Seit dem 15. Juni 2026 ist „Das Kanu des Manitu“, die Fortsetzung des Kinohits „Der Schuh des Manitu“ (2001), auf Netflix verfügbar, der Film war im Sommer 2025 regulär im Kino gestartet. Sein Vorgänger war mit etwa 12 Millionen Kinobesuchern einer der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt, der als Parodie und Hommage an die Winnetou-Westernfilme der 1960er Jahre einen Nerv traf. 24 Jahre später wird „Der Schuh des Manitu“ kritischer betrachtet, vor allem wegen der Darstellung der Ureinwohnern Amerikas (Stichwort: kulturelle Aneignung) und Homosexueller. Schon vor der Veröffentlichung des Sequels wurde diskutiert, ob eine Fortsetzung zeitgemäß ist. Ist sie das? Nun kann man sich im Streaming selbst ein Bild machen.
Kritik von Christian Oehmigen
„Das Kanu des Manitu“: Die Rückkehr eines deutschen Kultphänomen
Abahachi („Bully“ Herbig) und Ranger (Christian Tramitz) werden verhaftet und verurteilt, da sie verdächtigt werden, eine Reihe von Überfällen verübt zu haben. Dahinter steckt jedoch eine siebenköpfige Bande, die daran interessiert ist, Abahachi gefangen zu nehmen. Der Auftrag kommt von einem mysteriösen Ölbaron, der an einem sagenumwobenen Kanu interessiert ist, das Unsterblichkeit verleihen soll.
Auch Rangers und Abahachis Freund Dimitri (Rick Kavanian) wird in die Ereignisse hineingezogen. Gemeinsam mit seiner neuen Bekanntschaft Mary (Jasmin Schwiers) will er beide befreien. Am See des Verstecks des Kanus kommt es dann zum Showdown, bei dem auch der Ölbaron selbst in Erscheinung tritt.
Kein anderer deutscher Film hat sich in so kurzer Zeit in die Popkultur eingebrannt wie „Der Schuh des Manitu“. Es war ein Phänomen, dem man sich schwer entziehen konnte. Dass nun eine Fortsetzung 24 Jahre später kam, war überraschend, zumal Regisseur und Drehbuchautor Bully Herbig selbst noch vor einigen Jahren gesagt hatte, dass es keine Fortsetzung gäbe, da ihm zufolge die „Comedy-Polizei“ inzwischen zu streng sei.
Zwischen Nostalgie und Gegenwart
Gleich zu Beginn von „Das Kanu des Manitu“ entsteht der Eindruck, dass eine zeitkritische Komödie geboten wird, erkennbar an Sätzen wie „alter weißer Mann“ oder an Szenen, in denen Abahachi (Bully Herbig) darauf hinweist: „Sag bitte nicht Indianer“. Diese Einlagen wirken jedoch häufig bemüht und nicht organisch integriert.
Am meisten überzeugt das Sequel, wenn es sich auf die altbewährte Dynamik zwischen Abahachi und Ranger konzentriert, die als Herzstück der Komödie hervorsticht. Man spürt die Freundschaft und Entwicklung der beiden, die sich zuweilen wie ein altes Ehepaar verhalten.
Leider wirkt „Das Kanu des Manitu“ aufgrund der Vielzahl von Charakteren teilweise überladen. Bekannte Figuren wie Dimitri und Winnetouch (ebenfalls Bully Herbig) werden erneut mehr oder weniger in die Geschichte eingebunden, während neue Figuren wie Mary, Der Boss (Jessica Schwarz) und Sheriff Kane (Friedrich Mücke) nur begrenzt Profil gewinnen. Aufgrund der Laufzeit von 88 Minuten bleibt zu wenig Zeit, um allen Figuren ausreichend Tiefe zu verleihen. Dadurch verliert man auch mal die Übersicht.
Auch Abahachis Hintergrundgeschichte am Ende des Filmes dürfte unterschiedlich aufgenommen werden: Man kann sie als nachvollziehbaren Versuch sehen, die Figur im heutigen Kontext neu einzuordnen. Ebenso lässt sie sich als etwas unelegante Kompromisslösung mit Blick auf die Debatte um kulturelle Aneignung interpretieren. Auch in puncto Rollenbilder setzt „Das Kanu des Manitu“ ein zeitgemäßes Signal: Der Boss der Bande ist eine Frau, die sichtlich genervt reagiert, wenn Männer selbstverständlich nach Essen verlangen. Der Film zeigt damit, dass er durchaus zeitgemäß sein will und sich etwas vom Vorgängerwerk distanziert, dabei aber dessen DNA beibehält.
Wie im Vorgängerfilm werden nicht nur die Winnetou-Filme parodiert, sondern auch das Westerngenre insgesamt. Besonders die Spaghetti-Western von Sergio Leone sowie Buster Keatons Stummfilmklassiker „Der General“ (1926) werden sichtbar zitiert.
Fazit
Mit „Das Kanu des Manitu“ ist Bully Herbig eine kurzweilige, an den aktuellen Zeitgeist angepasste Komödie gelungen. Sie kommt zwar nicht an den Kultfaktor des Vorgängers heran, lebt aber von den Szenen zwischen Ranger und Abahachi. Leider geht bei der Vielzahl an Charakteren stellenweise die Übersicht verloren, und auch die Gags überzeugen nur teilweise. Handwerklich der Film aber durch eine hochwertige Produktion, schöne Schauplätze und ein Gespür für Westernbilder, visuell hebt er sich so deutlich von anderen deutschen Komödien ab. Insgesamt: Eine Komödie für den Sonntagnachmittag, eine Fortsetzung, auf die zwar niemand gewartet hat, aber die solide unterhält.
Bewertung
(64/100)
„Das Kanu des Manitu“: Seit. 15.6.2026 bei Netflix.
Titelbild: (c) Constantin Film

Uns hat er viel Spa0 gemacht. wir haben gut gelacht im Kino.