Ein weiteres Universal-Monster bekommt eine neue Chance, auf der Leinwand zu glänzen: Regisseur und Drehbuchautor Lee Cronin („Evil Dead Rising“) verleiht der klassischen Mumie einen neuen Anstrich holt sich dafür Inspiration von Klassikern wie „Der Exorzist“ und „Evil Dead“. Doch ob wirklich ein originelles Remake im Sarkophag steckt, bleibt fraglich. „Lee Cronin’s The Mummy“ ist seit 16. April 2026 im Kino zu sehen.
Kritik von Natascha Jurácsik
Journalist Charlie Cannon (Jack Reynor) lebt mit seiner Familie in Kairo, als plötzlich seine kleine Tochter Katie (Emily Mitchell) entführt wird. Acht Jahre später lebt die Familie wieder in den USA und bekommt einen schockierenden Anruf aus Ägypten: Katie (Natalie Grace) lebt und wurde in einen Sarkophag eingeschlossen gefunden. Zunächst scheint die Freude groß, doch schnell wird klar, dass was auch immer zu ihnen zurückgekehrt ist, nicht Katie ist.
„Lee Cronins The Mummy“: Wie eine Mischung aus „Der Exorzist“ und „The Evil Dead“
Zunächst fällt bei diesem neuen Blumhouse-Projekt schnell auf, dass es sehr versucht, sich visuell von bekannten Vorgängern wie der „Insidious“-Reihe zu unterscheiden. Cronin nutzt eine Reihe an Werkzeugen, um die Kamera aus ihrer Passivität zu befreien und sie als aktives Mittel zur Gestaltung der Atmosphäre zu nutzen. Durch unangenehme Closeups, das Nutzen eines Fischaugenobjektivs und verstärkte Geräusche wird in „Lee Cronins The Mummy“ ein Gefühl von Unbehagen erzeugt, indem das Publikum sensorisch überfordert wird, was zu einem klaustrophobischen Ton beiträgt, der in diesem Horrorsetting sehr gut funktioniert.
Dabei bedient sich Cronin auch geteilter Dioptrienlinsen, um seinem Film mit einigen interessanten Einstellungen einen ganz eigenen Stil zu verleihen. Die Taktik schindet im ersten Akt definitiv Eindruck, allerdings wird schnell deutlich, dass der Regisseur es mit der Verwendung dieses optischen Tools maßlos übertrieben hat – der Effekt verliert leider sehr viel an Wirkung, wenn jedes dritte Bild so aufgebaut ist. Hierdurch wirkt Cronin’s Handschrift als Regisseur weniger wie das Ergebnis bewusster, kreativer Entscheidungen und eher wie das Resultat eines Filmstudenten, der einen neuen Trick gelernt hat von dem er etwas zu begeistert ist.
Die praktischen Effektein „Lee Cronins The Mummy“ lassen sich dafür loben: Die zahlreichen, haarsträubenden Nahaufnahmen verschiedenster Wunden, Blutlachen und sonstiger Ekelhaftigkeiten sind sehr gelungen inszeniert und sprechen im Grunde nur für die Qualität des Films. Daher ist es umso unbegreiflicher, warum ein bedeutender Anteil der Effekte in narrativ wichtigen Momenten mit schlechtem CGI gemacht sind, statt der offensichtlich überlegeneren und umsetzbaren Makeup Arbeit, vor allem im Finale.
Copy/Paste ist leider zu wenig….
Auch die Handlung lässt einiges zu wünschen übrig, denn die „Mummy“-Story ist nicht halb so originell wie die Prämisse es vermuten lässt. Angefangen bei dem etwas problematischen Grundschema einer glücklichen amerikanischen Familie, die von einer barbarischen ägyptischen Familie – ihrem bösen, arabischen Spiegelbild sozusagen – grundlos angegriffen wird, um einen antiken ägyptischen Dämon zu bändigen, den die zwar völlig unqualifizierten, aber dafür amerikanischen Helden besiegen – Hurra!

Abgesehen von diesem heiklen Setup ist der Rest der Geschichte ziemlich langweilig: Besessenes kleines Mädchen terrorisiert ihre Familie. Cronin hat sich viel zu nah an seinen offensichtlichen Vorbildern orientiert: Die Handlung ist ganz „Der Exorzist“, nur eben ist nicht Satan der Feind, sondern der Mittlere Osten. Die interessanten Horrormomente, die dem Zuschauer ab und zu einen leichten Schauer über den Rücken jagen, sind dafür beinah eins zu eins von Fede Alvarez‘ „The Evil Dead“ Remake aus dem Jahr 2013 abgeschaut, sodass man selbst bei den Stärken von Cronin’s Streifen an andere, bessere Filme erinnert wird.
„Evil Dead Rise“ (2023) – Kritik
Cronin hat für seine „The Mummy“-Adaption seine Hausaufgaben in Sachen Horror offensichtlich gemacht und sich mit echten Diamanten des Genres beschäftigt, jedoch ohne zu begreifen, was sie eigentlich so gut macht. Copy/Paste reicht nun mal nicht aus, um selbst einen Klassiker zu produzieren.
Fazit
„Der Exorzist“ trifft auf „The Evil Dead” – und irgendwie hat das ganze was mit Ägypten zu tun. Lee Cronin hat seinen Namen diesem „The Mummy“ Remake mit einem Selbstbewusstsein angesteckt, das in Anbetracht seiner Fähigkeiten als Regisseur und Drehbuchautor absolut ungerechtfertigt ist. Trotz vereinzelter Stärken und unterhaltsamen Momenten ist der Film auf allen Ebenen unkreativ und leer.
Bewertung
(49/100)
„Lee Cronins The Mummy“: Seit 16.4.2026 im Kino.
Bilder: (c) Warner Bros
