Seit dem 25. September 2025 läuft die neue Serie von „Peaky Blinders“-Schöpfer Steven Knight auf Netflix. Dabei wird der Blick auf eine der weltweit bekanntesten Bierbrauereien gerichtet: die Guinness-Werke in Dublin. Wie zu erwarten, geht es weniger um das Bierbrauen als um Macht, Intrigen, Sex und Familiendynamiken. Lohnt sich die achtteilige Serie, oder ist sie so (un)genießbar wie ein warmes Guinness?
Kritik von Christian Oehmigen
„House of Guiness“: Die Handlung
Dublin 1868: Sir Benjamin Guinness, der jahrelang die Guinness-Brauerei geleitet hat, ist gestorben. Es wird ein Trauermarsch organisiert, um ihm in der Kirche die letzte Ehre zu erweisen. Schnell wird klar, dass er nicht überall in Dublin verehrt wurde. Besonders die Irish Republican Brotherhood (auch Fenianer genannt) sehen Guinness Senior lieber in der Hölle schmoren. Das hat religiöse und patriotische Gründe. Die Fenianer sind katholisch und lieben Irland, die Guinness-Familie ist protestantisch und hat auch Beziehungen zu dem verachteten England. Ärger ist also vorprogrammiert.
Das weiß auch Sean Rafferty, der leitende Vorarbeiter im Lager und Sicherheitsbeauftragte der Guinness-Brauerei, und instruiert seine Männer beim Trauermarsch: „Jedes Hindernis mit festem Willen entfernen!“
Am Tag nach der Beerdigung wird das Testament verlesen. Sir Guinness hat vier Kinder, die sich Hoffnungen auf sein Erbe machen. Die Geschwister aber könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Lebemann und älteste Sohn Arthur spekuliert bereits darauf, den Ministerposten seines Vaters in London einzunehmen, wo er die vergangenen fünf Jahre gelebt hat. Edward ist der pragmatischste und kennt sich mit dem Tagesgeschäft der Brauerei am besten aus. Ben ist Alkoholiker und das Sorgenkind der Familie. Als einzige Frau der Familie besitzt Anne unübersehbaren Ehrgeiz, doch in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts stößt sie schnell an Grenzen.
Der Schock kommt bei der Testamentseröffnung: Arthur und Edward müssen beide gemeinsam die Brauerei leiten, sonst geht das Vermögen verloren. Anne und Ben werden weitgehend übergangen. Konflikte sind vorprogrammiert, nicht nur wegen der geplanten Expansion in neue Märkte wie Amerika, sondern auch wegen Spannungen innerhalb der Guinness-Familie.
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„House of Guiness“ – Kritik: Mehr Stil als Substanz?
Wer bei „House of Guinness“ auf historische Genauigkeit hofft, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Zwar basiert die Serie lose auf wahren Begebenheiten, aber Showrunner Steven Knight nimmt sich jede Menge künstlerische Freiheiten. Das sollte aber nicht zu sehr ins Gewicht fallen, da die Stärken auf anderen Ebenen liegen.
Optisch ist „House of Guinness“ düster gehalten, fängt aber das dreckige Dublin Ende des 19. Jahrhunderts atmosphärisch ein – ob die harte Arbeit in der Brauerei oder pompöse Bälle der Dubliner Elite, die Kontraste sind visuell spannend. Leider nimmt der digitale Look etwas von der Rauheit, die die Serie gerne hätte.
Eine wichtige Komponente ist der Soundtrack: Mutig, hier Musik vorwiegend aus dem 21. Jahrhundert zu nehmen. Von irischem Punkrock über Rap bis hin zu traditioneller Folkmusik ist es eine abwechslungsreiche Mischung, die in den meisten Szenen gut passt.
Erzählerisch braucht die Serie etwas, um ihr Potenzial zu entfalten. Gerade die erste Episode ist überladen mit Informationen, meistens auch vorgebracht von Figuren, denen man diese nicht abkauft, vieles wirkt gestellt und demnach nicht überzeugend. Die gute Nachricht: Dies passiert größtenteils nur in der ersten Episode. Wie bei einem guten Guinness muss man sich etwas gedulden, bekommt aber ab Episode 2 ein gut gespieltes und solide aufgebautes Historiendrama.

Eine Serie wie ein gutes Guinness
Schauspielerisch kann „House of Guinness“ durchaus überzeugen. Besonders hervorzuheben sind Louis Partridge als Edward und Anthony Boyle als Arthur. Nicht nur tragen sie die Serie, ihre gemeinsamen Szenen gehören zu den stärksten, sind voller Emotion, Reibung und wohldosiertem Humor.
Auch die Nebenrollen sind stark besetzt. James Norton als Lagermeister der Brauerei, Sean Rafferty, hat die perfekte Ausstrahlung für die Rolle und glänzt in jedem seiner Auftritte. Leider spielt er ab der Mitte der Serie eine etwas kleinere Rolle. Ähnlich ist das bei Emily Fain, die Anne Plunkett spielt. Sie wird als selbstbewusste und clevere Frau eingeführt, verblasst aber im Laufe der Serie zusehends. Man kann nur hoffen, dass mit ihrer Figur in Zukunft mehr gemacht wird.
Die Komplexität der Serie beginnt ab der 3. Episode. Da werden Themen aufgemacht wie zum Beispiel die Hungersnot in Irland, die Expansion von Guinness-Bier nach Amerika und Edwards Bestrebungen, Frieden mit den Fenians zu schließen. Mehr und mehr Nebenstränge werden etabliert, sodass klar wird, dass auch „House of Guinness“ auf mehrere Staffeln angelegt ist. Wenn das Niveau gehalten wird, bittersüß wie ein perfekt gezapftes Guinness, darf die nächste Runde gerne kommen.
Fazit
Wer „Peaky Blinders“ mochte, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren: „House of Guinness“ ist ein atmosphärisches Historiendrama mit starken Charakteren und einem überraschenden Soundtrack, den man so nicht erwarten würde. Zwar muss man sich etwas gedulden, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt, wird aber dann mit einem komplexen, wunderbar gespielten Familiendrama belohnt, das einem auch die Geschichte Irlands näher bringt. Historisch nicht immer korrekt, dafür aber stimmungsvoll, visuell einnehmend und düster fängt die Serie die Atmosphäre von Dublin Ende des 19. Jahrhunderts authentisch ein. Das macht Lust auf mehr.
Bewertung
(82/100)
Bilder: (c) Netflix

Ich fand es bisher recht gut gemacht.