Stephen King-Verfilmungen gibt es wie Sand am Meer, qualitativ ist von Meisterwerk bis Reinfall auch alles dabei. „The Life of Chuck“, ab 24.7.2025 im Kino, ist jedenfalls näher an ersterem und findet seinen Platz unter den gelungenen Film-Adaptionen der Werke des Horror-Meisters. Dabei trägt die ungewöhnliche Handlung, die aus einer Kurzgeschichte Kings stammt und von Mike Flanagan („Doctor Sleeps Erwachen“) verfilmt wurde, wenig Horror und viel Existentialismus in sich.
Kritik von Christian Klosz
Charles „Chuck“ Krantz (als Erwachsener: Tom Hiddelston) wächst nach dem tödlichen Unfall seiner Eltern bei seinen Großeltern Albie (Mark Hamill) und Sarah (Mia Sara) auf. Während der Buchhalter Albie in seiner Freizeit begeisterter Hobby-Mathematiker ist, der so manches Geheimnis mit sich trägt (und vor Chuck verbirgt), interessiert sich Chuck fürs Tanzen, eine Leidenschaft, die er von seiner Oma geerbt hat. Er schreibt sich in seiner Schule in einen Tanzkurs ein und wird zum Star beim Schulball.
„39 großartige Jahre – Danke Chuck!“
Viele Jahre später: Chuck ist inzwischen 39, wie sein Opa Buchhalter, verheiratet und hat ein Kind. Beim Heimweg von der Arbeit trifft er auf eine schlagzeugspielende Straßenmusikerin, der Rhythmus fährt ihm durch die Knochen und er beginnt drauf los zu tanzen, seine Einlage lockt schnell zahlreiche Passanten an. Was Chuck da noch nicht weiß: Wenige Monate später wird er an einem Gehirntumor sterben.
Und dieser frühe Tod fällt in einer kosmischen Fügung mit der Apokalypse, dem Ende der Welt zusammen. Als das öffentliche Leben zusammenbricht, erscheinen plötzlich überall Reklamen mit dem Bild von Chuck, die ihm für „39 wundervolle Jahre“ danken.

„The Life of Chuck“: Existenzialistische Parabel
Zugegeben: Der geschilderte Plot klingt ordentlich wild, noch dazu wird er in „The Life of Chuck“ von hinten nach vorne erzählt. Doch trotz – oder gerade wegen – der absurden Züge gelang Mike Flanagan eine ganz wunderbare, existentialistische Parabel mit hochaktuellen Bezügen, die an Werke wie „Truman Show“ oder die frühen Filme von Spike Jonze („Being John Malkovich“) erinnert.
Was mit dem Ende der Welt und als schwer erträgliche Dystopie beginnt, wandelt sich im Laufe der in 3 Akte geteilten Handlung in eine beschwingte Feier des Lebens. Ebenso bemerkenswert wie das Gezeigte ist der ins Philosophische gleitende Subtext des clever geschriebenen Drehbuchs von „The Life of Chuck“, den man so deuten könnte: Angesichts der unausweichlichen Katastrophe sollte man sich auf das Wesentliche besinnen – das Leben an sich, in dem jeder Tag gelebt werden sollte, als wäre es der letzte.
Fazit
„The Life of Chuck“ ist so eine ganz bemerkenswerte Filmperle geworden, ein kleines Kunstwerk, das Schweres mit Leichten, Existenzielles mit Banalem, Trauriges und Fröhliches, kurz: Tod und Leben auf eine Art und Weise verknüpft, wie das nur wenigen Filmen gelingt. Eine positive Überraschung des Filmjahres 2025. It contains multitudes!
Bewertung
(86/100)
„The Life of Chuck“ – ab 25.7.2025 im Kino.
„The Life of Chuck“ – Trailer
Bilder: (c) TOBIS Film GmbH
