Seit einigen Wochen laufen auf Netflix die neuen Folgen der 5. und letzten Staffel von „Stranger Things“, seit 25.12. sind auch die Episoden 5, 6 und 7 verfügbar. Unsere Episoden-Kritik zu Kapitel 1 bis 4 könnt ihr hier nachlesen. Folgend unsere Besprechung der Episoden 5-7, bevor am 1.1.2026 die finale 8. veröffentlicht wird. Weitere Hintergrundinfos zur 5. Staffel von „Stranger Things“ gibt es hier.
Kritik von Richard Potrykus
„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 5: „Der Stromschlag“
Die Liebe zu Rollenspielen ist allgegenwärtig in „Stranger Things“ und so wird natürlich nochmal genau darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied zwischen einem Zauberer und einem Magier gibt und welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben.
Allgemein wird in Episode 5 sehr auf die Figuren eingegangen und man merkt immer mehr, dass diese fünfte Staffel ohne die vorherigen vier nicht denkbar und nicht nachzuvollziehen ist. Seit den vorherigen Abenteuern ist halt wirklich viel Zeit vergangen und wenn die letzte Sichtung entsprechend lange zurückliegt, kann dies nun zu so manchem Fragezeichen führen. Umso emotionaler also die Reaktionen, wenn es zwischen den Figuren eskaliert.
Trotz all dessen, was gerade geschieht, ist das fünfte Kapitel von „Stranger Things“ Staffel 5 wieder ein Füller, in dem es vor allem darum geht, auf kommende Ereignisse hinzuarbeiten. Umso erfrischender, dass die Macher*innen nicht darauf vergessen, erneut frischen Wind in die Angelegenheit zu bringen -und dieser Wind heißt Derek. Er kommt ziemlich cool daher und bringt eine angenehme Portion körperliche Komik ins Spiel, was einerseits belustigend wirkt und andererseits dabei hilft, Fahrt aufzunehmen.
Optisch ist die Episode ein besonderer Hingucker, denn bei aller Liebe zu digitalen Effekten, die in Teilen echt gut gelungen sind, besticht „Der Stromschlag“ einmal mehr durch Settings und die Liebe zum Detail. Dass man dabei hin und wieder merkt, dass sich die Figuren in einem Studio befinden, fällt dabei nicht so schwer ins Gewicht. Allein die Existenz von zerflossenen Geländern, die Perspektivwechsel beim Übergang in andere Räume und derlei mehr entschädigen für so vieles in der heutigen, CGI-geprügelten Zeit. Frank Darabont hat einmal mehr Regie geführt und er weiß ganz offensichtlich, welche Vision den Duffer Brüdern für ihre Serie vorschwebt.
Bewertung
91/100
„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 6: „Die Flucht von Camazotz“
Deine Mudda. Wenn auch nur eine Sache aus der Episode gelernt werden kann, dann, dass es einfach keinen unpassenden Moment für diese Art von Witz gibt. Darüber hinaus erweitert „Stranger Things“ nochmals ihren Kosmos und fügt eine weitere Komponente hinzu. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Serie hier übernimmt, denn so kurz vor dem Ende müssen die einzelnen Komponenten schon passend ineinandergreifen, um Sinn zu haben.
Ein übereiltes Style over Substance Gehabe könnte der Serie im Nachgang viel Reputation nehmen. Man denke an die achte Staffel von „Game Of Thrones“, in der und durch die genau das geschehen ist. Wer Holly mag, wird hier auf seine*ihre Kosten kommen. Diese Figur ist ohnehin eine der interessantesten der ganzen Staffel und es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss sie noch auf die Ereignisse haben wird.
Ein wenig stört mittlerweile die Plot Armour, also der Schutz einzelner Figuren, weil die Handlung es erfordert. Sicherlich sind alle Momente der Serie spannend inszeniert und es bestehen genug Möglichkeiten, emotional involviert zu sein und sich der Serie hinzugeben, doch ein wenig gilt es auch immer, das Hirn auszuschalten, denn egal, wie lang ein Gespräch auch geführt wird, die hoch ein Treppe auch sein mag und wie nah sich ein Monster befindet, unterm Strich treffen alle Ereignisse immer zur genau passenden Zeit ein -oder bleiben eben aus. Für das sechste Kapitel bedeutet dies vor allem, atemlose Spannung und einen optimal orchestrierten Höhepunkt.
Bewertung
96/100

„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 7: „Die Brücke“
Tausche Monster gegen Charakterentwicklung: Kurz vor dem ultimativen Serienfinale gehen die Duffer Brüder noch einmal in sich und positionieren all ihre Figuren dort, wo sie sie für den letzten Akt benötigen.
Es ist verrückt, wie unmittelbar nach Veröffentlichung der Folge die ersten Bewertungen abgegeben werden und dieses siebente Kapitel der fünften Staffel von „Stranger Things“ zur bislang schlechtesten Episode der Serie küren. Derzeit steht die Folge auf IMDB bei einer schwachen 5,4 und erweckt den Anschein, nicht viel herzumachen. Das Gegenteil ist der Fall. Selten hat die Serie so viel Energie in die Figurenentwicklung gesteckt, wie in dieser Episode. Natürlich ist das Prinzip des „Show, don’t tell“ ein essentieller Bestandteil des Mediums, aber manchmal gehören Dinge einfach ausgesprochen und das ist genau das, was in diesem Kapitel geschieht.
Die Episode ist einmal mehr als Filler zu verstehen, was bedeutet, dass hier nicht die Action und das Voranschreiten in der Handlung im Vordergrund stehen, doch im Gegensatz zu anderen Folgen dieser Art, geht es hier weniger um Andeutungen und neuerliche Rätsel, sondern um klare Bekenntnisse. Dabei werden die einzelnen Momente derart überladen und (positiv gemeint) kitschig inszeniert, dass man als Zuschauer*in ergriffen sein muss.
Als Vorbereitung auf die lang ersehnte letzte Episode der Serie ist das siebente Kapitel perfekt, denn nun sind alle Motive klar gesetzt, einzelne Rätsel bleiben noch bestehen und die Handlungen wurden initiiert. Das letzte Kapitel mit seiner angekündigten Länge von über zwei Stunden kann kommen.
Bewertung
97/100
-> Episoden-Kritik zum Finale „Zurück auf der richtigen Seite“
Bilder: (c) Netflix
