Anfang der 00-er Jahre hatte die „Indie-Kultur“ Hochkonjunktur: Retro-Bands sprossen aus dem Boden, und auch der „Independent-Film“ wurde zur Marke für kreative, kleine Produktionen abseits des Mainstream.

Als „Independent-Tragikkomödie“ lässt sich „American Splendor“ aus dem Jahr 2003 bezeichnen. Das Sujet des Films: Harvey Pekar, Aktenschlichter und Comicautor, der sein vollkommen ereignisloses und deprimierendes Leben in Form von Comics künstlerisch verarbeitet: „Ordinary life is pretty complex stuff“.

Die beiden Regisseure Robert Pulcini und Shari Springer Berman zeigen das Leben eines Outsiders, eines Einzelgängers, der sich jeglichen Kategorisierungen entzieht – und der sich selbst zum Comic-Hero stilisiert.

Alle Versuche des kapitalistischen Systems, den Outsider Pekar zu instrumentalisieren, scheitern: Als er schließlich zu David Letterman ins Fernsehen geladen wird, legt er sich sogar mit diesem an.

„American Splendor“ ist witzig, traurig, skurill, surreal, und ungewöhnlich – wie die Figur Harvey Pekar selbst. Der Film basiert dabei auf wahren Begebenheiten: Harvey Pekar gab es wirklich. In Zeiten, in denen noch niemand etwas von „Blogs“ gehört hatte, machte er sich selbst, und sein Leben, zum Inhalt eines Kunstprojektes. Der Film versucht nun, diese außergewöhnliche Figur des US-Underground-Kultur einzufangen.

Unabhängig produziert, über einen Outsider, der sich nicht vom System vereinnahmen lässt, ist das Ergebnis wie sein Protagonaist: totally underground. Ein Beispiel dafür, welch ungewöhnliche Geschichten das Leben schreibt. Und wie es dem Kino gelingen kann, diese Geschichten weiter und wieder zu erzählen.

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