Nun ist es also vollbracht: Das finale 8. Kapitel der Erfolgsserie „Stranger Things“ mit dem Titel „Zurück auf der richtigen Seite“ ist online. Keine weiteren Träume, Entführungen, Tore, Monster, die sich ihren Weg durch Gewitter und Nebel bahnen. Die Kleinstadt Hawkins ist offiziell monsterfrei und damit alle Geschichten zu Ende erzählt.

Kritik von Richard Potrykus

Naja, beinahe, denn die Animationsserie „Stranger Things: Tales from ’85“ befindet sich bereits in der Post-Produktion und auf IMDb gibt es den Eintrag zu einer „Untitled Stranger Things Spinoff Series“. Doch der Hauptstrang der Erzählung ist wirklich vorüber.

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„Stranger Things“: Das Ende des Story Arcs

128 Minuten Laufzeit hat die letzte Folge „Zurück auf der richtigen Seite“ und sie ist durchaus gelungen, wenngleich wohl nicht aus den vordergründigen Motiven. Im Zentrum des Kapitels stehen selbstverständlich der Kampf gegen Vecna und das Böse, das mit ihm alles angreift und zu vernichten sucht, und dieser Kampf kann sich sehen lassen. Das CGI ist angenehm und bildet ein stimmiges Bild zusammen mit den praktischen Effekten, die es auch in diesen Momenten noch gibt. Kurz gesagt, die Action macht Laune. Der Weg dort hin, nicht immer.

Wie schon über die Staffel 5 hinweg ersichtlich, haben sich die Duffer Brüder etwas in ihrer eigenen Welt und Mythologie verloren. Manches wurde zu groß gedacht, zu viele Figuren wurden eingeführt und am Ende kann man nicht allen und allem gerecht werden.

Es zählt, was man sieht, und genauso wie die Figuren durch die gesamte Serie hindurch vom Drehbuch beschützt wurden (Stichwort: Plot Armor), so kann das Fazit gezogen werden, dass das, was man sieht, gilt, und das, was nicht im Bild erscheint, einfach nicht existiert oder zumindest nicht von Bedeutung ist.

Und so kommt es, dass manch eine*r etwas irritiert zurückbleibt, wenn am Schluss alle Motive auf dem Tisch liegen und alle Entscheidungen gefällt wurden. Fehlt es hier dann doch an Komplexität? Hätten die Figuren nicht auch anders entscheiden und rettend eingreifen können? Immer wieder werden in „Stranger Things“ Momente hinterfragt und überlegt, ob der gefundene Weg der richtige ist und ob es keine Alternative gibt – nur nicht am Ende.

Es ist ein Wermutstropfen, den Fans der Serie hier schlucken müssen, denn insgesamt betrachtet ist „Stranger Things“ ein großartiges Seherlebnis, welches zu Rewatches einlädt und auch zukünftige Generationen begeistern kann – so wie auch „Dungeons & Dragons“ nicht mit den Held*innen enden muss.

stranger things staffel 5 8
„Stranger Things“ geht zu Ende

Alles, was danach geschieht

Umso schöner ist die zweite Hälfte des finalen Kapitels, in der all jene Ereignisse und Entwicklungen präsentiert werden, die sich nach dem großen Finale ergeben. Hier spielen die Duffer Brüder noch einmal ihre ganz große Stärke aus: Seit der ersten Episode der ersten Staffel standen immer die Figuren im Mittelpunkt. Sicherlich sind das Gruselige und all die popkulturellen Referenzen fester Bestandteil des Charmes von „Stranger Things“, doch es waren immer die Kinder und deren Eltern, durch die die Serie erst zum Leben erweckt werden konnte.

In dieser zweiten Hälfte des letzten Kapitels erreicht „Stranger Things“ eine Qualität, die aus John Hughes Filmen oder von Joel Schumacher hätte stammen können. Die Gemeinschaft eines „The Breakfast Club“ und die Lethargie eines „St. Elmo’s Fire“ werden hier noch einmal in ihrer vollen Bandbreite gezeigt und es ist beinahe schade, dass die Serie ausgerechnet hier enden muss, jetzt, da die lästigen Monster endlich beseitigt wurden und der Weg frei ist zu all den spannenden Geschichten, die das Leben eigentlich für einen bereithält.

zurück auf der richtigen seite
Zurück auf der richtigen Seite…

Fazit

Vielleicht lässt sich eine kreative Entscheidungsgewalt bei Netflix dazu erweichen, eine Fortsetzung ohne Monster zu drehen. Sicherlich wäre das ein krasser Genrewechsel und die Diskussionen rund um die siebente Episode haben klar gezeigt, dass die Serie dadurch an Komplexität gewinnen und einiges an Publikum einbüßen würde, aber einen Versuch, gegebenenfalls als Miniserie, wäre es sicherlich wert. Bis es soweit ist, bleibt immer noch der Umzug nach Montauk, korrekt?

Bewertung

Bis Ende des eigentlichen Story Arcs:

Bewertung: 8 von 10.

(77/100)

Alles, was danach geschieht:

Bewertung: 9 von 10.

(93/100)

Bilder: © 2025 Netflix, Inc.