Lars von Trier wurde hier schon behandelt ( KRITIK: „Nymph()maniac: Volume I” (director´s cut) – Lars von Trier; 2013), heute gibt es einen Rückblick auf von Triers Film VOR Nymphomaniac, „Melancholia“, der zweite Teil der inoffiziellen „Depressions-Trilogie“.

Grob gliedert sich der Film in 3 Teile: Zuerst sehen wir eine Familienzusammenkunft, bei der Justines (Kirsten Dunst) Hochzeit gefeiert wird. Ein Gefühl, eine Ahnung einer „vagen Bedrohung“ ist bereits spürbar, hier offenbart sie sich aber noch als bedrückte Stimmung, mit der die Braut trotz ihres „glücklichen Tages“ zu kämpfen hat. Sie scheint sich nicht recht über ihre Heirat freuen zu können, die grausame Mutter und ihre niederschmetternden Kommentare tun das Übrige. Die Großfamilienzusammenkunft im feudalen Landsitz endet im Desaster, und Justines Ehe ist vorbei, bevor sie richtig begonnen hat.

Teil 2 widmet sich ausführlich der Dokumentation von Justines Depressionen: Nach ihrer Hochzeit fällt sie in ein tiefes Loch. Sie zieht zu ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und deren Mann (Kiefer Sutherland) ins Landhaus, und lässt sich dort pflegen. Anzunehmen ist, dass von Trier hier seine eigenen Depressionen verarbeitete, wie er auch mehrmals andeutete.

Lob gebührt Kirsten Dunsts Darstellung: Allerdings überträgt sich ihre durch die Krankheit verursachte Trägheit leider auch etwas auf den Film, und den Erzählfluss, der etwas zäh anmutet.

Teil 3 widmet sich Claire, und der nahenden, äußeren Bedrohung: Ein Planet namens „Melancholia“ wurde entdeckt, und bewegt sich auf die Erde zu. Zuerst heißt es, er werde die Erde nur passieren, doch mit der Zeit stellt sich heraus, dass man sich wohl auf eine Kollusion einstellen muss. Die unweigerlich jegliches Leben auslöschen würde…

Und siehe da: Die ansonsten vernünftige Claire verfällt zusehends in Panik, während die depressive Justine sich überraschend leicht mit dem nahenden Ende abfindet.

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„Melancholia“ beeindruckt vor Allem durch die schönen, traurig-romantischen Bilder, und den dies unterstützenden Soundtrack. Ein eigenen, kleines Kunstwerk ist die rund 10-minütige Anfangssequenz, die die anstehende Katastrophe in wunderschönen Bildern illustriert.

Positiv herauszuheben ist, wie gesagt, das Schauspiel, wobei neben Dunst auch die Nebendarsteller wie Kiefer Sutherland oder John Hurt als Claire und Justines Vater zu überzeugen wissen.

Kritisieren kann man, dass keine wirkliche Absicht in dem Film erkennbar ist: Man fragt sich am Ende, was von Trier mit dem Film bezweckt. Vielleicht war es wirklich und in erster Linie eine Auseinandersetzung mit der eigenen Depression? Zudem wirkt er etwas schwer und behäbig.

Fazit:

„Melancholia“ ist ein schöner, romantischer Film über den Weltuntergang. Er illustriert, visuell hervorragend umgesetzt, wie unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Dispositionen mit der fiktiven Situation umgehen würden, dass das Leben auf Erden zu Ende wäre.

BEWERTUNG: **** von 5 Sternen

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