Heute ist es soweit: Nach wochenlangem Findungsprozess präsentieren wird euch unsere „Besten Filme des 21. Jahrhunderts“!

Der Ablauf war ähnlich wie bei unserem Soundtrack-Feature, wich aber in Details ab: Zu einer 50 Filme umfassenden Short-List von Filmen, die ab inklusive 2000 (US-Starttermin) im Kino zu sehen waren, konnte jeder der 5 Autoren bis zu 5 weitere Filme wählen, die für ihn/sie unbedingt zu den besten Filmen der letzten 18 Jahre gehören. Aus dieser rund 70 Filme umfassenden, finalen Short-List wählte jeder Redakteur 20 Filme aus, und reihte sie: Platz 1 = 20 Punkte, Platz 2 = 19, Platz 3 = 18, usw.

Diese Punkte wurden am Ende addiert, und so ergab sich unser finales Ranking. Bei Punktegleichstand (kam vor allem im Mittelteil und am Ende der Liste mehrmals vor) wurde der Film mit mehr Nennungen vorgereiht, dann der mit mehr 20-Punktern, dann der mit der höheren Einzelbewertung. Bei bleibendem Gleichstand wurde redaktionell über die Platzierung abgestimmt.

Mit je 2 Filmen vertreten sind: Damien Chazelle, Paul Thomas Anderson, Darren Aronofsky und Denis Villeneuve. Gar nicht vertreten ist so manch anderer, großer Regisseur, was durchaus als Überraschung betrachtet werden kann (wiewohl die meisten von ihnen durchaus in der Short-List vertreten waren, aber einfach nicht, oder nicht ausreichend, gewählt wurden).

Wie bereits bei unserem Soundtrack-Feature waren wir zu fünft, jede Wertung wurde zu gleichen Teilen ins Ergebnis einberechnet. Wir 5, das sind: Mara Hollenstein-Tirk (mh), Valerian Happenhofer (vh), Szymon Pietrzak (sp), Cliff Brockerhoff (cb) und Christian Klosz (ck).

Und ja, auch intern sorgte unser Endergebnis, vor Allem unsere Nummer 1, durchaus für Diskussionen. Doch so funktioniert Demokratie nun einmal: Der mit den meisten Stimmen gewinnt 😉

Viel Spaß bei der Lektüre!

Wir freuen uns auf eure Reaktionen und Kommentare. Einen schönen Sonntag wünscht das „Film plus Kritik“-Team!


Platz 25: „Requiem for a Dream“ von Darren Aronofsky, 2000

18 Punkte

Für manche der beste Film, den sie je gesehen haben – und nie wieder sehen wollen. Aronofsky macht es seinem Publikum wahrlich nicht leicht: Er zeigt Protagonisten mit verfallenden Körpern, mit verfallender Psyche, die allesamt Drogen der einen oder anderen Art brauchen, um den Horror des Alltags zu überleben. Unterfüttert mit seinen typischen, eingeschnittenen short-cuts, unterlegt vom großartigen Soundtrack von Clint Mansell, der Geschichte schreiben sollte. Ebenso wie der Film, der gleich zum Beginn des Jahrtausends eine starke Duftmarke setzte, und vorzeichnete, wohin das Kino des 21. Jahrhunderts sich entwickeln sollte. (ck)

Platz 24: „Lady Bird“ von Greta Gerwig, 2017

18 Punkte

Der neueste Film in unserem Ranking: Greta Gerwigs wunderbares Indie-Drama sorgte letztes Jahr in der Filmwelt (völlig zurecht) für Furore, und lief bei uns erst vor kurzem an. Ein zutiefst persönlicher Film, Autoren-Kino im besten Sinne, gespickt mit hervorragenden Darstellern, und einer alles überragenden Saoirse Ronan in der Hauptrolle und als Titelheldin, als schräg-liebenswürdige „Lady Bird“, zugleich Alter Ego Greta Gerwigs, die bekanntlich vieles ihrer eigenen Jugend in den Film einfließend ließ. Zudem ist der Film eine wunderbare Hommage an die frühen 00-er-Jahre, an das damals groß aufkommende „Independent-Kino“, die Indie-Subkultur, an die Musik der Zeit und den damaligen Zeitgeist, der trotz Bush im White House, Terrorismus und Irak-Krieg mehr Hoffnung atmete als der heutige. Ein am Ende zutiefst positiver Film, der trotz aller Tragik glücklich macht. (ck)

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Platz 23: „Der Marsianer“ von Ridley Scott, 2015

19 Punkte

Wer könnte die allgemeine Aufregung vergessen, als Ridley Scotts neuester Geniestreich bei den Golden Globes 2016 in der Kategorie „Komödie und Musical“ nicht nur nominiert wurde, sondern gar gewann? Nicht zuletzt Scott selbst war irritiert („Best Comedy? Well, okay…“) – freute sich aber (zurecht) über die verdiente Auszeichnung. Der Hollywood-Haudegen schien in den Jahren davor etwas an Schwung verloren zu haben, gelten doch Filme wie „The Counselor“ und „Exodus“ bei weitem nicht als Meisterwerke. Mit „Der Marsianer“ gelang ihm ein unwahrscheinliches Comeback – vor allem in Anbetracht der geradezu absurden Vorlage. Und doch bewies Scott der ganzen Welt, dass er das Unmögliche möglich machen kann: Denn dank eines exquisiten Drehbuchs, einem Hauptdarsteller in Höchstform und seinem eigenen nicht unerheblichen Talent hinter der Kamera bewies der Brite in atemberaubender Manier, wie dicht Tragödie und Komödie doch beieinander liegen. Das ist Popcorn-Kino in seiner besten Form. (mh)

Platz 22: „Enemy“ von Denis Villeneuve, 2013

19 Punkte

Die Verfilmung des spanischen Romans „Der Doppelgänger“ zeigt Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, und ist womöglich der Film von Denis Villeneuve, der am wenigsten beachtet und geachtet wird. Dabei bietet „Enemy“ eine Story voller Wendungen, die auch nach der Auflösung noch nachwirkt und zur Diskussion anregt. Villeneuve sorgt mit einer trostlosen Farbwahl bei der Inszenierung für eine sehr eigenwillige Grundatmosphäre und präsentiert einen kurzweiligen Trip in die Psyche von Adam Bell, der nach der Entdeckung eines Doppelgängers von einer anfänglichen Begeisterung in eine krankhafte Obsession abgleitet. Gespickt mit Symbolen und Metaphern, stellt sich „Enemy“ als absoluter Geheimtipp heraus, und sei jedem ans Herz gelegt, der spannende und mutige Filme schätzt. (cb)

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Platz 21: „Synechdoche, New York“ von Charlie Kaufman, 2008

19 Punkte

Immer wieder wird bei Filmen von Meisterwerken gesprochen, aber nur auf sehr wenige trifft diese Bezeichnung wirklich zu. Kaufmanns Film aber erweitert die Möglichkeiten der Filmkunst auf eine besondere, sehr individuelle und zugleich gefühlvolle Weise. Die Surrealismuselemente dienen hier als Mittel zum Zweck, um eine Metaebenen zu schaffen und den Film an der Grenze zwischen Theaterstück und „philosophischem Traktat“ zu situieren, was dem Zuschauer ein besonderes und intensives Abenteuer bietet. (sp)

Platz 20: „Alles steht Kopf“ von Pete Docter, 2015

19 Punkte

Aus den stets hochwertigen Pixar/Disney-Produktionen der letzten Jahre sticht diese heraus: Ein unglaublich intelligentes, rührendes, unterhaltsames und lustiges Abenteuer „für Jung und Alt“ (im besten Sinne), das veranschaulicht, was sich so alles in unserem Gehirn abspielt. Auf so eine Drehbuch-Idee muss man auch erstmal kommen! Und die Animationen sind – wie gewohnt bei Pixar – sowieso eine Klasse für sich. Sehenswert! (ck)

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Platz 19: „Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson, 2014

20 Punkte

Wes Anderson, der Großmeister des schrägen, quirligen Humors, hat es bei diesem Film geschafft, sich maximal auf seinen Stil zu verlassen. Mit einem ausgezeichneten Cast, seiner Liebe zum Detail, der akribisch durchgeführten Zentralperspektive, dem trockenen Humor, einem Drehbuch, das regelrecht nach Anderson-Film schreit, hat der amerikanische Regisseur es mit „Grand Budapest Hotel“ geschafft, die Quintessenz seiner Filmographie auf die Leinwand zu destillieren. Für Vertraute seines Schaffens eine gelungene Weiterführung seiner Ästhetik, für Neulinge ein amüsanter, bunter Einstieg. Humorvolle Überinszenierung mit unglaublich vielen Details und unvermutetem Tiefgang. (vh)

Platz 18: „La Grande Bellezza“ von Paolo Sorrentino, 2013

20 Punkte

Federico Fellini war damals; heute gibt es Paolo Sorrentino, der in seiner cinematischen Hommage seiner großen Liebe zu Rom Ausdruck verleiht. Trotz dieser Liebe ist das gezeichnete Bild von der „ewigen Stadt“ ein sehr dekadentes, was dem entspricht, was man schon von Fellini kennt, und Sorrentino setzt seinen Film dazu in Dialog. Der Film zeigt uns zudem die Karikatur eines „modernen Menschen“, und ist so faszinierend, dass es unmöglich ist, die Augen vom Bildschirm abzuwenden. (sp)

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Teil 2: Platz 17 bis 10 

 

 

 

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