Im Zuge der Diagonale, des österreichischen Filmfestivals in Graz, wurde gestern Abend (15.3.2018) der Film „Sie nannten ihn Spencer“ von Karl-Martin Pold gezeigt. In einer Spätvorführung (23.00) konnte man nach dem Film noch in lockerer Atmosphäre mit dem Regisseur quatschen, der eine Vielzahl amüsanter Anekdoten vom über 8 Jahre andauernden Dreh zum Besten gab.

Die Entstehungsgeschichte des Films liest sich wie eine wahre Odyssee: Angefangen hatte alles mit einem an der FH produzierten Trailer eines “ fiktiven Films“, der nie produziert werden sollte. Nachdem, so Pold, das Interesse an dem Trailer von Bud Spencer-Fans weltweit dermaßen groß war, dass er wiederholt gefragt wurde, wann denn „der Film nun endlich ins Kino käme„, entschied er – selbst großer Fan – sich dazu, den Film zu drehen: Mit knappen finanziellen Mitteln, vielen (ehrenamtlichen) Unterstützern, die ihr Herzblut in den Film steckten, Crowdfunding, und unter abenteuerlichen Drehbedingungen. Die Liebe zur Filmfigur Bud Spencer und seinen Italo-Western mit Terence Hill durchdringt den ganzen Film, und macht ihn so unterhaltsam, sehenswert und (ganz und gar unpeinlich) berührend.

Worum geht es nun in „Sie nannten ihn Spencer“? Der Film widmet sich dem titelgebenden Helden, der in den 70-ern mit seinem Drehpartner Terence Hill (der übrigens auch zu Wort kommt) zum globalen Filmstar avancierte, und eine breite Masse an Fans auf der ganzen Welt begeisterte – und immer noch begeistert.

Der Film zeichnet das Portrait des ungewöhnlichen Mannes Carlo Pedersoli (so der bürgerliche Name von Bud Spencer), der neben seinem Beruf als Schauspieler und Western-Held Erfinder war, Firmenbesitzer, Flugunternehmer, diplomierter Jurist, Politiker, mehrfacher Schwimmmeister, und noch vieles mehr. „Sie nannten ihn Spencer“ kombiniert Archivmaterial und Interviews mit Weggefährten mit einem höchst amüsanten (semi-)dokumentarischen „Road-Movie“: Zwei glühende Bud Spencer-Verehrer, Marcus und Jorgo aus Deutschland, machen sich mit dem Bus auf durch halb Europa – um ihr großes Idol persönlich zu treffen.

mehr: Diagonale ≡ „Sargis – Das Leben ist so eine Sache“ (2017)

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Der große Pluspunkt des Films ist, dass er ganz offensichtlich mit viel Liebe gemacht wurde, die sich ganz unvermittelt auf den Zuseher überträgt. Viele Leute steckten ihre Begeisterung in dieses Projekt, um ihrem großen „Hero“ ein würdiges (filmisches) Denkmal zu setzen.

Hinzu kommt, dass die beiden Protagonisten der „Spencer-Suche“, Jorgo und Marcus, den beiden „Originalen“ Terence Hill und Bud Spencer bezüglich Unterhaltungswert und Komik in Nichts nachstehen. (Die beiden seien „wirklich so“, wie Regisseur Pold nicht müde war, zu betonen.) Abgerundet wird der Film durch unzählige Anekdoten aus dem Leben eines besonderen Mannes – und am Ende durch das doch unwahrscheinlich scheinende (und ehrlich berührende) Treffen der beiden Spencer-Fans mit ihrem großen Vorbild.

Alles in Allem: Ein toller Film (nicht nur für Bud Spencer-Verehrer), ein schöner, unterhaltsamer Filmabend zu später Stunde.

von Christian Klosz

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Fotos: Diagonale / epo-Film

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