„Only a dead bug is a good bug“

Der Holländer macht es einem nicht immer leicht: Paul Verhoeven hat sichtlich Spaß daran, sein Publikum an der Nase herum zu führen, zu ärgern, verwirren, und in die Irre zu leiten. Dasselbe hatte er wohl auch mit einem Großteil der Kritiker vor, die viele seiner Werke verrissen, verurteilten, oder gar indizierten – wie mit „Starship Troopers“ geschehen, das vor Allem in Deutschland lange als Skandalfilm gehandelt wurde.

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Auch die etablierte Filmkritik ging Verhoeven auf den Leim, und qualifizierte das „Sci-Fi-Abenteuer“ als gewaltverherrlichendes oder gar faschistisches Machwerk ab. Inzwischen wurde die Indizierung aufgehoben, und Verhoevens Werk ist wieder verfügbar, wie überhaupt viele seiner Werke neu rezipiert werden. Manche sprechen gar von „verkannten Meisterwerken“, jedenfalls aber ist „Starship Troopers“ eine sehr amüsante, im Einsatz der Mittel ungewöhnliche Satire, die genau jene Ideologien aufs Korn nimmt, die ihr untergeschoben wurden.

Die Satire liegt dabei in der vollkommenen Überzeichnung: Niemand, der Verhoeven kennt, kann ernsthaft glauben, dass der Niederländer das Gezeigte ernst meint. Die gelackten Gelfrisuren der (männlichen) Protagonisten, der Bombast-Soundtrack, die Hochglanzbilder, die grellen Farben, die plump-dummen Stehsätze („Nur ein toter Käfer ist ein guter Käfer!“) sollten Hinweise genug sein.

Der Knackpunkt, der kritische Moment, liegt vielleicht darin, dass Verhoeven sich unverschämt jener Mittel bedient, die er kritisiert: Er kreiert umso schönere, perfektere Bilder, um die Oberflächlichkeit von Hollywood-Produktionen zu kritisieren; er lässt seine Protagonisten wie im Rausch tausende Bugs killen, um den amerikanischen Hurra-Patriotismus effektiv und effektvoll zu karikieren. Man kann hinterfragen, ob die gnadenlose und zynische Überzeichnung wirklich geeignete Mittel sind, diese existierenden Missstände aufzuzeigen; man kann es aber auch für gewagt halten, für absolute Satire, die selbst den Produktionsbedingungen, unten denen sie entstanden ist, ins Gesicht spuckt. Jedenfalls aber, macht das Verhoevens Kino einzigartig.

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„Starship Troopers“ nun ist, neben politischer Satire, auch ein unterhaltsamer Film, der paradoxerweise Spaß macht. Jedenfalls aber wurde die unverständliche Indizierung des Films endlich aufgehoben, und „Starship Troopers“, wie auch andere Werke des Regiseurs (z.B. „Showgirls“) erfahren gerade ein „zweites Leben“, und eine späte Würdigung. Als Filmfan sollte man sich auf jeden Fall mit diesen Filmen beschäftigen, und sei es nur, um eine Meinung dazu zu haben.

zum weiterlesen: „Hollow Man“ (2000) – Paul Verhoeven

Interview Paul Verhoeven:

 

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