Seit dem 16. September 2026 ist die achtteilige deutsche Vampir-Thrillerserie „City of Blood“ auf Disney+ zu sehen. In einem von der Klimakrise gezeichneten Berlin treffen soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch und Vampire aufeinander – mit Lars Eidinger in einer zentralen Rolle. Wie gut funktioniert die ungewöhnliche Mischung aus Klimadystopie, Vampir-Horror und Gesellschaftsthriller?

Serien-Kritik von Richard Potrykus

Vampire sind in mehrfacher Hinsicht kaum totzukriegen. Nicht nur sind sie ganz konkret nur schwer zu vernichten, auch in der Popkultur wabern sie konsequent im Halbdunkel der Öffentlichkeit und kommen hier und da immer wieder zum Vorschein. Und irgendwie scheint gerade Deutschland auf den blutdürstenden Geschmack gekommen zu sein, denn in recht kurzer Zeit werden dem Publikum gleich mehrere Produktionen präsentiert.

„City of Blood“: Blutrünstige Klimakrise ohne Klimakrise

Im Februar diesen Jahres startete in der ARD die zweite Staffel der Mystery-Serie „Oderbruch“, Ende Oktober kommt der international besetzte Film „Die Blutgräfin“ in die Kinos und gerade ist auf Disney+ „City of Blood“ zu sehen.

Die Serie ist eine lose Adaption der Comicreihe „Berlinoir“, setzt vor der Comicreihe an und spielt in einem Berlin in nicht allzu ferner Zukunft. Sie zeigt eine Welt, in der der Klimawandel bereits tiefschürfende Verwüstungen angerichtet und die soziale Ungerechtigkeit zugenommen hat. Das Deutschland der Gegenwart existiert nicht mehr, die Kleinstaaterei ist zurück und Migration und Hitze wechseln sich ab in der Hitliste der größten Bedrohungen. Und es gibt Vampire, die im Untergrund leben und glauben, dass nun ihre große Zeit gekommen ist.

Im Zentrum der Handlung von „City of Blood“ steht die junge Journalistin Bea Hoffmann (Lea Drinda, „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“). Sie hat eine Niereninsuffizienz und benötigt eine Organtransplantation. Als Spenderin soll ihre Schwester Phoebe Kaya (Soma Pysall) fungieren, doch jene ist verschwunden. Gleichzeitig stehen Wahlen für das Berliner Parlament an und Beas Stiefmutter Laura Hoffmann (Jördis Triebel, „Dark“), die Bauministerin der Stadt, ist hier stark eingebunden und muss sich gegen den rechtspopulistischen Oliver Lawal (David Schütter, „Chabos“; „Werk ohne Autor“) zur Wehr setzen. Die Vampire kommen schließlich über einen illegal geführten Handel mit Blutkonserven ins Spiel.

Einiges wird zuende gedacht, anderes leider nicht

„City of Blood“ ist schwer einzuschätzen, denn die Serie hat echte Schwächen, aber auch sehr gut inszenierte Momente, die sie von anderen Produktionen abhebt. Da ist zunächst das übergeordnete Narrativ und die konkrete Einordnung in ein politisches Gefüge, welches dann in der Serie keine Bestätigung findet. Statt der Lösung im Rahmen der Klimaveränderungen stehen politisch Immigration und Wohnungsnot auf dem Programm.

Der Dome, eine in der Mitte der Stadt errichtete gated Community, die protzig dem Klimawandel trotzt, scheint indes anstandslos hingenommen zu werden und als das Gespräch auf den Bau weiterer Dome-Projekte kommt, werden internationale Metropolen ins Spiel gebracht, statt weitere deutschsprachige Gebiete zu nennen, wodurch die erwähnte Kleinstaaterei keine weitere Bedeutung erfährt.

Gleichzeitig ist es bei all dem Einsatz von digitalen Hintergründen und Landschaftsaufnahmen bemerkenswert, wie viel Liebe zum Detail in einzelne Schauplätze investiert wurde. Viele Szenerien sind durchaus real und die Sets sind gespickt mit allerlei Kleinigkeiten, die den Eindruck vermitteln, dass der jeweilige Ort eine Geschichte hat.

Die Menschheit hat den Wandel verschlafen

Und während sich der Dome als hochtechnologisierte Science-Fiction präsentiert, lebt der Rest der Stadt in einer weitergedachten Gegenwart. Smartphones, Automobile, Fernsehgeräte; nichts unterscheidet sich von 2026. Auch die Handlungen und sozialen Interaktionen haben nichts Zukünftiges an sich. Es gibt keine neuen Verhaltensweisen, keine futuristisch kodifizierte Sprache oder Normen, die das neue Zusammenleben regeln.

Alles wirkt sehr aktuell und entsprechend plump: Während sich die Welt weitergedreht hat, hat die Menschheit den Wandel nämlich verschlafen. Dies zeigt sich in den politischen Ränkespielen nach bekannten deutschen Mustern, die sich in Talkshows zeigen und von elitärer Verachtung für das konkrete Anpacken geprägt sind. Und es zeigt sich in den Mitteln, der Hitze Herr zu werden.

Die Lösung, so scheint es unkommentiert, sind Pflanzen. Diese gibt es im Dome, der mit seinem gläsernen Dach die Hitze draußen hält und die UV-Strahlung mindert, zuhauf. Außerhalb des Domes gibt es kaum Vegetation. Stattdessen stehen überall Ventilatoren herum, wie sie auch in der realen Welt allseits bekannt sind. Die Standfußpropeller, die keinerlei Sinn haben, außer Energie zu verbrauchen, die eine kühle Brise ermöglichen, aber keine echte Abkühlung.

In der Wohnung der Figur Yassin (Mouataz Alshaltouh) steht zudem ein mobiles Klimagerät. Es ist nicht in Betrieb und wurde schon mehrfach mit braunem Paketband umwickelt. Weder die Ventilatoren, noch dieses notdürftig geflickte Klimagerät lassen sich als Teil einer größeren Strategie erkennen, die darauf ausgelegt ist, den Folgen der Erwärmung ernsthaft zu begegnen.

„City of Blood“ präsentiert sich hier bodenständig und erfrischend komplex, indem sie diese unterschiedlichen Widersprüche gleichwertig nebeneinander existieren lässt. Allein die Diskussion der Klimathematik fehlt komplett. Zwar wird gezeigt, wie Wasser rationalisisiert wird, und dass das Wasser längst aus den öffentlichen Bäder abgelassen wurde, aber alles in allem scheint dies ein Normalzustand zu sein und kein Fokuspunkt, der es wert ist, bearbeitet zu werden.

city of blood serie

Und die Vampire?

Und dann sind da die Vampire, die, wie könnte es anders sein, als Parallelgesellschaft im Untergrund operieren. Leicht abgehoben, immer mit einem sanften Zittern in der Stimme und entweder in expressivster Manier oder komplett zugeknöpft, leben sie klischeebeladen wie Raubtiere. Herr über den illegalen Bluthandel ist dabei Zeno Gennardi (Lars Eidinger, „Alles Licht, das wir nicht sehen“, „Babylon Berlin„). Er ist schon der typische Vampir-Vamp, wie man die Figur kennt. Extrovertiert, artifiziell und brutal steht er Johan Moderson (Franz Hartwig, „Dark“, „Der Pass“) gegenüber, der die Verbindung zur Menschenwelt bedeutet.

Nach und nach werden die Vampire als Deep State implementiert, die aus dem Schatten heraus die Geschicke lenken, doch auch hier will sich die Serie nicht eindeutig festlegen lassen, was sie gekonnt inszeniert und damit den Bogen schließt zu dem, was oben als negativ bereits beschrieben wurde.

Wer sind die eigentlichen Blutsauger? Die Vampire, die ganz konkret Menschen des Blutes wegen töten, oder Politiker*innen, die sich aus Machtgründen auf fadenscheinige Positionen stürzen, die abseits einer Symbolpolitik so gar keine Verbesserung der Lage nach sich ziehen, und lieber gegen politische Gegenspieler*innen vorgehen, statt bei der Sache zu bleiben und der Aufgabe nachzukommen, für die sie gewählt wurden?

Fazit

„City of Blood“ ist eine atmosphärische Serie, die sich nie lange an einem Ort aufhält und der Handlung ständig etwas hinzufügt. Mehrere Handlungsstränge werden aufgemacht und es bleibt übersichtlich, weil sich keine Geschichte allzu weit von den übrigen Erzählungen entfernt. Hier und da mangelt es ihr an Tiefe, was schade ist, da sie immer wieder interessante gute Bilder liefert, die es wert sind, weiter verfolgt zu werden.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

„City of Blood“: Seit 16.9.2026 auf Disney+.

Bilder: (c) Disney+