sprechen kann. Wer also mit dieser Art Humor zwischen Slapstick, Fremdscham und Herzlichkeit, kombiniert mit typisch britischen Zutaten nichts anfangen kann, wird auch an „Man vs. Baby“ wenig Freude haben.
Doch auch für Fans von Atkinsons älteren Erfolgen ist an der neuen Serie manches gewöhnungsbedürftig, selbst gegenüber der ersten Staffel agiert der Hauptdarsteller bzw. die von ihm verkörperte Figur schaumgebremst, die Handlung verläuft über weitere Strecken eher unspektakulär. Während man in „Man vs. Bee“ in die Vollen ging, der Kampf des patscherten Housesitters Trevor gegen eine freche Biene schnell in totalem Chaos ausartete, bleiben die Missgeschicke hier überschaubar.
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Außerdem: Ein passenderer Titel wäre „Man and Baby“, „Man vs. Christmas“ oder „Man vs. Penthouse“ gewesen. Denn das Baby, das keinen Namen hat, spielt keine zentrale Rolle, es fungiert dramaturgisch eher als Trigger für diverse Missgeschicke denn als Gegenpart zur Figur Bingley. Natürlich, vieles dreht sich darum, das Baby wieder „loszuwerden“, doch der eigentliche „Kampf“ des Protagonisten besteht darin, das Londoner Penthouse auf die Ankunft der Besitzer vorzubereiten. Außerdem spielt auch ein Hund eine bedeutende Nebenrolle. Und diverse Figuren, die Trevor auf seiner kleinen Odyssee kennenlernt.
Manchen wird auch sauer aufstoßen, dass das Baby weitgehend CGI-animiert wurde, und das nicht immer in gelungener Form: War das bei der Biene aus dem Vorgänger noch logisch, erscheint es in „Man vs. Baby“ mitunter störend – wenngleich man natürlich anfügen kann, dass es zu riskant gewesen wäre, ein echtes Kleinkind für diverse Szenen zu verwenden.

Weniger Slapstick, mehr Herz
Warum genau sich die Autoren Atkinson und Davies dazu entschieden haben, Slapstick und Chaos so deutlich zurückzuschrauben, bleibt unklar. Und am Ende ist dies auch die zentrale Schwäche von „Man vs. Baby“: Das aufgerissene Setting böte die ideale Grundlage für alle möglichen Katastrophen-Szenarien, die mit einem computeranimierten Baby auch problemlos umgesetzt werden hätten können. Die Handlung bleibt zwar charmant und Atkinson agiert souverän und sympathisch wie eh und je. Aber wirkliche „Highlights“ oder große Lacher bleiben diesmal aus.
Vielleicht hatte es mit der Feiertags-Atmosphäre zu tun, dass man es diesmal ruhiger angehen wollte. Und tatsächlich funktioniert „Man vs. Baby“ am besten, wenn man sie sie als herzerwärmende Geschichte über Gemeinschaft und das Wesen von Weihnachten betrachtet: Der Humor tritt demgegenüber in den Hintergrund, die „Botschaft“ in der Vordergrund. Die schönste Szene ist dann auch jene am Ende, als sich die chaotischen Tage in London doch noch in Wohlgefallen auflösen und der Protagonist Weihnachten entgegen aller Erwartungen doch nicht alleine verbringen muss (selbst wenn man sich die allerletzte, kitschtriefende Einstellung sparen hätte können).
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Fazit
Solides Weihnachts-Special, das Fans von Rowan Atkinson zufrieden stellen sollte, wenngleich „Man vs. Baby“ etwas der Pep und anarchische Humor des Vorgängers fehlt. Wer weiß, vielleicht wird Atkinson (und sein Charakter) im Lebensherbst altersmilde?
Bewertung
(72/100)
„Man vs. Baby“: Comedy-Serie, 4 Folgen a ca. 25 min., seit 11. Dezember 2025 auf Netflix.
Bilder: (c) Netflix 2025
