Dass Film- und Serien-Revivals im Trend liegen, muss dem aufmerksamen Filmfreund nicht erklärt werden, die Gründe dafür sind naheliegend: Kreative Krisen in Hollywood, kalkulierende Studios und die Sehnsucht des Publikums nach „besseren Zeiten“ und Bekanntem, an dem man sich in einer schwer erträglichen Gegenwart festhalten kann.

von Christian Klosz

Dagegen sprichts ja grundsätzlich nichts, die Resultate der Neuauflagen und Fortsetzungen sind in ihrer Qualität aber natürlich schwer schwankend. Während „Top Gun: Maverick“ kürzlich Kritik wie Publikum begeisterte, fielen und fallen andere filmische Second Hand-Waren durch, und das zurecht. Besonders schlimm wird es meist dann, wenn das einzige Motiv der Neuauflage Applaus eines „woken“ Publikums zu sein scheint und neben neuer Besetzung mit anderen Geschlechtern, Ethnien, sexuellen Orientierungen wenig Substanzielles bleibt, das für das Endprodukt sprechen würde.

Nun, hier geht es nicht um eine wirkliche Fortsetzung oder ein Reboot, aber wenn Rowan Atkinson die Bühne betritt, assozieren die meisten Menschen mit ihm vor allem einen Namen: Mr. Bean. Von der Kultserie gibt es – neben einigen Kinofilmen – seit langem keine neuen Episoden mehr. Und es hätte sich durchaus auch angeboten, den schusseligen, spießigen und kauzigen Charakter in eine postmoderne Welt zu werfen und ihm bei neuen Missgeschickten und Katastrophen zuzusehen.

Atkinson und sein Co-Autor William Davies haben sich in „Man vs. Bee“ aber für einen neuen Zugang entschieden: Ihre Hauptfigur, gespielt von Atkinson, heißt Trevor Bingley, ist ein arbeitsloser und geschiedener Familienvater, der eben seinen neuen Job als „Housesitter“ antritt. Abgesehen davon ist Trevor aber mehr als Bean-esk, besitzt ähnliche Charakterzüge und ist ebenso tollpatschig, chaotisch und verpeilt wie sein (offensichtliches) Vorbild. „Man vs. Bee“ lässt sich also als inoffizielle Fortsetzung von „Mr. Bean“ betrachten, was auch die Autoren immer wieder indirekt andeuten, immerhin kennt man so manche Gags und Slapstick-Einlagen vom Vorbild.

Warum das Ganze dennoch hervorragend funktioniert, hat mehrere Gründe: Erstens wäre da das gut gewählte Setting, das genügend neue dramaturgische Optionen öffnet, gleichzeitig aber auch „Altbekanntes“ ermöglicht. „Man vs. Bee“ beginnt mit Trevors Antritt bei seinem neuen Job, seiner Ankunft in der teuren Nobelresidenz eines jungen Paares, das auf Urlaub fährt und sein hypermodernes Haus in der Zeit beaufsichtigt wissen will. Das übernimmt Trevor Bingley; womit er nicht gerechnet hat, ist, dass ein ungebetener Gast (eine Biene) ihm das Leben schwer (zur Hölle) machen wird.

Den zweiten Grund für das Gelingen findet man im großartigen, zeitweise genialen Drehbuch: Wie die Autoren aus der einfachen Ausgangslage immer wieder neue Situationen kreieren, die Trevor in unmögliche Lagen bringen, ist schlichtweg beeindruckend. Drittens liegt es eben auch an ihm: Rowan Atkinson legt eine tolle komödiantische Leistung hin, hat offensichtlich nichts von seinem Können eingebüßt und spielt groß auf, ohne sich (oder Mr. Bean) dabei zu kopieren. Es macht einfach Freude, ihm, der den Großteil der Kurz-Serie (9 Episoden a la 10 min.) als Hauptfigur alleine bestreitet – abgesehen von der (animierten) Biene – bei der Arbeit zuzusehen.

Fazit:

Netflix ist mit „Man vs. Bee“ ein kleiner Coup gelungen, und ein Überraschungserfolg: Neu und innovativ genug, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen, dabei trotzdem „altmodisch“ und geradezu anachronistisch im Einsatz der dramaturgischen und komödiantischen Mittel und mit klar sichbaren Referenzen ausgestattet, die die nostalgischen Herzen von „Mr. Bean“-Fans höher schlagen lassen. Insgesamt eine unterhaltsame, kurzweilige und witzige Miniserie, die über allem das Herz am rechten Fleck hat. Und die sich unbedingt eine Fortsetzung verdient. Seit 24.6. auf Netflix.

Bewertung:

Bewertung: 9 von 10.

(89/100)

Wie fandet ihr „Man vs. Bee“? Stimmt ab!

Bilder: (c) Netflix