Die 75. Golden Globes sind Geschichte: In Erinnerung bleiben werden die emotionalen Ansprachen diverser Stars, die (großteils) ganz im Zeichen von „metoo“ und „time is up“ standen, Auftritte von Frauen in schwarzen Roben, gemeinsam mit politischen Aktivistinnen – und ein Überraschungssieger.

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Die Übertragung begann mit einem „big fail“: Der groß angekündigte Live-Stream vom Red Carpet auf facebook lief nicht, was den Organisatoren in den sozialen Netzwerken promt Häme einbrachte. Wer irgendwo dennoch einen Stream erwischte, konnte vor Allem weibliche (und männliche) Stars in schwarzen Roben sehen, die über Ungerechtigkeiten in Hollywood, und der Welt, sprachen. Um zweiteres glaubwürdiger tun zu können, nahmen viele Stars Personen aus der „civil society“, Aktivistinnen und Vertreterinnen von NGOs mit zu den Red-Carpet-Interviews, wo gemeinsam Sexismus, Machtmissbrauch und die „Unterdrückung der Frau“ angeprangert wurde.

Seth Meyers, der solide, aber etwas uninspiriert durch den Abend führte, verteilte auch in seinem Eröffnungsmonolog Spitzen gegen die beiden sich nicht im Raum befindenden Elefanten, Harvey Weinstein und Donald Trump.

Die Preise verteilten sich recht (un)regelmäßig auf diverse Nominierte, wobei die Enttäuschung vor Allem bei Christopher Nolan („Dunkirk“) und Steven Spielberg („The Post“) groß gewesen sein dürfte: Beide gingen mit ihren Filmen vollkommen leer aus. Guillermo del Toro durfte für seinen als großen Favoriten gehandelten Film „The Shape of Water“ zumindest die Trophäe als bester Regisseur mit nach Hause nehmen, worüber er sich entsprechend freute, und die Organisatoren sogar dazu brachte, den nervigen „Musik-Alarm“ gegen Ende seiner Rede auszusetzen.

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Als bester Hauptdarsteller in der Komödien-Sparte wurde James Franco geehrt, der eine launige Rede hielt, und Timmy Wiseau und Bruder Dave auf die Bühne holte, während sich Gary Oldman über seinen ersten Golden Globe für seine Rolle als Winston Churchill in „Darkest Hour“ freuen durfte, und sich mit einer emotionalen Rede bedankte.

Einen „großen Abräumer“ gab es diesmal nicht, als Gewinner konnte sich dennoch „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ fühlen. Der Independent-Streifen von Martin McDonagh holte, etwas überraschend, gleich 4 Preise, darunter der für „Beste Regie“, die Darstellerpreise für Sam Rockwell (bester Nebendarsteller) und Frances McDormand (beste Hauptdarstellerin), und wurde schlussendlich auch als bestes Filmdrama des Jahres prämiert, während Favoriten wie „The Post“ oder „The Shape of Water“ leer ausgingen.

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Den bemerkenswertesten Moment des Abends lieferte allerdings Oprah Winfrey,  die für ihr Lebenswerk mit dem Cecil B. DeMille-Award geehrt wurde (Seth Meyers: „Was für eine Ehre für Cecil B. DeMille“). Ihre Rede lieferte einen Streifzug durch die Geschichte von Ungerechtigkeit und Missbrauch, erinnerte an tapfere Frauen, die für ihr Recht und ihren „Traum“ von einem besseren Leben kämpften, und richtetet den „powerful men“ im Showbiz – und überall sonst  – aus: „Your time is up!“.

Resultat: Standing Ovations für Oprah, und Forderungen wie „Oprah for president!“ in den Sozialen Netzwerken.

Weitere wichtige Preise: „Coco“ wurde als bester Animationsfilm gekürt, Fatih Akin durfte den Preis für den besten fremdsprachigen Film mit nach Deutschland nehmen, worüber sich die Nachbarn freuen werden, und „Lady Bird“ wurde als beste Komödie prämiert.

alle Gewinner: Golden Globes: Die Gewinner

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Fazit: Die 75. Golden Globes kann man durchaus als „Wendepunkt“ sehen, als „öffentliche Revolution“ der Frauen Hollywoods, die sich gegen Ungerechtigkeit und Missbrauch vereint zur Wehr setzen. Die Show verkam dennoch nicht um ernsten Politikum, sondern schaffte es, Bewusstseinsbildung mit Würdigung der Filmkunst zu verbinden. Dem – noch amtierenden – Präsidenten Trump weht ebenfalls stärkerer und selbstbewussterer Gegenwind entgegen als letztes Jahr, wo alle noch unter Schock ob seiner Wahl standen: Die liberale Elite der USA setzt sich vereint für eine „bessere Welt“ ein, nutzt ihre Publicity, um gesellschaftliche Veränderungen zu verfolgen, und dies alles unter der Führung von „starken Frauen“, die ihren Platz im System Hollywood gefunden haben.

Reese Witherspoon holds the award for Best Television Limited Series or Motion Picture Made for Television for "Big Little Lies", HBO, at the 75th Golden Globe Awards in Beverly Hills

Bericht von Christian Klosz