Von Christian Klosz
Die AppleTV-Serie „Widow’s Bay“ war definitiv ein Überraschungserfolg, mit dem keiner gerechnet hat, aber ist längst kein Geheimtipp mehr, spätestens nach dem Emmy-Triumph gestern Nacht (14 Preise, darunter Beste Comedy-Serie, Bester Hauptdarsteller, Beste Regie usw.) haben alle davon gehört. Das liebenswert-verschrobene, eigenwillige Crossover aus Horror, Mystery und Comedy erzählt die Geschichte eines verschlafenen Küstenörtchens, in dem ein alter Fluch wieder zum Leben erwacht: Alle, die dort geboren wurden, können die Insel nicht Richtung Festland verlassen – oder sie sterben. Dem Bürgermeister – großartig gespielt von Matthew Rhys – kommt das besonders ungelegen, da er gerade alles daran setzt, den Tourismus in dem Kaff anzukurbeln. Unerklärliche Todesfälle und negative Schlagzeilen braucht man da gar nicht.
Die Melange aus Horror-Versatzstücken („The Fog“), Spielberg-Vibes („Der weiße Hai“) und schrägem Humor, alles getragen von einem überzeugenden Ensemble-Cast, ist ungewöhnlich, aber funktioniert. Gerade Rhys hat(te) das Serien-Jahr seines Lebens, brillierte er doch schon in „The Beast in me“, wofür er ebenfalls als Bester Hauptdarsteller (in der Kategorie „Anthologie- / Mini-Serie“) ausgezeichnet wurde. „Widow’s Bay“ ist auch der Beweis dafür, dass eigenständige, originäre Streaming-Stoffe (Mastermind hier: Schöpferin Katie Dippold) ohne Mega-Budgets und ohne große PR-Maschine zum Erfolg werden können. Neben dem Sieg der noch weirderen Arthouse-Serie „DTF St. Louis“ in der Kategorie „Mini-/Anthologieserie“ ein weiterer Hoffnungsschimmer für anspruchsvolles Streaming abseits gestreamlineter Content-Kalkulationen: Auch Serien können Kunst sein.
Bewertung
(91/100)
„Widow’s Bay“: Zu sehen bei AppleTV.
Bild: (c) AppleTV
