Lucy (Dakota Johnson) arbeitet in New York als Partnervermittlerin bei der Firma „Adore Matchmaking“. In ihrem Job versucht sie, Beziehungs-Suchende an den Mann bzw. an die Frau zu bringen, anhand mathematisch exakt berechneter Metriken und „Check-Boxes“: Es geht um Einkommen, sozialen Background, Aussehen, Alter – sprich durchwegs oberflächliche Eigenschaften. Diese mühevolle „Knochenarbeit“ endet idealerweise in quasi-arrangierten Ehen, doch Liebe ist selten das Ergebnis.

Kritik von Christian Klosz

„Materialists“ suchen den perfekten Match, finden aber keine Liebe

Als eine Klientin von Lucy von ihrem Date vergewaltigt wird, fängt sie an, ihren Job zu hinterfragen: Sind manche Menschen wirklich mehr oder weniger „wertvoll“?. Gleichzeitig beginnt sie, den Millionär Harry (Pedro Pascal) zu daten, der rein oberflächlich ihr perfekter „Match“ wäre. Er sieht gut aus, verdient eine Menge Geld, hat eine riesige Wohnung, ist nett, klug, liebevoll. Die beiden gehen einige Male miteinander aus, kommen sich näher und planen schließlich sogar einen gemeinsamen Urlaub, Harry will um Lucys Hand anhalten. Doch was fehlt, ist Liebe.

Die gab es einmal zwischen Lucy und ihrem Ex John (Chris Evans), einem eher erfolglosen Schauspieler, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, als Kellner jobbt, immer noch in einer chaotischen 3er-WG lebt, und das mit Mitte 30. Die Beziehung zwischen den beiden endete auch deshalb: Lucy wollte „mehr“, Stabilität, finanzielle Sicherheit, und verließ ihn, weil er eben kein Geld hatte. Nun laufen die beiden einander zufällig erneut über den Weg und knüpfen dort an, wo ihre Liebe einst endete.

Romantik ohne Kitsch

Der kanadisch-südkoreanischen Autorin-Regisseurin Celine Song gelang mit ihrem Debüt „Past Lives“ 2023 fraglos einer der besten Filme des Jahres, der sie als als eine der interessantesten Regisseurinnen der Gegenwart vorstellte. „Was ist Liebe wert – Materialists“, produziert übrigens von A24, setzt dort an und präsentiert erneut Songs Vision von „Liebe in der Postmoderne“, die das Thema realistisch, klug, trotzdem zugänglich, nie kitschig, aber doch romantisch reflektiert.

Der Beginn von „Was ist Liebe wert – Materialists“, die banale Oberflächlichkeit, mit der ihre meist reichen Klientinnen und Klienten auf das Thema „Beziehung“ blicken ist geradezu abstoßend: Menschen, mögliche Partner und Partnerinnen werden nicht als Personen betrachtet, sondern als „Waren“ mit bestimmtem „Wert“, beim Suchen und Finden geht es um einen „Tausch“, nicht um emotionale Verbindungen oder Liebe. Diese Darstellung ist vielleicht etwas überzeichnet, aber fängt die Realität der Dating-Welt mit all ihren furchtbaren Apps durchaus treffend-kritisch ein.

materialists dakota johnson

Was ist Liebe wert? Einen Versuch.

Dass die Protagonistin, die von der ehemaligen Klientin, deren „Match“ sie vergewaltigte, als „Pimp“ bezeichnet wird, so ihr Geld verdient, macht sie anfangs nicht sonderlich sympathisch. Doch sie darf wachsen, lernen, sich selbst und ihre Entscheidungen hinterfragen.

Der große Verdienst von Songs Film, der im Original schlicht und passend „Materialists“ heißt, ist, dass er die „Wandlung“ Lucys nicht konstruiert wirken lässt – sie ist auch nach dem Wiedersehen mit ihrem Ex immer noch die selbe. Und doch hat sie den Mut, über ihren Schatten zu springen. Sich anders zu entscheiden. Der Liebe eine Chance zu geben.

Das Ende von „Was ist Liebe wert – Materialists“ ist dann auch nicht Hollywood-mäßig übertrieben zuckersüß, sondern minimalistisch, in seiner Dramaturgie und Inszenierung, und vielleicht gerade deshalb umso besser.

Fazit

Auch wenn „Was ist Liebe wert – Materialists“ nicht ganz an Songs Debüt „Past Lives“ herankommt, ist auch ihr Nachfolger ein absolut sehenswerter Film, der das Genre „Rom-Com“ auf geschickte Weise einem zeitgemäßen Update unterzieht.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(83/100)

„Was ist Liebe wert – Materialists“ – ab 21.8.2025 im Kino.

Bilder: (c) Adore Matchmaking LLC / Atsushi Nishijima / A24