An Mike Nichols „Carnal Knowledge“ („Die Kunst zu lieben“) lässt sich ablesen, wie sich Moralvorstellungen über Sexualität in den letzten 50 Jahren verändert haben. Der Film des „The Graduate“-Regisseurs verursachte bei seiner Veröffentlichung im Jahre 1971 einen handfesten Skandal ob „zu offen“ gezeigter Sexualität. Aus heutiger Sicht findet man kaum Anstößiges in den gut 90 Minuten, Anfang der 70-er, als sich die Errungenschaften der „sexuellen Revolution“ gerade erst zu festigen begannen, verursachte ein Film, dessen einziges Thema im Grunde „Sex“ ist, großes Aufsehen: Das ging sogar so weit, dass sich ein Kinobetreiber vor Gericht verantworten musste, weil er „Carnal Knowledge“ in seinem Haus spielte.

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Inhaltlich folgt der Film zwei (ehemaligen) College-roommates (fies-machohaft: Jack Nicholson, sensibel-einfühlsam: Art Garfunkel) episodenhaft von ihren ersten Erfahrungen mit Sexualität, über die erste „feste Freundin“ bis hin zur Ehe und Familie – und die Frustration über die langweiligen Routinen, die sich nach Jahren in etablierten Beziehungen mitunter breitmachen. Ursprünglich als Theaterstück konzipiert, bietet auch der Film Kammerspiel-Atmosphäre, und eine Fokussierung auf die Schauspieler, auf die Entwicklung der Charaktere. Mehrere Szenen vermögen ob ihrer Intensität und Dichte zu überzeugen, keine/r der 4 Hauptdarsteller/innen steht dabei dem anderen etwas nach.

Überzeugend ist „Carnal Knowledge“ vor Allem ob seiner (auch heute noch) beeindruckend offenen und ehrlichen Annäherung an die Themen „Sexualität“ und „Liebe“. Die Figur Nicholsons (Jonathan) würde heute wohl als „übler Sexist“ beschimpft werden, doch Nichols zeigt auch die „Schattenseiten“ einer auf hedonistische Triebbefriedigung fokussierten Existenz. Garfunkels „good guy“ Sandy hingegen, der Frauen im Gegensatz zu seinem Kollegen idealisiert, verzweifelt über die Jahre vor Allem an der Ödness einer „bürgerlichen Existenz“ ohne Höhen und Tiefen – und sucht sein Heil in einer (möglichen) Affäre.

Alles in Allem bietet „Carnal Knowledge“ einen interessanten Einblick in die Moralvorstellungen von vor 50 Jahren, gute und intelligente Unterhaltung, und überzeugende Schauspielleistungen. Ein guter, sehenswerter Film, der (vor Allem in unseren Breiten) mehr gewürdigt werden sollte.

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