Netflix setzt seine „True Crime-Tage“ fort und bringt mit „Gone Girls“ eine packende Doku-Serie heraus, die sich mit den lange Zeit ungeklärten Mordfällen von Long Island befasst. Die 3 Folgen sind seit 31.3.2025 zu streamen.

von Christian Klosz

In New York City und Long Island verschwinden junge Frauen, die als Callgirls, Escorts oder Prostituierte arbeiten. Ihre Familien suchen jahrelang verzweifelt nach Antworten. Im Jahr 2010 werden in der Gegend um Gilgo Beach schließlich weibliche sterbliche Überreste gefunden. Was folgt, ist eine Reihe weiterer erschreckender Entdeckungen nur knapp entfernt von einem der bestbesuchten Strände New Yorks.

Dennoch bleibt der Fall des „Long Island Serial Killers“ für weitere 13 Jahre ungelöst – bis Juli 2023. Der korrupte Polizeichef und der obstruierende zuständige Bezirksanwalt waren davor überführt worden, ihre Nachfolger nehmen die Fälle von inzwischen über 10 vermissten Mädchen erstmals ernst und arbeiten mit dem FBI und anderen Behörden zusammen, um endlich für Gerechtigkeit zu sorgen. Schließlich führt sie eine Neubewertung alter Indizien auf die Spur eines Verdächtigen, der von Zeugen als „riesiger, Oger-artiger Kerl“ beschrieben wird…

Außerdem im Rahmen der „True Crime-Tage“ bei Netflix erschienen:

„Con Mum: Lang vermisste Mutter oder Betrügerin?“

„Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat“

„Gold und Gier: Die Jagd nach Forrest Fenns Schatz“

Die Regisseurin Liz Garbus, die sich bereits in ihrem Spielfilm „Lost Girls“ (2020) mit dem Fall des „Long Island Serial Killer“ befasst hatte, legt mit „Gone Girls“ eine Anklage in Dokumentarfilmform vor, die sich auch gegen Korruption, Nachlässigkeit und Diskriminierung in der Polizei richtet. Im Laufe der 3-teiligen Serie wird klar, dass viele der Fälle von vermissten jungen Frauen bereits früher aufgeklärt hätten werden können (oder verhindert werden können), wenn die 2 maßgeblichen Akteure, Polizeichef und District Attorney von Suffolk County, wirkliches Interesse daran gehabt hätten. Doch die kochten ihr eigenes, korruptes Süppchen. Und vor allem betrachteten sie die Vermissten, später auch die nachweislich Ermordeten, als „unwichtig“, weil es sich bei ihnen ja „nur“ um Prostituierte handelte.

„Gone Girls: Der Serienmörder von Long Island“ erzählt aber nicht nur von Behördenversagen, sondern auch von dem schwierigen Kampf der Familien der Opfer für Gerechtigkeit. Und der immensen psychischen Belastung, die jahrelanges Warten und Ausharren anrichtet. Dazu werden Eltern, Geschwister, Kinder, Kolleginnen, Freundinnen interviewt, die emotionale Einblicke in ihr Leben mit der Ungewissheit geben. „Gone Girls“ stellt so die Opfer der grausigen Verbrechen (und deren Angehörige) in den Mittelpunkt – und nicht die Verbrechen an sich oder den Täter.

Gone Girls Netflix
Die Familien der „Gone Girls“ kämpfen immer noch für Gerechtigkeit

„Gone Girls“ lebt weniger von Sensationslust – wie manch andere True Crime-Formate – sondern versteht sich in erster Linie als filmisches „Denkmal“ für die vielen verschwundenen jungen Frauen, von denen bisher wohl nur ein Teil bekannt ist. Das ist lobenswert, und an der Gestaltung der Serie lässt sich wenig aussetzen.

Trotzdem erreicht sie nicht das Niveau von vergleichbaren Formaten jene von True Crime – „Virtuose“ Joe Berlinger („Jeffrey Dahmer: Selbstporträt eines Serienmörders“), der es wie kein anderer versteht, Informations- mit morbiden Unterhaltungswert zu verbinden. Wichtig ist „Gone Girls: Der Serienmörder von Long Island“ dennoch, da die Entwicklungen um den Fall bis in die Gegenwart andauern. Und vieles immer noch nicht vollständig geklärt ist. Nicht zuletzt wartet der Verdächtige weiterhin auf seinen Gerichtstermin. Und die Hinterbliebenen damit auf Gerechtigkeit.

Fazit

„Gone Girls: Der Serienmörder von Long Island“ ist eine detaillierte Aufarbeitung eines der größten, grausamsten Serienmord-Fälle der letzten Jahre. Der Fokus liegt auf den Opfern und deren Familien, die anderen beiden Themenkomplexe „Behördenversagen“ und „(un)menschliche Abgründe“ auf Täterseite bleiben etwas außen vor, weshalb der Serie 1, 2 weitere Episoden wohl nicht geschadet hätten. Trotzdem wird die Serie True Crime-Fans fesseln – und für Gesprächsstoff sorgen.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(72/100)

„Gone Girls: Der Serienmörder von Long Island“ ist seit 31.3.2025 auf Netflix zu sehen.

-> Die 10 besten True Crime-Formate auf Netflix

Bilder: (c) Netflix