Tausche Monster gegen Charakterentwicklung: Kurz vor dem ultimativen Serienfinale von „Stranger Things“ gehen die Duffer Brüder noch einmal in sich und positionieren all ihre Figuren dort, wo sie sie für den letzten Akt benötigen.
von Richard Potrykus
Es ist verrückt, wie unmittelbar nach Veröffentlichung von „Die Brücke“ bereits die ersten Bewertungen abgegeben werden und dieses siebente Kapitel der fünften Staffel von „Stranger Things“ zur bislang schlechtesten Episode der Serie küren. Derzeit steht die Folge auf IMDB bei einer schwachen 5,4 und erweckt den Anschein, nicht viel herzumachen.
„Die Brücke“ ist perfekt gemacht
Das Gegenteil ist der Fall. Selten hat die Serie so viel Energie in die Figurenentwicklung gesteckt, wie in dieser Episode. Natürlich ist das Prinzip des „Show, don’t tell“ ein essentieller Bestandteil des Mediums, aber manchmal gehören Dinge einfach ausgesprochen und das ist genau das, was in diesem Kapitel geschieht.
„Die Brücke“ ist einmal mehr als Filler zu verstehen, was bedeutet, dass hier nicht die Action und das Voranschreiten in der Handlung im Vordergrund stehen, doch im Gegensatz zu anderen Folgen dieser Art, geht es hier weniger um Andeutungen und neuerliche Rätsel, sondern um klare Bekenntnisse. Dabei werden die einzelnen Momente derart überladen und (positiv gemeint) kitschig inszeniert, dass man als Zuschauer*in ergriffen sein muss.
Als Vorbereitung auf die lang ersehnte letzte Episode der Serie ist das siebente Kapitel perfekt, denn nun sind alle Motive klar gesetzt, einzelne Rätsel bleiben noch bestehen und die Handlungen wurden initiiert. Das letzte Kapitel mit seiner angekündigten Länge von über zwei Stunden kann kommen.
Bewertung
(97/100)
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Bild: (c) Netflix

Vorzüglich eingeordnet und dargestellt. Einzig die Bezeichnung „Filler“ wird der Episode nicht gerecht. Sie ist vielmehr ein retardierendes Element ganz im Sinne der klassischen Poetik. Die Helden halten inne, stellen sich ihren inneren Ängsten, bevor sie in die entscheidende Schlacht ziehen.