Platz 17: „The Wolf of Wall Street“ von Martin Scorsese, 2013

23 Punkte

Scorseses epochale Abrechnung mit der Finanzwelt – die wie gewohnt ordentlich ambivalent daherkommt, zwischen Faszination und Abscheu für ihr Sujet hin- und her schwankt, und den Zuschauer zwingt, selbst Position zu beziehen. Die dargestellte Welt bedarf keiner Überzeichnung, Scorseses gnadenloser Ultra-Realismus genügt, um den Wahnsinn einer entgrenzten Welt zu illustrieren. Er zeigt ein Milieu, dessen bizarre Perversität unheimlich verführerisch ist – um am Ende doch alle Protagonisten als erbärmliche Trickspieler und Kleingauner zu enttarnen. Dennoch zeigt Scorsese Verständnis für seine Figuren, wird nie plakativ, und schuf mit „Wolf of Wall Street“ einen der besten Filme zur Finanzkrise. Überragend: Leonardo Di Caprio in einer wahrlich Oscar-würdigen Performance, die dem Begriff „Over-Acting“ neue Bedeutung verleiht. (ck)

Platz 16: „Inglorious Basterds“ von Quentin Tarantino, 2009

24 Punkte

„Geschichtsschreibung, einmal anders“, das muss wohl einer seiner Gedanken gewesen sein, als sich Kultregisseur Quentin Tarantino nach seinem Racheepos „Kill Bill“ an die Umsetzung eines ganz anderen Stoffes machte. Frei nach dem Motto „Immer wieder das gleiche macht auf Dauer auch keinen Spaß“ nahm er sich hier den zweiten Weltkrieg als Kulisse für ein wahnwitziges Komplott, an dessen Ende die Ermordung Hitlers stehen sollte. Dass der Film am Ende ein solcher Erfolg wurde, liegt nicht nur an Tarantinos inzwischen geradezu meisterlich perfektioniertem Erzählstil, dem typisch schwarzen Humor, den flotten Dialogen, und den auf dem Bildschirm regelrecht explodierenden Gewaltszenen, sondern auch an dem exzellenten Cast (allen voran Christoph Waltz als tödlich charmanter Nazi-General Hans Landa). (mh)

KR3PHTM.png

Platz 15: „The Lobster“ von Yorgos Lanthimos, 2015

25 Punkte

Eine dystopische Liebesgeschichte, die so erzählt ist wie eine griechische Tragödie. Der Film nimmt sehr surrealistische Situationen, und versucht zu zeigen, wie peinlich zwischenmenschliche Beziehungen manchmal sein können. Was will uns Regisseur Lanthimos sagen? Humorvoll berichtet er von sozialen Regeln, die unsere Beziehungen definieren, und von denen es kein Entkommen zu geben scheint. Einer der definierenden Filme der letzten Jahre. (sp)

Platz 14: „Mother!“ von Darren Aronofsky, 2017

25 Punkte

Darren Aronofskys Werk aus dem vergangenen Jahr lässt sich schwer beschreiben, ohne die Elemente preis zu geben, die den Film zu dem Erlebnis machen, das er bietet. Die vordergründig inszenierte Geschichte stellt sich als einzige Metapher heraus und wird von ebenso vielen Leuten verdammt wie vergöttert. Jennifer Lawrence und Javier Bardem spielen zwei namenlose Charaktere, die in einem abgelegenen Haus Besuch von einem Fremden bekommen, der ihre Hilfe benötigt. Nach und nach treffen immer mehr Besucher ein und lassen einen Albtraum der ganz besonderen Art entstehen. „Mother!“ lebt von seinen feinen Details und benötigt zweifellos mehrere Durchläufe, um in seiner vollen Genialität erfasst werden zu können. Aronofsky mischt Drama mit Horror, Symbolismus mit Gesellschaftskritik, alles zusammengehalten von einer Inszenierung der Extraklasse. Mutig, erschütternd und tiefgründig; unsere Nummer 1 aus dem Jahre 2017 und ein Highlight des 21. Jahrhunderts. (cb)

mother-darren-aronofsky-jennifer-lawrence.jpeg

Platz 13: „Nightcrawler“ von Dan Gilroy, 2014

27 Punkte

Das Regiedebüt von Dan Gilroy war eine der Überraschungen der letzten Jahre und erzählt die Geschichte von Louis Bloom, der sich als Kleinkrimineller durchs Leben schlägt, und nach und nach als skrupelloser Reporter von sich reden macht, der weder vor blutigen Unfällen, noch von brutalen Gewalttaten zurückschreckt. Verkörpert wird Bloom vom überragenden Jake Gyllenhaal, der in „Nightcrawler“ eine der besten Performances seiner Karriere abliefert. Permanenter Nervenkitzel und eine ständige Unruhe zeichnen dieses Werk ebenso aus, wie seine visuelle Eleganz, die im Kontrast zur harten Story immer wieder für grandiose Momente sorgt und „Nightcrawler“ zu einem Actionthriller machen, der am Ende erschreckend real wirkt. (cb)

Platz 12: „Her“ von Spike Jonze, 2013

27 Punkte

Spike Jonze, der zum Teil durch seine Arbeiten unter Drehbuchgenie Charlie Kaufman Ruhm erlangte, hat sich bei „Her“ auf sein eigenes Drehbuch verlassen. Entstanden ist dabei ein Film, der es schafft, Diskussionen anzuregen. Eine Welt, in der Menschen kaum noch zu kommunizieren scheinen, ist heute fast schon mehr Realität als Fiktion. Dennoch hat Jonze schon 2013 diesem Thema eine Plattform geboten. Durch das großartige Schauspiel von Joaquin Phoenix und das Voice-Acting von Scarlett Johansson wurde glaubhaft hinterfragt, was Liebe ist, und wie Liebe in Zeiten von künstlichen Intelligenzen neu gedacht werden kann. Warme Bilder für eine kalte Zukunftsprognose. (vh)

her-film.jpg

Platz 11: „Mulholland Drive“ von David Lynch, 2001

29 Punkte

David Lynch hat wohl schon den einen oder anderen ordentlichen „Mindfuck“ bei seinen Zuschauern ausgelöst. 2001 erging es wohl einigen Zuschauern erneut nicht anders: „Mulholland Drive“ mit Naomi Watts und Laura Harring in den Hauptrollen ist vieles, aber nichts, das man zur Gänze verstehen könnte – oder soll. Irgendwie eine Detektivgeschichte, dann auch wieder Hollywoodparodie, mitunter auch Horrorfilm. Man weiß nicht recht, wie man den Film einordnen soll, und gerade daraus zieht er seine Stärke. Lynch regt zum Nachdenken an, so gut, dass man nie zu einem Ende kommen würde. Aber abseits davon bietet der Film tolle schauspielerische Leistungen, eine dichte Atmosphäre und eine spannende Geschichte. (vh)

Platz 10: „Melancholia“ von Lars von Trier, 2011

29 Punkte

Ein Werk von unerträglicher Schönheit – und von überwältigender Traurigkeit; zudem der Mittelteil von von Triers „Depressions-Trilogie“ („Antichrist“, „Nymphomaniac“), und der beste und zugänglichste Teil der Saga. Getragen wird der Film von überragenden Schauspielleistungen, allen voran von Kirsten Dunst. Aber auch Charlotte Gainsbourg bestätigt ihr Talent, Kiefer Sutherland beweist, dass er weit mehr kann, als Terroristen in 24 Stunden zur Strecke zu bringen, und John Hurt liefert eine große Abschiedsvorstellung. Wer in das Werk des streitbaren dänischen Enfant Terrible eintauchen möchte, findet hier einen idealen Startpunkt. (ck)

image-267566-860_poster_16x9-evfo-267566.jpg

->> Teil 3: Platz 9 bis 1

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements