Am 3.2.2018 startet der österreichische Film „Erik & Erika“ in den heimischen Kinos. Der Film beleuchtet das Leben von Erik Schinegger, der zuvor noch als Erika Schinegger Skierfolge feierte. Wie sich die geschlechterspezifische Erziehung und das Leben mit einer falschen Identität anfühlt, wird ebenso gezeigt, wie auch Ecksteine im Leben von Erik. Inszeniert wurde der Film von Reinhold Bilgeri, dem österreichischen Musiker, nach einem Drehbuch von Dirk Kämper.

Die Geschichte beginnt mit der Geburt Erikas (Markus Freistätter). Alles scheint gewöhnlich, der Arzt stellt das Geschlecht als weiblich fest. Lediglich der Vater (Gerhard Liebmann) scheint ein wenig enttäuscht von der Nachricht, eine zweite Tochter bekommen zu haben.

Sprung in die Kindheit: Erika scheint kein gewöhnliches Mädchen zu sein. Sie will lieber Seifenkistenrennen fahren, als in der Küche zu helfen, was sie auch willensstark durchsetzt. Eines Tages bekommt Erika Ski von ihrer Mutter geschenkt. Von nun an beginnt die steile Karriere der jungen Kärtnerin. Alles scheint gut zu laufen, allerdings merkt Erika zunehmend Unterschiede zwischen ihr und anderen Frauen. Wie das Leben Erika´s zum Leben Erik´s wird, ist dabei der Kern der Geschichte.

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Der Film nimmt sich dafür ganze 110 Minuten Zeit. Dabei sind manche Längen schon spürbar, jedoch kommt nie Langeweile auf. Der Plot erscheint recht klassisch: Zeitliche Events verbunden mit Selbstfindungselementen. Inszenatorisch betritt der Film kaum Neuland. Alles ist eher dem Zweck untergeordnet, das Leben eines Menschen in seiner ganzen Würde zu porträtieren.

Das Drehbuch arbeitet mit einigen Stereotypen, und nicht jeder Satz, den die Schauspieler sprechen, wirkt zur Gänze ausgefeilt. Hervorzuheben ist allerdings die Kameraarbeit von Carsten Thiele („Egon Schiele: Tod und Mädchen“ 2016 & „Anna Fucking Molnar“ 2017). Manche Einstellungen oder ganze Sequenzen werden mit einer Liebe zum Bild gestaltet, die man als Zuschauer sehen kann. Schauspielerisch wird solide gearbeitet. Hier und da mag manche Situation verkrampft wirken, aber stets bleibt der Eindruck erhalten, dass die Crew Lust hatte, dieses Leben zu verfilmen. Markus Freistätter („Fucking Drama“ short 2017) hat die nicht einfache Aufgabe als Mann, eine Frau zu spielen, die eigentlich ein Mann ist, um dann als erwachsene Frau ein Mann zu werden, doch ganz gut bewältigt.

„Erik & Erika“ ist ein liebenswerter, kleiner Film. Es wird hier weder Neuland an Erzählerischem betreten, noch ein großer „österreichischer Film des Jahres“ präsentiert. Allerdings ist es schön zu sehen, wie Geschichte hier aufgearbeitet wird.
Für Leute, die vom Skisport der 60er wenig Ahnung haben oder Personen, die zu jung sind, um Erik Schineggers Lebensweg zu kennen, bietet sich hier die Möglichkeit, diese Wissenslücken zu füllen. Der Film scheint eben auch deshalb für ein junges Publikum gut geeignet zu sein. Wegen seine moralischen Message und der Darstellung einer unglaublichen, aber wahren Geschichte ist „Erik & Erika“ ein sehenswerter Film, unperfekt, aber mit dem Herz am rechten Fleck.

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Text: Valerian Happenhofer; Bilder: Constantin Film.

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