In den letzten Jahren ist Netflix praktisch zum Synonym für Weihnachtsfilme geworden. Jedes Jahr erscheinen neue Produktionen, die das Publikum auf die Festtage einstimmen sollen. Mit „Klaus“ (2019) ist dabei sogar ein moderner Klassiker entstanden. Die meisten Beiträge bleiben allerdings klassische Rom-Coms. Das gilt auch für den neuen Film „Jingle Bell Heist – Der große Weihnachtsraub“, der am 26.11.2025 gestartet ist. Ob diese Komödie zum Klassiker wird, bleibt abzuwarten; ein Blick lohnt sich dennoch.

von Christian Oehmigen

Zwei Diebe finden sich

Sophia (Olivia Holt) arbeitet im Londoner Kaufhaus Sterlings. Sie ist charmant, beliebt und führt zugleich ein geheimes Doppelleben: Sie ist Taschendiebin. Allerdings bedient sie sich weniger für sich selbst, sondern vor allem, um ihre schwerkranke Mutter zu unterstützen.

Als sie bei einem ihrer cleveren Diebstähle von einer Überwachungskamera erfasst wird, entdeckt nicht die Security, sondern der Techniker Nick (Connor Swindells) die Aufnahme. Auch er hat eine Vergangenheit mit dem Kaufhaus und insbesondere mit dessen Besitzer Maxwell Sterling (Peter Serafinowicz). Nick wurde einst wegen eines Diebstahls an Sterling zu zwei Jahren Haft verurteilt. Um seine Tochter wieder regelmäßig sehen zu können, sucht er nun eine Wohnung – was sich als schwierig erweist.

Sophia und Nick haben also beide noch eine Rechnung mit Sterling offen und beschließen deshalb, ihn gemeinsam auszurauben. Welche Rolle dabei Maxwells Ehefrau Cynthia Sterling (Lucy Punch) spielt, zeigt sich erst im weiteren Verlauf…

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Jingle Bell Heist
Weihnachtsromantik darf nicht fehlen…

„Jingle Bell Heist“ ist solide Netflix-Ware

„Jingle Bell Heist“ ist eine typische Netflix-Weihnachtsproduktion. Im Mittelpunkt stehen zwei liebenswerte, aber gegensätzliche Figuren, denen das Leben übel mitgespielt hat. Der Bösewicht ist ein Widerling, allerdings sehr eindimensional; die Geschichte ist vorhersehbar, und insgesamt bleibt wenig davon hängen.

Trotzdem hebt sich der Film stellenweise von der Masse ab. Vor allem Olivia Holt und Connor Swindells bringen den Charme und die Chemie mit, die diese Art von Film braucht. Auch das Drehbuch bietet einige Wendungen, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Insgesamt bleibt „Jingle Bell Heist“ natürlich vorhersehbar, ist aber mit kleinen Nuancen versehen, die der Produktion etwas Substanz verleihen.

Regie führte Michael Fimognari, der sich als Hauptkameramann für Mike Flanagan („Doctor Sleep Erwachen“) einen Namen gemacht hat. Auffällig sind die entsättigten Farben, die für einen Weihnachtsfilm etwas ungewöhnlich sind, aber gut zum grauen London passen. Gedreht wurde im Dezember 2023, und das sieht man: Das Vorweihnachtsgefühl stellt sich praktisch von selbst ein. Auch hat man auf CGI-Schnee verzichtet und zeigt stattdessen das echte London – kalt, grau, aber durch Lichter und geschmückte Bäume stimmungsvoll in Szene gesetzt.

Mehr Potential wäre da gewesen

Dennoch verspielt „Jingle Bell Heist“ häufig Potenzial. Besonders deutlich zeigt sich das am Charakter von Maxwell Sterling. Der von Peter Serafinowicz gespielte Antagonist ist ein perfekter Gegner, ein moderner Ebenezer Scrooge ohne Skrupel. Auch Lucy Punch, die seine gelangweilte Ehefrau Cynthia verkörpert, hat im letzten Akt einige großartige Szenen. Schade nur, dass sie insgesamt zu wenig Spielzeit bekommen.

Ärgerlich wird es immer dann, wenn Figuren sich unglaubwürdig verhalten. Besonders das Sicherheitspersonal stellt den Zuschauer auf die Probe: Warum sich Überwachungsmonitore ausgerechnet hinter einem Schreibtisch befinden, bleibt ebenso ein Rätsel wie die Leichtigkeit, mit der sich Sophia und Nick im Kaufhaus unbemerkt bewegen. Diese Elemente muss man letztlich einfach hinnehmen. Ansonsten zeigt die Netflix-Produktion leichte Anleihen an Elmore-Leonard-Verfilmungen, ohne natürlich deren Cleverness und Komplexität zu erreichen.

Eine angenehme Überraschung bietet der Soundtrack: Statt der üblichen Weihnachtsklassiker setzt man auf Songs, die einem nicht unbedingt sofort einfallen – etwa die brillante Verwendung von „Christmas in Hollis“ von Run-DMC. Und dann stellt „Jingle Bell Heist“ noch eine entscheidende Frage: Ist „Batmans Rückkehr“ nun ein Weihnachtsfilm oder nicht?

Jingle Bell Heist bild 2025
„Jingle Bell Heist“ auf Netflix

Fazit

„Jingle Bell Heist“ wird wohl kein Weihnachtsklassiker, hebt sich aber von typischen Netflix-Produktionen ab. Das liegt vor allem an den sympathischen Hauptdarstellern Olivia Holt und Connor Swindells, die über einige handwerkliche Schwächen hinweghelfen. Gerade die Nebenfiguren und die eindimensionalen Widersacher hätten mehr Tiefe vertragen. Für einen entspannten Vorweihnachtsabend taugt der Film trotzdem – nicht zuletzt dank des stimmungsvoll eingefangenen, weihnachtlichen Londons.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(62/100)

„Jingle Bell Heist – Der große Weihnachtsraub“ (2025) – seit 26.11.2025 auf Netflix.

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Bilder: (c) Netflix