Seit Charles Dickens in den 1840er Jahren „A Christmas Carol“ zu Papier brachte, gab es unzählige Adaptionen der Geschichte. Heute ist sie ein Klassiker der Weihnachtserzählungen, im 19. Jahrhundert trug Dickens mit ihr sogar dazu bei, dem Fest Weihnachten selbst neuen Glanz zu verleihen. Sie ist praktisch die Weihnachtsgeschichte schlechthin und so viele Versionen – und (Neu-)Verfilmungen es auch gibt, der Kern der Erzählung bleibt meistens derselbe. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb die Geschichte seit über 150 Jahren so beliebt ist.

von Lena Wasserburger

Im Jahr 1988 versuchte man sich an einer modernen Version des Klassikers, mit Bill Murray in der Hauptrolle und New York als festlich geschmückter Kulisse. In „Die Geister, die ich rief“, auf Englisch „Scrooged“, ist der Ebenezer Scrooge der Geschichte ein Filmproduzent namens Frank Cross mit Aggressionsproblemen, einem Hang zum Sarkasmus und natürlich einem ordentlichen Hass auf das Weihnachtsfest. „Humbug“, so nennen Scrooge in der Original und Frank in der 1988er-Version Weihnachten.

Ähnlich wie Scrooge ist auch Frank bei seinen Mitmenschen nicht sonderlich beliebt. Er behandelt seine Angestellten schlecht, allen voran seine Sekretärin Grace, feuert sogar einen Mitarbeiter einen Tag vor Heiligabend, schnappt einer älteren Dame das Taxi weg und schlägt die Einladungen seines einzigen Bruders jedes Jahr aufs Neue aus. Dann begegnet ihm sein verstorbener Chef als Geist und warnt ihn vor dem Besuch dreier Geister. Dem Geist der vergangenen Weihnacht, dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht und dem Geist der zukünftigen Weihnacht. Sie alle erteilen Frank Lektionen, die sein Leben verändern werden.

„Die Geister, die ich rief“ kann eines ganz besonders gut: Das natürliche Charisma von Bill Murray hervorzuheben und zu betonen. Er ist das Herzstück des Films und auch wenn er als Hauptcharakter erstmals nicht sympathisch wirken soll, kommt man nicht umhin, über den Sarkasmus und den Witz, den Murray Frank verleiht, zu lachen – und das jedes Mal aufs Neue. Obwohl der Film mittlerweile 33 Jahre alt ist, ist er immer noch erfrischend unterhaltsam und hat nichts von seinem Charme eingebüßt. An den emotionalen Stellen können immer noch Tränen in die Augen gezaubert werden, ins Herz trifft der „Die Geister, die ich rief“ nach wie vor.

Das Werk schlägt einen etwas schrägen, ausgefalleneren Ton an als die meisten anderen Verfilmungen, ist aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, eine der schönsten Adaptionen der Charles-Dickens-Geschichte. Bedenkt man, dass sie eine moderne Version des Klassikers darstellen soll, so ist es doch erstaunlich, wie nah man sich am Original orientiert, abgesehen von einigen Aspekten, denen ein eigener Spin verliehen wurde. Die Effekte sind zwar sehr im Stil der 80er-Jahre, sehr bunt, laut und manchmal ein wenig dick aufgetragen, aber auch in Zeiten von lebensechten CGI-Effekten stört das kaum. Und wenn sich Bill Murray am Schluss an das Publikum wendet und alle auffordert, mitzusingen, möchte man doch glatt in den Chor miteinstimmen.