Alle Jahre wieder steht Weihnachten vor der Tür und alle Jahre wieder kommen neue Filme heraus, die sich mit den Feiertagen befassen. Wahlweise werden Kinder daheim gelassen, die sich gegen fiese Einbrecher zur Wehr setzen müssen, wahlweise werden allerlei Familiengeschichten erzählt, die von dem Trubel vor den Feiertagen und der puren Harmonie an den Feiertagen handeln. „Oh. What. Fun.“ reiht sich hier ein, der Film ist seit 4. Dezember 2025 bei Amazon Prime zu finden.
Rezension von Richard Potrykus
„Oh. What. Fun.“ handelt von Claire (Michelle Pfeiffer), die zwei Wünsche hat. Sie möchte ihrer Familie (Mann, drei erwachsene Kinder und deren jeweiliger Anhang) ein perfektes Weihnachtsfest bereiten und sie möchte am Wettbewerb ihrer Lieblingssendung, der „Zazzy Tims Show“ teilnehmen.
Doch als die Familie nach und nach ins Haus kommt und jeder mehr mit sich selbst beschäftigt ist, als mit der Mutter, die alles organisiert, gerät die Situation außer Kontrolle: Dann wird auch noch übersehen, dass Claire nicht bei ihnen ist, als sie gemeinsam zu einem Event aufbrechen, und so bricht für die wohlmeinende Mama die Welt zusammen und sie beschließt, abzuhauen.
Weihnachten, das findet im Fernsehen statt…
Was auf den ersten Blick wie eine einerseits herkömmliche, andererseits unausgegorene Familienkomödie mit einem Hauch Melodrama daherkommt, bei der sich am Ende alles doch irgendwie perfekt ausgeht und in eine konfliktfreie Zukunft führt, hat bei näherer Betrachtung viel mehr zu bieten. Denn am Ende ist es eben nicht besser und die Zukunft nicht konfliktfrei.
Regisseur und Autor des Drehbuchs, Michael Showalter, hat mit „Oh. What. Fun.“ eine Satire inszeniert, eine Abrechnung mit Weihnachten, in der es so weit kommt, dass vom eigentlichen Fest am Schluss nur mehr im TV die Rede ist. Für die Handlung scheint dies die logische Konsequenz zu sein, denn Claire, die nicht nur Hauptfigur, sondern auch Erzählerin der Handlung ist, macht bereits am Anfang klar, dass sich die Feiertage vor allem durch die Filme definieren, die seit Jahrzehnten in den Heimkinos der Menschen rauf- und runtergeschaut werden. Und so werden in einer Collage die Filmcover in ihrer VHS-Version gezeigt, die allesamt starke Gebrauchsspuren aufweisen.
Claire versucht sich jedes Jahr aufs Neue an der perfekten Organisation und Durchführung der Feiertage und darin liegt der Kern des Problems. Aus dem Fest wird ein Spektakel, in dem es am Ende um nichts anderes als die Repräsentation und die Rituale geht, doch Rituale, die um ihrer selbst willen durchgeführt werden, sind sinnentleert und damit nichts wert. Besonders deutlich wird dies in der vermeintlichen kleinen Aufmerksamkeit, die mit der Nachbarin (Joan Chen) ausgetauscht wird. Es geht nicht um die Geste, sondern darum, der anderen in nichts nachzustehen.
„Oh. What. Fun.“ ist eine Weihnachts-Satire, die die Schattenseiten zeigt
Ein Höhepunkt in „Oh. What. Fun.“, der nicht zuletzt deswegen so großartig ist, weil er völlig unkommentiert geschieht und keinerlei Einfluss auf die Handlung hat, ist die übertriebene Darbietung des Weihnachtsliedes „Silent Night“. In einer Mischung aus Möchtegern-Gospel, weichgespültem Pop-Soul und feierlicher Ergriffenheit bleibt bis zuletzt unklar, ob hier religiöser Eifer (der Film spielt in Texas) oder kulturindustrielle Verklärung Ursprung allen Übels ist.
Natürlich gibt es auch allerlei Klamauk und skurrile Eskalation, über die die einen lachen und die auf andere störend wirken. In Sachen Humor trifft „Oh. What. Fun.“ nicht immer ins Schwarze. Ein paar weniger Pointen hätten dem Film durchaus gutgetan, aber es ist am Ende auch das Wesen der Satire, das Publikum zu verstören. Wenn der Ausflug ins Einkaufszentrum ausufert, dann weniger wegen der humorvollen Inszenierung, sondern wegen der Situation, auf der sie gründet.
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Die Eskalation reicht schließlich bis weit in den zweiten Weihnachtsfeiertag hinein und führt zur Inszenierung in der Inszenierung, dem Moment, in dem „Oh. What. Fun.“ sich selbst und dem Publikum gegenüber alle Hüllen fallen lässt und einfach wahr ist. Am Schluss wird das System modifiziert, nicht, um es durch eine bessere Tradition zu ersetzen, sondern um es erhalten und so bestätigen zu können.

Beim Autobahnbau gibt es das Phänomen, dass die Verkehrslast nicht abnimmt, wenn man die Anzahl der Spuren erhöht. Stattdessen nimmt der Verkehrsfluss zu und schon bald stehen alle wieder in den selben Staus, in denen sie vor dem Ausbau gestanden sind. – Natürlich haben sich am Schluss von „Oh. What. Fun.“ alle wieder vertragen und ist Weihnachten wieder ein Fest der Liebe, doch liegt die Last nun nicht mehr auf den Schultern der Mutter. Alle werden in die Arbeiten mit einbezogen und während alle mit anpacken und dabei achso freudig lächeln, stehen sie sich doch auch alle im Weg und treten sie sich alle auf die Füße. Statt die Last zu verteilen, nimmt die Last zu.
Die besten Weihnachtsfilme im Rating
Fazit
Mit einer Filmlänge von 107 Minuten ist „Oh. What. Fun.“ ein wenig zu lang geraten. Das eine oder andere hätte man getrost ‚rausschneiden können. Den Irrsinn der perfekten Feiertage, die nicht hinterfragt werden dürfen, hatte ja bereits „Verrückte Weihnachten“ (2004) eingefangen und von den Schauwerten aus betrachtet ist jener auf jeden Fall der bessere Film. „Oh. What. Fun.“ setzt dort an, wo „Verrückte Weihnachten“ aufhört, und befasst sich mit dem Verlangen der Mutter nach Anerkennung für all die Mühen, die sie auf sich genommen hat. Und ganz nebenbei stellt der Film so die Frage, ob die Mutter die Anerkennung überhaupt verdient hat, denn, wenn niemand die Arbeit zu würdigen weiß, dann vielleicht, weil niemand viel von der Aufregung und dem Aufwand hält?
Bewertung
(75/100)
„Oh. What. Fun“: Seit 4.12.2025 auf Amazon Prime Video.
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Bilder: (c) Amazon Prime Video
